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| 16:09 Uhr

Aktionswoche mit dem Menschenrechtszentrum
Schüler ergründen Protestkultur

 Die Schüler gestalteten Graffiti-Wandbilder im Cottbuser Strombad, die sich mit Protestkultur auseinandersetzen.
Die Schüler gestalteten Graffiti-Wandbilder im Cottbuser Strombad, die sich mit Protestkultur auseinandersetzen. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Werkstatt im Cottbuser Strombad spannt Bogen vom Ende der DDR zu Fridays for Future. Von Rene Wappler

Wer protestiert, trifft auf Widerstand.

Zwei Mädchen vollenden ein Graffiti-Wandbild an der Mauer des Cottbuser Strombads. Eine Gruppe von Schülern sitzt nebenan im Gras. Fünf Tage lang haben sie sich mit der Frage befasst, ob es Parallelen zwischen den Demonstrationen im Herbst 1989 in der DDR und heutigen Protestbewegungen gibt.

Jetzt diskutiert die Runde erst mal über einen 55-minütigen Film, der auf YouTube bisher mehr als 15 Millionen Aufrufe verzeichnet hat. Er stammt vom Videoproduzenten Rezo, veröffentlicht im Mai unter dem Namen „Die Zerstörung der CDU“.

Alle in der Runde haben sich das Video angeschaut. Freiwillig. Viele Wochen vor ihrem fünftägigen Kurs im Strombad.

Debatte über Rezo-Film

Der 15-jährige Eylem aus Cottbus sagt: „Das Video ist richtig gut. Manche haben sich das zwei Mal angeguckt.“

Der zwölfjährige Falk, ebenfalls aus Cottbus, fragt: „Gibts nicht auch eine Kurzfassung davon?“

Franziska, 13 Jahre, erwidert: „Es lohnt sich schon, das Video in voller Länge anzuschauen, weil es aufdeckt, was in der Politik falsch läuft.“

Da nickt die 14-jährige Julia: „Man erfährt Sachen, die man vorher noch nicht wusste.“

Vorwürfe an Regierung

In seinem Video geht Rezo unter anderem auf den Klimawandel ein. Er wirft der Bundesregierung vor, sie versäume es, gegen die drohende Umweltkatastrophe vorzugehen. In dieser Position stimmt er mit den Demonstranten von Fridays for Future überein, die vor einer Woche auch in Cottbus auf die Straße gingen.

Gerade in Fridays for Future sieht Schülerin Franziska eine Parallele zum Protest gegen die DDR-Staatsführung. „Die Leute sind unzufrieden, weil die Politik nicht genug unternimmt“, sagt sie.

Organisiert hat das fünftägige Treffen im Strombad der Bildungsreferent des Menschenrechtszentrums, Johannes Näder. Er hört den Jugendlichen zu, greift nur selten in die Diskussion ein, lässt sie ihre eigenen Gedanken entwickeln. „Alle Debatten über Politik entstehen hier von allein“, sagt er. „Starkes Interesse zeigen die Schüler an Klimaschutz und Umweltfragen.“ Das strafe alle Leute Lügen, die behaupten, die Jugend sitze sowieso nur noch vor dem Handy, um zu zocken.

Leidenschaft verboten

Die Stadt Cottbus finanziert die Werkstatt des Menschenrechtszentrums im Strombad. Die Teilnehmer besuchten in ihrer Aktionswoche den Maler Matthias Körner. Franziska erinnert sich an das Gespräch: „Er erzählte uns, dass er in der DDR manchmal seine Leidenschaft nicht ausüben durfte, zum Beispiel, als er ein eigenes Geschäft aufmachen wollte.“

Im Strombad berichtete der Cottbuser Stadtverordnete Martin Kühne von den Bündnisgrünen über seine Zeit bei der Umweltgruppe. Ihre Mitglieder hatten sich in der DDR gegen Wahlfälschung eingesetzt. Zwei Organisatorinnen von Fridays for Future erzählten den Jugendlichen von ihren Erfahrungen. Der Cottbuser Regisseur Erik Schiesko half den Teilnehmern der Werkstatt dabei, die Graffiti-Wände auf dem Gelände zu gestalten.

Eines der Bilder zeigt den Globus, umgeben von Flammen. Ein weiteres Motiv enthält den Schriftzug „Fridays for Future“ und die Klimaaktivistin Greta Thunberg, den Mund verklebt mit einem Pflaster. Darauf steht das Wort „Kohle“.