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| 14:25 Uhr

Lokaler Kältestrom Anfang Mai in Ost- und Südbrandenburg
Frostnacht ruiniert Obsternte

 Sieht nicht gut aus: Thomas Bröcker, Obstbauer und Leiter des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg Abteilung Obstbau, betrachtet in seiner Plantage nahe Frankfurt (Oder) die schwarzen, erfrorenen Fruchtstände an einem Pflaumenbaum.
Sieht nicht gut aus: Thomas Bröcker, Obstbauer und Leiter des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg Abteilung Obstbau, betrachtet in seiner Plantage nahe Frankfurt (Oder) die schwarzen, erfrorenen Fruchtstände an einem Pflaumenbaum. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus. Eine Frostnacht hat große Teile der Obsternte in Ost- und Südbrandenburg zunichte gemacht. Ein Forscher spricht von einer ungewöhnlichen Extremwetterlage. Die Auswirkungen betreffen nicht nur Obstbäume. Von Sybille von Danckelman

Mit Äpfeln und Kirschen wird es dieses Jahr nix: Das weiß Angelika Rademacher in Preschen (Spree-Neiße) schon seit Anfang April: Da gab es nämlich schon einmal Bodenfrost in der Nacht, nicht vorhergesagten, und hat alles zunichte gemacht.

„Totalschaden an Apfel und Kirsche“ meldet die Obstbäuerin, die 17 Hektar im Elbe-Elster-Kreis bewirtschaftet. Die Frostnacht Anfang Mai habe dann den Rest gegeben. „Nicht einen Apfel“ werde sie ernten. Die schwarz verfärbten Fruchtansätze fallen bei jedem kleinen Windhauch einfach ab.

Momentan verkaufe sie noch Restäpfel aus der vorherigen Ernte. Was im Herbst und im nächsten Frühjahr wird, ist unklar. Angelika Rademacher befürchtet, dass das ganze Ausmaß der Verluste derzeit noch gar nicht absehbar ist. Deshalb sei sie auch nicht sicher, wie sich der Preis für Äpfel entwickele.

Die Schäden für Brandenburg sind tatsächlich noch nicht beziffert. Der Frankfurter Obstbauer Thomas Bröcker leitet im Gartenbauverband Berlin-Brandenburg die Abteilung Obstbau und ist derzeit bei der Bestandsaufnahme. Allein am Standort Frankfurt (Oder) rechnet er mit Einnahmeverlusten in Höhe von zwei Millionen Euro. Äpfel, Kirschen und auch Pflaumen seien betroffen.

Totalschaden auf Obstplantage in Dahme-Spreewald

Walter Wittig vom gleichnamigen Obstbau in Walddrehna (Dahme-Spreewald) geht zurzeit nicht gern in seine Plantage. „Alles schwarz“, „Totalschaden“, meldet er, bei Äpfeln und Süßkirschen. Wittig hat drei Frostereignisse gezählt. Dass die Kälteströme tatsächlich nur lokal begrenzt waren, hat Wittig bei einem Termin in Senftenberg gesehen: Während in und um Walddrehna etwa die Akazie kaum blüht und auch die Imker vor Probleme stellt, steht sie in Senftenberg in voller Pracht.

Obstbauer Wittig nun muss diese Saison gut mit seinen Rücklagen wirtschaften. Es gilt, mit dem Ernteverlust von 21 Hektar Apfelplantage zurechtzukommen. Die Pflegekosten für die Bäume liefen ja weiter, auch ohne Einnahmen.

Spargel soll Ausfall beim Obst kompensieren

Da hat es Henri Meier aus Klein Gaglow (bei Cottbus) besser. Sein Hauptgeschäft ist der Spargel, damit könne und müsse man den Ausfall beim Obst kompensieren. Eingeschlagen hat der lokale Kältestrom auch bei ihm: „Es sieht nicht gut aus.“ Obsthof-Geschäftsführer Meier schätzt den Ausfall auf 70 Prozent. Entschädigung, wie vor zwei oder acht Jahren, als in ganz Deutschland und Brandenburg die Obstblüte erfror, werde es bei einer regionalen Angelegenheit wohl kaum geben, befürchtet eren.

Meier will seine Produktion künftig mit Frostberegnen optimieren. Die entstehende Eishülle beim Beregnen schützt Knospen oder Fruchtansätze. So werde es in Südtirol auch gemacht, sagt er.

Die Schläuche dafür liegen in Klein Gaglow schon bereit. Die Installierung wird in in einigen Bundesländern sogar gefördert, in Brandenburg nicht, sagt Gartenbauverbands-Mann Bröcker. Das Land sei aber im Gespräch mit dem Bund, erklärt Jens-Uwe-Schade, Sprecher des Agrarministeriums. Man wolle das über die Richtlinie Einzelbetriebliche Förderung angehen.

Nicht nur Obstbäume von Frost betroffen

Das Frostberegnen hätte im aktuellen Fall aber noch mehr Schaden angerichtet, meint hingegen Hilmar Schwärzel, Leiter der Brandenburger Obstbauversuchsstation in Müncheberg (Kreis Märkisch-Oderland).

„Der Kältestrom wurde durch den Nordostwind regelrecht in bestimmte Regionen gedrückt“, sagt Schwärzel. „Beim Beregnen wäre das Eis so dick geworden, dass in der Folge ganze Äste oder Bäume abbrechen würden.“

Der erfahrene Obstbaumforscher spricht von einer Extremwetterlage, wie er sie in den vergangenen 50 Jahren noch nicht erlebt habe.

Die Auswirkungen beträfen nicht nur Obstbäume. „Die jungen Triebe an Buchen, Platanen, Eichen und Robinien sind sogar in zehn, zwanzig Metern Höhe erfroren. Ebenso Fruchtansätze bei Maulbeeren und Walnüssen und sogar Quitten“, ergänzt er. „Zwei Orte weiter gibt es hingegen gar keine Frostschäden.“

Wissenschaftler Schwärzel plädiert für die Anpflanzung von Hecken zwischen den Obstbäumen, die zumindest den Wind abhalten würden.

Der Klimawandel führt seiner Ansicht nach zu einer Zunahme solcher Wetterextreme. „Der Februar war zu warm, nicht zum ersten Mal. Dadurch war die Vegetation jetzt schon sehr weit und der Frost konnte so extreme Schäden anrichten.“