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Wer löst den Fall auf jeden Fall?

Die vorlaute Putzfrau Lily Piper , gespielt von Christiane Arndt, treibt Inspektor Baxter (Uwe Zerbe) fortwährend zur Weißglut.
Die vorlaute Putzfrau Lily Piper , gespielt von Christiane Arndt, treibt Inspektor Baxter (Uwe Zerbe) fortwährend zur Weißglut. FOTO: Foto: Marlies Kross
„Keine Leiche ohne Lily“ – so lautet der Titel des Stücks, das aus einer Umfrage unter Besuchern der TheaterNative C als Wunschvorstellung hervorgegangen war. Jetzt hatte die Kriminalkomödie von Jack Popplewell unter der Regie von Gerhard Printschitsch in der Spielstätte in der Petersilienstraße Premiere. Von Mirjam Hecht

„22 Uhr 30 im Büro von Richard Marshall. Lily Piper macht ihre nächtliche Runde durch die finsteren Büros.“ Kaum ist die Stimme vom Band verhallt, kommt Putzfrau Lily auch schon aufgeregt hineingestürmt und fuchtelt wild mit dem Telefon herum, um Scotland Yard anzurufen. Ihr Chef (Rüdiger Götze als Richard Marshall) ist ihres Erachtens ermordet worden. Dessen angebliche Leiche befindet sich erst in dem einen, dann in einem anderen Raum und ist letztlich gänzlich verschwunden. Ein rätselhafter Sachverhalt - so, wie es sich für einen Krimi gehört.
Verschnupft schleppt sich Inspektor Harry Baxter (gespielt von Uwe Zerbe) zum Tatort. Doch zuvor betritt sein Assistent Goddard die Szenerie. Der helle Trenchcoat, die rauchige Stimme, Mimik und vor allem Gestik lassen keinen Zweifel - „Columbo“ ist in Cottbus. Matthias Greupner imitiert den TV-Inspektor zum Vergnügen des Publikums äußerst gekonnt. „Columbo“ in der Rolle des Assistenten - ein wahrlich witziger Höhepunkt, ganz und gar gelungen.
Putzfrau Lily erkennt in Inspektor Harry Baxter eine alte Bekanntschaft. Der ist zwar „not amused“ hinsichtlich der verschwundenen Leiche, aber dennoch hin- und hergerissen zwischen Pflichtbewusstsein und der angenehmen Erinnerung an Lilys Bratheringe. Die Zeugenvernehmung erweist sich im Fall der vorlauten und rigorosen Lily zudem als schwierig und treibt Harry Baxter ein ums andere Mal zur Weißglut. Die Rolle der Geschwätzigen verlangt Christiane Arndt dabei einges an Energie ab.
Sämtliche Vernehmungen dauern natürlich so lange, bis Putzfrau Lily damit zufrieden ist. Und Verdächtige gibt es genug.
Da ist die Frau des verschwundenen „Ermordeten“ , Claire Marshall (Iris Pawlak), adrett im knallroten Kostüm, von der Baxter nicht so ganz die Finger lassen kann. Da ist Mrs. Selby (Sylvia Burza), eine Sekretärin wie sie im Buche steht - dicke schwarze Brille, strenger Zopf, langer Rock und obendrein herzerweichend im Fünf-Minuten-Takt schluchzend.
Auch Marshalls Kollege Mr. Wes terby (Martin Eitner), der nette, gutaussehende Blonde, hat ein Motiv. Ebenso wie das stets grinsende und quietschende blonde Dummchen Vicky, die nicht gerade zum Arbeiten geboren ist, aber mit Mini und knappem Oberteil zu beeindrucken weiß. Darstellerin Suzanne Kockat vollbringt dabei eine komödiantische Spitzenleistung.
Im zweiten Teil der Kriminalkomödie gewinnt dann auch der Krimi an Fahrt. Tote werden lebendig, andere Leichen tauchen auf und die Ereignisse überschlagen sich nahezu. Lily wird überfallen, Beweismaterial verschwindet, neue Theorien werden gesponnen, Tathergänge rekonstruiert.
Zum Entwickeln eigener Theorien bleibt dem Zuschauer dabei kaum Zeit. Putzfrau Lily durchbricht Unruhe verbreitend jeglichen konzentrierten Versuch, den Fall für sich selbst zu rekonstruieren. Weniger anstrengend und ohnehin vergnüglicher ist es da, den komödiantischen Seiten der Kriminalgeschichte seine Aufmerksamkeit zu schenken und darauf zu vertrauen, dass Lily es schon richten wird.
Denn sie mag unaufhörlich neugierig, übereifrig und nervig sein - Lily Pipers scharfe Beobachtungsgabe und Spitzfindigkeit jedoch führen letztlich zur Lösung des Falls. Während Baxter und Golland noch angestrengt rekonstruieren, hat Lily den Mörder (oder die Mörderin?) längst ausgemacht . . .
Auflösung in der TheaterNative C am Dienstag, 22. Juli, und Mittwoch, 23. Juli, jeweils um 20.30 Uhr.