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| 02:35 Uhr

Wenn wenige Zentimeter zum unüberwindbaren Hindernis werden

Werner Riedel fährt in einen Straßenbahn am Gelsenkirchener Platz über eine hohe Kante.
Werner Riedel fährt in einen Straßenbahn am Gelsenkirchener Platz über eine hohe Kante. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Werner Riedel ist mit seinem Elektro-Rollstuhl mobil. Die Straßenbahn bringt ihn in der ganzen Stadt herum. Nur nach Sachsendorf fährt er nicht gern. Der Grund: Ein paar Zentimeter am Gelsenkirchener Platz. Peggy Kompalla

Cottbusverkehr hat am Gelsenkirchener Platz am Sachsendorfer Zelt im Jahr 2013 eine moderne Haltestelle für Straßenbahn und Bus gebaut. Ausgerechnet dort wird Werner Riedel behindert, wie er schildert. Der Cottbuser sitzt nach einer schweren Krankheit im Rollstuhl. Das Hindernis sind ein paar Zentimeter zwischen Fahrzeug und Bahnsteigkante. Noch dazu variiert der Höhenunterschied von Straßenbahn zu Straßenbahn. Genau das ist das Problem, wie sich bei einem Vor-Ort-Termin am Montag mit Cottbusverkehr zeigt.

Der Frust steht Werner Riedel ins Gesicht geschrieben. Doch vor Ort zeigt sich, dass Cottbusverkehr mit der Metallrampe am Gelsenkirchener Platz bereits den besten Kompromiss gefunden hat. Das bestätigt auch Sven Hoffmann von der Interessenvertretung barrierefreies Cottbus. "Das ist kein Allheilmittel. Aber es geht nicht anders."

Der neue Bahnsteig ist bereits für Niederflur-Straßenbahnen ausgelegt. Die sind generell barrierefrei, fahren aber leider noch nicht in Cottbus. Wann Cottbusverkehr solche modernen Fahrzeuge bekommt, steht in den Sternen.

Paradoxerweise können die alten Tatra-Straßenbahnen derweil an der Haltestelle in Sachsendorf ihre Rampen nicht ausfahren. Deshalb musste Cottbusverkehr improvisieren und hat im Jahr 2014 eine Metallrampe am Bahnsteig geschaffen.

Mathias Keuchel vom Verkehrsbetrieb erklärt: "Die Bahnen sind nicht alle gleich hoch. Das liegt am unterschiedlichen Räder- und Federnverschleiß, aber auch an der Besetzung der Bahn mit Fahrgästen." Deshalb variiert der Höhenunterschied zwischen zwei und fünf Zentimetern. "Noch höher können wir die Rampe nicht bauen, weil ansonsten die Türen der Straßenbahn nicht mehr aufgehen."

Werner Riedel versteht alle Argumente. Nun holpert er zwar mit mehr Verständnis, aber nicht weniger Frust über das Hindernis.

Sven Hoffmann von der Interessenvertretung barrierefreies Cottbus betont: "Auch mit neuen Fahrzeugen wird es leider nie das Optimum geben. Es wird immer Verschleiß geben."

Werner Riedel erklärt mit belegter Stimme: "Für mich heißt das, dass ich Sachsendorf vermeide. Ich habe auch nur noch einen Arzt hier."