„In der Tendenz werden die Getreidepreise weiter steigen“ , sagt Thomas Goebel, Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH und Vorsitzender des Bauernverbandes Niederlausitz-Spreewald vor knapp 30 Zuhörern im HWK-Kundenzentrum. „Das Gute daran: Die Landwirte bekommen einen immer größer werdenden Teil vom Kuchen ab.“ Ein verschmitztes Lächeln huscht über das Gesicht von Eric Arts. „Dann können wir die Agrarsubventionen abschaffen“ , sagt der Geschäftsführer der Bohlart Schweineproduktionsanlagen GmbH in Tornitz-Vetschau. „Moment“ , entgegnet Goebel, „dass heißt nicht, dass wir uns eine goldene Nase verdienen.“ Ohne Förderung werde die Landwirtschaft niemals auskommen.
Bäckermeister Thomas Bubner sieht die aktuellen Entwicklungen mit gemischten Gefühlen. „Einerseits freue ich mich, dass die Bauern jetzt für ihre Leistung anständig bezahlt werden“ , sagt der Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Doberlug-Kirchhain.
Andererseits seien insbesondere Preisexplosionen für die Kunden nur schwer nachvollziehbar. Goebel nickt zustimmend und führt ein Beispiel an: „Ein Doppelzentner Roggen kostete im Jahr 2006 zwischen sechs bis zehn Euro, ein Jahr später waren es schon 24 Euro.“ Die Haushaltskasse bei vielen Kunden sei ausgeschöpft, so Bubner.
Eric Arts plädiert für eine sinnvolle Förderung der Landwirtschaft. Überdimensionierte, von der Politik mitfinanzierte Bio-Kraftwerke zählen nicht dazu. „Das ist schwachsinnig.“ Eigentlich habe er gedacht, dass ausschließlich Abfälle zur Energieerzeugung genutzt werden. „Doch die großen Anlagen benötigen auch Getreide und Maissilage, um effektiv zu arbeiten. Dafür haben wir aber nicht ausreichend Flächen“ , so Arts. Er befürchtet, dass durch die steigende Bioenergie-Erzeugung Futter für die Tierproduktion knapp und dadurch teurer wird. Dann heißt es rauf mit den Schweinepreisen. „Wir leben derzeit von der Substanz. Pro Kilogramm Fleisch erhalten wir 1,40 Euro, zwei Euro müssten es mindestens sein.“ Bäckermeister Thomas Bubner lehnt die Verbrennung von Getreide aus ethischen Gründen ab. „Während wir immer weniger Flächen für die Lebensmittelrohstoffe nutzen, hungern auf der Welt nach wie vor Millionen von Menschen.“
Thomas Goebel befürchtet, dass die Bio-Stromerzeuger den Landwirten die Flächen wegkaufen könnten. Das wiederum heize die Spekulationen um die Bodenpreise an, so Goebel. Die Pachten hätten sich im Vergleich zum Jahr 2004 nahezu verdoppelt.

Zum Thema Talk am Altmarkt
  Am 19. Mai, um 18.30 Uhr, wird im HWK-Kundenzentrum am Cottbuser Altmarkt erneut diskutiert. Thema dann: „Leistungssport in der Region – Effekte für die Wirtschaft?“ Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0355 7835441.