| 02:33 Uhr

Wenn Zentimeter zur Hürde werden

Cottbus. Der Cottbuser Werner Riedel ist auf seinen Elektro-Rollstuhl angewiesen. Damit ist er mobil. Probleme bereiten ihm vielmehr die Deutsche Bahn und ein paar Zentimeter an einer Straßenbahn-Haltestelle in Sachsendorf. Peggy Kompalla

Werner Riedel ist ein Kämpfer. Er hat sich von einer schlimmen Krankheit nicht unterkriegen lassen, die ihn letztendlich in den Rollstuhl brachte. Damit hat er seinen Frieden gemacht. Verzweifeln lassen ihn andere Dinge. In den Augen von Fußgängern sind das Kleinigkeiten. Aber für ihn als Rollifahrer werden sie zu Hürden. Wie etwa der Mobilitäts-Service bei der Deutschen Bahn. Der funktioniert nur zur Hälfte. So berichtet es der Cottbuser. Trotzdem geht er immer wieder das Wagnis ein, denn er will sich nicht in seinem Leben einschränken lassen.

Wenn Werner Riedel seine Mutter in Finsterwalde besuchen will, muss er seine Fahrt mindestens einen Werktag vorher bei der Bahn anmelden. Das macht er lieber persönlich am Service-Punkt im Bahnhof. "Die Leute kennen mich schon", sagt er. Dort muss er alle Angaben zu seiner Reise machen: Tag und Fahrzeit von Hinfahrt und Rückfahrt. Name, Telefonnummer, Rollstuhl-Art, Gewicht. Denn allein kommt Werner Riedel nicht in die Bahn. Dafür braucht er eine Rampe. "In Cottbus klappt das noch", sagt er. "Aber das Personal im Zug weiß nur ganz selten Bescheid. Das muss mich aber in Finsterwalde rauslassen und die Rampe hinlegen, damit ich auf den Bahnsteig komme." Das ärgert ihn bei jeder Tour aufs Neue. Bahnsprecher Holger Auferkamp erklärt, dass im Regelfall die Anmeldung über den Mobilitätsservice-Zentrale sicherstellt, dass die nötigen Informationen an alle Beteiligten gehen. Bei einer Anmeldung am Bahnhof allerdings sei die Weiterleitung der Information, insbesondere in die Züge, nicht immer sofort möglich. "Dies läuft dann über die jeweiligen Transportleitungen und wir sind hier auf die Weitergabe dieser Info an das Zugpersonal angewiesen", so Auferkamp. Der Bahnsprecher betont, dass die Hilfe für mobilitätseingeschränkte Reisende die volle Aufmerksamkeit der Bahn genieße.

Anders sieht es Sven Hoffmann von der Interessenvertretung barrierefreies Cottbus. Er kann die Skepsis und Frustration von Werner Riedel nachvollziehen. "Die Situation ist nicht zufriedenstellend", sagt er. Hoffmann kenne solche Berichte seit Jahren. "Das müsste mal auf Landesebene gelöst werden." Das dürfte dauern. Dabei dürfte eine Daten-Übermittlung in der digitalen Zeit kein Hindernis sein. Auch nicht für die Bahn.

In Sachsendorf machen Werner Riedel ein paar Zentimeter zu schaffen. An der Straßenbahn-Haltestelle Gelsenkirchener Platz sind die Alu-Rampen nicht plan. "Auf der einen Seite sind es drei Zentimeter Unterschied. Das geht noch", berichtet der Cottbuser. "Aber auf der anderen sind es sieben." Da komme er nur mit Karacho rüber. "Ich habe Angst, dass ich mir da die Räder kaputtmache." Denn seinen 250 Kilogramm schweren Elektro-Rolli könne keiner anheben.

Für Cottbusverkehr ist die Haltestelle laut Unternehmenssprecherin Christin Heldt ein Experimentierfeld. "Dabei haben wir an die Zukunft gedacht, wenn wir einmal neue Fahrzeuge haben, ob wir dann auch mit den Bahnsteigen hinkommen." Deshalb sei dafür der Kontakt zur Interessenvertretung barrierefreies Cottbus eng, es habe schon mehrere Vor-Ort-Termine gegeben, was Sven Hoffmann bestätigt. Werner Riedel kann dazu nur eines sagen: "Da haben sie offenbar keinen Zollstock gehabt."

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE