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| 15:19 Uhr

Tag der offenen Töpferei
Wie Unikate aus Ton entstehen

 Christoph und Elke Piezonka bestücken den Schiebewagen mit Keramik, bevor er in den 1300 Grad heißen Ofen geschoben wird.
Christoph und Elke Piezonka bestücken den Schiebewagen mit Keramik, bevor er in den 1300 Grad heißen Ofen geschoben wird. FOTO: LR / Silke Halpick
Die Burger Töpferei Elke Piezonka öffnet zum Tag der öffenen Töpferei am Wochenende. Von Silke Halpick

Eine große Tasse aus weißgebranntem Ton steht vor Elke Pie­zonka. Diese soll mit roten Blumen verziert werden. Doch einfach drauflos malen, funktioniert nicht. Damit das Rot seine volle Farbkraft nach dem Brennen entfalten kann, muss zunächst die Glasur an den Stellen der Blütentupfer entfernt werden. Die Töpfermeisterin nimmt einen Kratzer in die Hand und geht vorsichtig ans Werk.

Wie in Töpfereien und Keramikwerkstätten gearbeitet wird, können sich Interessierte am Wochenende selbst anschauen. Am 14. bundesweiten Tag der offenen Töpferei beteiligen sich auch sieben Handwerksbetriebe aus Cottbus, Burg und Kolkwitz (siehe Infokasten). Die Angebote variieren. In einigen Werkstätten demonstrieren die Keramiker ihre Arbeit an der Töpferscheibe. In anderen gibt es Führungen, Workshops und Mitmachangebote.

Auf ein volles Haus hat sich auch Elke Piezonka eingestellt. Mit rund 100 Besuchern rechnet sie am Wochenende in ihrer Werkstatt, die in einem malerisch gelegenen Drei-Seiten-Hof mitten im Biosphärenreservat Spreewald liegt. Hier produziert sie gemeinsam mit ihrem Sohn Christoph Piezonka und Mitarbeiterin Kerstin Hirschel Gebrauchskeramik.

„Teamarbeit wird bei uns groß geschrieben“, sagt Piezonka. Jeder der drei könne gleichberechtigt seine Ideen einbringen und auch umsetzen. Diese Vielfalt spiegelt sich in den Dekoren wider. Kannen, Tassen und Teller gibt es wahlweise klassisch weiß-blau gepunktet oder  in modernem Design. Dafür werden beispielsweise unterschiedliche Glasuren und Tonarten miteinander kombiniert, Motive mittels Prägetechnik aufgetragen oder im Drei-Brand-Verfahren zufällige Risse in Krakelee-Optik erzeugt.

Ganz bewusst setzt Piezonka auf „altbewährte Formen, die beim Kunden gut ankommen“, wie sie erzählt. Im Fall einer Teekanne bedeutet das: Diese darf nicht zu schwer sein und muss sich vor allem gut gießen lassen. Damit sie nicht tropft und kleckert, formt die Keramikerin die Tülle (Ausguss) „scharfkantig“ und „nach unten geneigt“.  „Kannen herzustellen, ist aufwendig“, sagt sie.

Doch der Aufwand lohnt: Immer mehr Menschen schätzen wieder Handarbeit. „Unsere Kunden wollen Keramik, die sie persönlich anspricht und ganz individuell ist“, erzählt Piezonka. Ohnehin liegt Getöpfertes derzeit voll im Trend. Selbst Szene-Restaurants ordern Geschirr von bekannten Keramik-Künstlern – mitunter in so hoher Stückzahl, dass diese kaum noch mit der zeitaufwändigen Produktion hinterher kommen.

 Solch einen Großauftrag hat Elke Piezonka zwar noch nicht an Land gezogen, aber auf dem Rheinsberger Töpfermarkt erhielt ihre Teebehälter-Kreation mit Zwiebeltürmchen-Dekor auf den Deckeln einen Preis. Der Rheinsberger Töpfermarkt gehört mittlerweile zu den Top Ten in Deutschland. Rund 100 internationale, ausschließlich professionelle Töpfer und Keramiker zeigen hier ihre Produkte. Im Vorfeld werden sie von einer strengen Fachjury ausgewählt. Sich gegen eine solch starke Konkurrenz durchzusetzen, mache sie „stolz“, sagt Piezonka.

Ihre „enge Beziehung zur Keramik“ pflegt die Burgerin schon seit ihrem Studium zur Kunsterzieherin.  Sie liebt das Material, mit dem man „kreativ arbeiten“ und „Unikate erschaffen“ könne. Zugunsten der Töpferei hängte sie auch ihren Job als Lehrerin an den Nagel, absolvierte nochmals eine Ausbildung und eröffnete 1984 ihre eigene Werkstatt im ehemaligen Backhaus eines 200 Jahre alten historischen Bauernhauses.

Der alte Ofen war allerdings schon rissig und musste ausgetauscht werden. Mittlerweile wird die Keramik in einem modernen, mit Gas beheizten Herdwagenofen  bei Temperaturen von 1300 Grad Celsius gebrannt. Die Teller, Tassen oder Vorratsbehälter und großen Blumenkübel werden auf dem Spezialwagen geschichtet, der über Schienen im Boden direkt in den Ofen gerollt werden kann. „Das erleichtert uns die Arbeit erheblich“, erklärt Elke Piezonka.