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Wenn Tiere menschliche Hilfe brauchen

Die Feuerwehr brauchte mehrere Stunden, um das Pony am Dienstag aus dem Eis-Pool in Döbbrick zu befreien.
Die Feuerwehr brauchte mehrere Stunden, um das Pony am Dienstag aus dem Eis-Pool in Döbbrick zu befreien. FOTO: Stadt Cottbus
Cottbus. Die Cottbuser Feuerwehrleute retten nicht nur Menschen. Mit der gleichen Ernsthaftigkeit kümmern sie sich um Tiere. Im vergangenen Jahr waren sie deshalb 114-mal im Einsatz. In der Mehrzahl waren Haustiere in Not geraten, aber auch Wildtiere brauchen manchmal menschliche Hilfe. Peggy Kompalla

Für die Tierretter von der Cottbuser Feuerwehr fing das neue Jahr spektakulär an, als sie am Dienstag ein Pony aus einem Pool befreien mussten. Das Tier war von seiner Koppel in Döbbrick ausgebüxt und in einem zugefrorenen Wasserbecken eingebrochen. 19 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um das Pony zu befreien. Der Pool wurde ausgepumpt, mit Strohballen bauten die Männer eine Ausstiegshilfe. "Das war schon ein besonders aufwendiger Einsatz, der mehrere Stunden dauerte", sagt Brandoberamtsrat Heiko Malaske.

Doch geht es um Leben, sind die Feuerwehrleute mit der gleichen Ernsthaftigkeit im Einsatz wie bei Menschen in Notsituationen. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Katze nicht mehr vom Baum runterkommt, ein Waschbär auf einem Balkon herumturnt, sich ein Reh in einem Zaun verfängt, sich ein Bienenschwarm an einem Wohnhaus einrichtet oder sich eine Boa hinterm Wohnzimmerschrank verkriecht.

Das sind besonders aufregende Fälle, die sich nicht alle Tage wiederholen. In der Mehrzahl sind die Einsätze Routine. Im vergangenen Jahr rückten die Tierretter nach Angaben der Feuerwehr 114-mal aus. Zumeist waren Haustiere in Not geraten. Der Klassiker sind dabei streunende Hunde. 32 Vierbeiner brachten die Feuerwehrleute im Jahr 2016 in die sichere Obhut des Tierheims. "Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut", lobt Malaske. "Selbst wenn das Tierheim nicht besetzt ist, haben wir einen Schlüssel für einen Zwinger. Dort können wir auch die Erstversorgung sicherstellen."

Ähnlich gut funktioniere die Kooperation mit der Wildtierauffangstation in Skadow. Denn bisweilen geraten auch wilde Tiere in Situationen, aus denen sie sich selbst nicht befreien können. "Sie sind dann leider oft verletzt", sagt der Feuerwehrmann. Etwa wenn sich ein Eichhörnchen in einem Katzennetz auf einem Balkon verfangen hat. "Wir müssen dabei immer abwägen, ob wir dem Tier durch unsere Hilfe nicht mehr schaden, indem wir es stressen."

Dabei gibt es bei der Cottbuser Feuerwehr keine speziell eingesetzten Tierretter. "Alle Kollegen verfügen über Grundkenntnisse im Umgang mit Tieren", erklärt Heiko Malaske. Das sei Teil der Ausbildung zum Feuerwehrmann. Darüber hinaus gebe es regelmäßig Weiterbildungen mit Tierärzten, Tierschützern oder Hundeführern der Polizei. Das Einsatzfahrzeug der Tierrettung ist in der Wache an der Ewald-Haase-Straße stationiert und wird im Ernstfall mit zwei Kollegen besetzt. "Wir haben keinen Tierarzt an Bord", erklärt Malaske. "Den rufen wir bei Bedarf dazu." So ist es beispielsweise beim Einsatz mit dem Pony im Döbbricker Eis-Pool geschehen.

Die Feuerwehr kümmert sich auch, wenn jede Hilfe zu spät kommt. So gehört es zu den Aufgaben der Tierrettung Kadaver einzusammeln. Dabei handele es sich zumeist um überfahrene Katzen. Seit der Vogelgrippe lesen sie allerdings auch vermehrt tote Vögel ein. "Dabei kooperieren wir mit dem Veterinäramt, das dann entscheidet, ob die toten Tiere weiter untersucht werden müssen."

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