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Wert und Schönheit alter Bauten

Der Bau in der Parzellenstraße würdigt die Geschichte des Standortes ebenso wie die Erfordernisse der heutigen Nutzer.
Der Bau in der Parzellenstraße würdigt die Geschichte des Standortes ebenso wie die Erfordernisse der heutigen Nutzer. FOTO: Architektenkammer
Cottbus. Der Tag der Architektur am 25. Juni steht in diesem Jahr unter dem Motto "Altbau als Rohstoff – und als Inspiration". Andrea Hilscher

Der Tag der Architektur am 25. Juni steht in diesem Jahr unter dem Motto "Altbau als Rohstoff - und als Inspiration". Insgesamt öffnen in Brandenburg 36 Anlagen und Gebäude ihre Türen für Besucher. In Cottbus führen Architekten durch zwei sehr unterschiedliche Zweckbauten: die sanierte Fröbel-Grundschule und das nach einem Brand wieder aufgebaute Fabrikgebäude in der Parzellenstraße.

"Bauen findet heute zu großen Teilen im Bestand statt und das Programm zeigt, wie spannend diese Aufgaben sind", sagt Kammerpräsident Christian Keller, selbst Architekt in Cottbus: "Daher zeigen wir ganz viele Projekte, wo die vorhandene Bausubstanz einfach aus ökonomischen und ökologischen Gründen weiter verwendet wird, also gewissermaßen als Rohstoff - und als Inspiration für ein Zusammenspiel von alt und neu."

Der Gedanke ist nicht neu, verlangt aber immer wieder Mut. Im Fall der gründerzeitlichen Maschinenfabrik in der Parzellenstraße gehörte zu diesem Mut vielleicht auch eine Prise Unvernunft. Der Bau war im Juni 2013 durch einen Brand fast völlig zerstört worden. Die Halle, im Besitz der beiden Unternehmer Heinz und Klaus Kisters, war eigentlich abbruchreif. Zunächst planten die Kisters den Bau einer neuen Gewerbehalle, stießen dann aber auf einen Architekten, der an einen Wiederaufbau der ursprünglichen Halle glaubte. Fred Wanta aus Cottbus sah eine Möglichkeit, Teile der alten Substanz zu erhalten und komplett in den Neubau zu integrieren. "Es war ein Risiko", gibt er heute zu. Das Bauen auf den abgebrannten Grundmauern, ein fast wahnwitziger Zeitplan und die Idee, das Gebäude in seiner Verletzlichkeit zu zeigen, stellte alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Fred Wanta: "Das Tempo setzte alle Firmen ganz schön unter Druck. Und unsere Maurer haben mächtig geflucht, als wir ihnen gesagt haben, dass wir auch Mauerteile erhalten wollen, die sichtlich unter den Flammen gelitten haben." Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Die Backsteinmauern erzählen Geschichte, verbreiten einen unvergleichlichen Charme. Die Lounge etwa lebt von einem 15 Meter langen Schriftzug, der ursprünglich die Außenwände der Maschinenfabrik zierte. Fred Wanta: "Spannend war es auch, in der früher mehrschiffigen Halle einen Tanzsaal zu schaffen, der nicht durch Stützpfeiler unterbrochen wird."

Unter einem neuen, weit spannenden Dachtragwerk findet sich heute der großzügige Saal der Tanzschule Daniel Kara sowie Behandlungsräume und ein Turnsaal für die Physiotherapie MediFit.

Ein Gebäude aus DDR-Zeiten stellte den Cottbuser Architekten Tobias Keßler vor spannende Herausforderungen: Das Schulgebäude und die Turnhalle der Fröbel-Grundschule sollten umfassend energetisch saniert und den heutigen Erfordernissen angepasst werden. Das Haus, dessen abwechslungsreiche Fassade auch im Inneren ihre Fortsetzung findet, verfügt nun über einen Aufzug, besseren Sonnenschutz, eine effektivere Lüftung, neue Fenster und unterstützende Elemente für Kinder mit Sehbehinderungen.

Die Außenanlagen hat der Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann umgestaltet.

Zum Thema:
Ehemalige Maschinenfabrik Parzellenstraße: Nutzer Tanzschule und MediFit Reha. Geöffnet am 25. Juni, 13 bis 18 Uhr. Führungen um 13, 15 und 17 Uhr.Fröbel-Grundschule Welzower Straße. Geöffnet am 25. Juni, 13 bis 16 Uhr. Führungen um 3 und 15 Uhr.Zum Tag der Architektur hat die Architektenkammer ein Programmplakat herausgegeben, auf dem alle Objekte mit Adresse, Foto und kurzer Beschreibung dargestellt sind. Dieses kann kostenlos bestellt werden unter Telefon 0331/275910 oder info@ak-brandenburg.de.