Mit dem Lasso in der einen und die Zügel in der anderen Hand, mit Sporen an den Stiefeln und mit einem der schnellsten Pferde unter dem Po durch die Prärie reiten – das wünschen sich viele Möchte-gern-Cowboys. Bernd Stamm aus Wiesendorf hat sich diesen Kindertraum erfüllt. Als er neun Jahren alt war, hatte er das erste Mal Kontakt zu Pferden. Seitdem ließen sie ihn nicht mehr los.

Stamm trägt einen Cowboyhut. Sein Hund Meggy begleitet ihn, als er aus seinem Holzhaus kommt und sich erst einmal ein paar Socken anzieht. Danach zündet er sich eine Zigarette an und schlürft seinen Kaffee. Auf seiner 50 Hektar großen Cattlemans Ranch lebt Stamm den „American way of Life“.

Bernd Stamm kennt sich sehr gut aus mit Pferdestärken. So habe er sich damals entschlossen, seinen Job als Autoverkäufer sausen zu lassen, als er im Jahr 1993 wegen seiner großen Liebe in die Lausitz kam. „Die ersten Pferde habe ich aus den USA einfliegen lassen“, sagt der 45-jährige ehemalige Hesse. Inzwischen ist Stamm mit seiner Ranch Mitglied in der DQHA (Deutsche Quarter Horse Association). Er fühle sich in Wiesendorf zu Hause, sagt Stamm.

Die Rasse der American Quarter Horses (Viertel-Meilen-Pferde) hat es ihm besonders angetan. Dieses Pferd sei so muskelbepackt und stark und doch so elegant und vielseitig. „Die mussten früher in Amerika alles können: Unter der Woche den Acker pflügen, samstags Turniere reiten und sonntags die Familie zur Kirche kutschieren. Diese Pferde sind ausdauernd, robust, kräftig und dabei willig, fügsam und nervenstark“, sgat er. Stolz zeigt Stamm auf die Weide links von der Ranch, wo die Stuten mit ihren Fohlen stehen. „Ich halte sie nach Geschlechtern getrennt. Die Hengste und Wallache stehen drüben auf der anderen Seite.“ Mit den Pferden sei es ja wie mit den Menschen. „Die Mädels halten die Sippe zusammen, passen gegenseitig auf sich auf und erziehen die Nachkommen gemeinsam. Die Männer machen gar nichts oder sie fangen aus heiterem Himmel an zu raufen. Nach zehn Minuten stehen sie dann aber wieder friedlich nebeneinander und fressen gemütlich Gras, als wäre nichts geschehen“, sagt Stamm.

Etwa 50 Meter entfernt vom Haupthaus mit dem angrenzenden Stallgebäude steht ein weiteres kleineres Holzhaus. Es ist gemütlich im Westernstil hergerichtet – mit Bildern, Urkunden und Trophäen an den Wänden, einem kleinen Tresen, Holzbänken und –tischen. Dort sitzt Stamm öfter mit seinen Reitfreunden und Vereinsmitgliedern oder mit Pferdebesitzern, die ihr Tier auf der Cattlemans Ranch stehen haben. „Wir machen auch gemeinsame Ausflüge. Neulich sind wir von Pirna aus über die Grenze nach Tschechien geritten und waren drei Tage unterwegs“, erzählt Stamm. Seine Augen funkeln dabei.

Stamm kooperiert mit zwei Cottbuser Kinderheimen. „Je nach Bedarf werden die Kinder, die aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen, zu uns auf die Ranch gebracht, um im Kontakt zu den Tieren mehr über soziale Umgangsweisen zu erfahren.“ Auch der Aufenthalt in der freien Natur täte ihnen sehr gut. Momentan hat Bernd Stamm zwei Jungs aus Berlin bei sich zu Gast. Auch sie kommen aus zerrütteten familiären Verhältnissen und fühlen sich hier draußen wohl. „Das schönste ist, wenn ich hier Trecker fahren darf“, sagt Christian Stockenberg (13).

„Reiten können Kinder hier ab 12 Jahren und alle, die daran Interesse haben“, sagt Stamm. Wer mehr über den Westernreitsport erfahren möchte und ganz nebenbei eine schöne Fahrradtour mit Pausenstopp an der Cattlemans Ranch machen möchte, sollte sich vorab telefonisch mit ihm in Verbindung setzen und einen Termin für eine Besichtigung der Ranch und ein Probetraining machen. Stamm ist zertifizierter professionell Horseman. Zu seiner ersten Regel gehört der ehrenhafte Umgang mit Pferd und Mensch. Für Verpflegung vor Ort ist nicht gesorgt, aber ein überdachter Platz zum Rasten und Picknicken steht zur Verfügung.

Fazit

Kosten: Der Ausflug kostet gar nichts außer Muskelkraft. Verpflegung muss selbst mitgebracht werden. Ein Trinkgeld wäre nett.

Zeitaufwand: Eine Besichtigung der Ranch dauert etwa eine Stunde zuzüglich eine Stunde Probereiten. Kosten und Termin vorab mit Bernd Stamm telefonisch abklären.

Anfahrt: Mit dem Fahrrad auf dem Radfernweg dauert die Tour von Cottbus nach Wiesendorf etwa 40 Minuten und umfasst rund 15 Kilometer. Der Euro-Radfernweg beginnt im Bautzener Land und führt über Spremberg nach Kolkwitz zur Koselmühle. Mit dem Auto in Richtung Vetschau kurz vor Eichow links nach Krieschow abbiegen, dort der Beschilderung folgen oder aus Berlin kommend auf der A 115 die Abfahrt Vetschau nehmen, Richtung Cottbus, hinter Eichow rechts nach Krieschow abbiegen und dort der Beschilderung folgen.

Kinderfreundlichkeit: Reiten dürfen die Kinder hier erst ab 12 Jahren. Es ist aber enorm viel Platz zum Stöbern, Laufen und Spielen auch für Kleinere.