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Wichernhaus wird Wohnraum

Blick in die Zukunft: In zwei Jahren soll der Neubau Am Spreeufer stehen.
Blick in die Zukunft: In zwei Jahren soll der Neubau Am Spreeufer stehen. FOTO: Grafik Schnapke Gruppe
Cottbus. Die Schnapke-Gruppe investiert rund zehn Millionen Euro in den Wichernkomplex und errichtet drei neue Wohnhäuser. Damit verschwindet die letzte große Brache in der Cottbuser Altstadt. Peggy Kompalla

Es ist historischer Grund und sieht ziemlich übel aus. Das ändert sich gerade. Der seit vielen Jahren leer stehende Wichernkomplex zwischen Mühlenstraße und Am Spreeufer ist entkernt. Am Dienstagnachmittag rücken die Bagger an und fressen sich seither durch die Wände der einstigen Stadtmission, die in den 30er-Jahren errichtet wurde.

Jörg Schnapke ist froh, dass es endlich losgeht. Er ist der Geschäftsführer der Alpha Objektverwaltungs GmbH & Co. KG und der Sternbau GmbH. Beide Unternehmen gehören zur familieneigenen Schnapke-Gruppe. Damit ist der Unternehmer Bauherr und Generalunternehmer in einem. Die Vorbereitung hat mit zwei Jahren nach seinem Geschmack viel zu lange gedauert.

Nun errichtet die Schnapke-Gruppe in den nächsten zwei Jahren drei neue Wohnhäuser mit insgesamt 55 Wohnungen. "Sie sind alle barrierefrei mit modernem und hohem Standard", erklärt der Geschäftsmann. Er verteidigt den schlichten, modernen Stil der Entwürfe. "Wir leben im Jahr 2017 mit neuen Ansprüchen an Wohnraum. Wir können nicht wie im 18. oder 19. Jahrhundert bauen", sagt er und schiebt nach: "Wir schaffen etwas, was bleiben wird."

Zwei größere Neubauten entstehen entlang der Mühlenstraße und Am Spreeufer gegenüber den Gerberhäusern. Beide Gebäude erhalten sechs Geschosse, die obersten werden zurückgesetzt. "Optisch fügt sich das gut ein", versichert Schnapke. Direkt neben dem Dreyhouse entsteht der kleinste Neubau. "Der bekommt nur fünf Geschosse." Auf diesen Kompromiss habe sich das Unternehmen mit dem Nachbarn geeinigt.

Die Untergeschosse der Häuser verwandeln sich in ein Parkdeck. Auch das geschwungene Eingangsportal der einstigen Stadtmission soll erhalten bleiben, das Gitter mit dem Spruch "Jesus lebt, Jesus siegt" dagegen verschwindet. Durch den Erhalt des Untergeschosses mit dem Mauerwerk wird zudem optisch die Anmutung der Stadtmauer fortgesetzt. "Wir haben uns ganz bewusst gegen zusätzliche Läden entschieden", erklärt Jörg Schnapke. "Die gehören in die Sprem und ins Zentrum." Die angestammten Wege bleiben erhalten. Das sei eine Auflage der Stadtplaner gewesen.

Das denkmalgeschützte Wichernhaus an der Ecke von Ger traudten- und Mühlenstraße wird saniert. Jörg Schnapke erwartet nicht, dass das Baudenkmal viel Historisches freigeben wird. "Das Haus wurde in den 70er-Jahren komplett entkernt. Da ist nichts mehr vom Ursprungsbau erhalten", sagt der Unternehmer. Nichtsdestotrotz würden die Archäologen die Arbeiten begleiten. Auch den Abriss der Stadtmission. Der Vandalismus in der Ruine sei enorm gewesen. "Von dem großen Saal ist das komplette Parkett verschwunden, ebenso Täfelung der Wände. Es wurde massiv geklaut und zerstört."

Welche Zukunft das historische Wichernhaus erwartet, ist noch unklar. Durch das Pflegeunternehmen Medicus GmbH, das ebenfalls zur Schnapke-Gruppe gehört, könnte möglicherweise eine Tagespflege in das Baudenkmal einziehen. Das sei aber noch nicht entschieden.

Zum Thema:
Seinen Ursprung hat das Wichernhaus in der Mühlenstraße 30/31. Der Komplex besteht aus fünf U-förmig angeordneten Bauten. Das Ursprungsgebäude entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Dr. Carl Thiem und Dr. Gustav Kühn eröffneten darin im Jahr 1885 eine Privatklinik. Die Stadtgemeinde Cottbus übernahm das Grundstück im Jahr 1908. Mitte der 1930er-Jahre dienten die Häuser als Wohnungen. 1937 wurde ein Gebäude für Missionsarbeit mit großem Versammlungsraum an der Ecke Gertraudtenstraße/Am Spreeufer gebaut. An der Ostseite des Gebäudes entstand in den 70ern ein Neubau.