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| 08:39 Uhr

Landwirtschaft
Obstschwemme wird zur tödlichen Gefahr

Viele Baumbesitzer wissen nicht, wohin mit dem Obst.
Viele Baumbesitzer wissen nicht, wohin mit dem Obst. FOTO: ZB / Patrick Pleul
Cottbus. In Turnow sind bereits zwei Kühe an entsorgten Äpfeln gestorben. Auch Ziegen und Schafe leiden unter falscher Fütterung. Von Andrea Hilscher

Kleingärtner und Obstbauern profitieren in diesem Jahr von einer regelrechten Apfelschwemme. Für viele Tiere wird das an sich gesunde Obst allerdings schnell zur tödlichen Gefahr. Lutz Klaucke von der Agrargenossenschaft Turnow gehört zu den Betroffenen. Er ahnte nichts Böses, als ihn vergangene Woche Anwohner aus Preilack anriefen. „Zwei unserer Kühe lagen auf der Weide, sahen schlecht aus.“ Als Klaucke bei der Herde in den Laßzinswiesen ankam, waren die beiden Tiere schon verendet. „Offenbar hat jemand auf der Wiese seine überflüssigen Äpfel entsorgt und wusste nicht, welchen Schaden er damit anrichtet.“

Kerstin Biemelt, Tierärztin in Turnow, hat derzeit immer wieder mit ähnliche Vorfällen zu kämpfen. Besonders Kühe seien durch die aktuelle Obstschwemme gefährdet. „Kühe sind Wiederkäuer und verschlingen ihre Nahrung im Ganzen. Auch Äpfel werden im Stück verschluckt und können dann vor dem Pansen in der Speiseröhre steckenbleiben und zu Engpässen oder Verstopfungen führen.“ Schlimm für die Tiere: Sie müssen mehrmals pro Minute Gase aus dem Pansen ausrülpsen können. Wird dieser Vorgang gestört, bläht der Pansen auf, drückt auf die anderen Organe. Der Kreislauf der Kuh bricht zusammen.

Auch wenn die Äpfel in den Pansen gelangen, richten sie dort viel Schaden an. Kerstin Biemelt: „Das Obst, dass den Tieren natürlich lecker schmeckt, enthält viel Zucker.“ Dieser zerstört den PH-Gehalt des Pansens und führt so zu schweren Schädigungen an der Schleimhaut.

Für Lutz Klaucke ist der Tod seiner beiden Tiere ein schwerer Schlag. Sie standen in einer Herde aus 50 Mutterkühen. „Natürlich ist die Rangordnung so, dass die stärksten und schönsten Tiere zuerst ans Fressen dürfen, und erst wenn die kein Interesse mehr zeigen, dürfen die anderen ran.“ Die Leitkühe, die beide schon vier gesunde Kälber zur Welt gebracht hatten, haben sich also an den Äpfeln vollgefressen, ihren Weidegenossinnen nichts mehr übrig gelassen.

„Apfelreste haben wir nicht gefunden, aber es ist die einzig logische Erklärung für ihren Tod“, sagt die Tierärztin. Beide Kühe waren gesund, nichts sonst hätte einen so schnellen Tod herbeiführen können.  „Außerdem grassiert das Problem momentan. Ich werde oft zu Ziegen oder Schafen gerufen, die ebenfalls wegen unmäßigem Apfelgenuss krank geworden sind.“

Landwirt Lutz Klaucke hofft, dass sich herumspricht, welche Gefahr von achtlos verteiltem Obst ausgehen kann. „Die Leute meinen es vielleicht gut, richten aber großen Schaden an.“ Seine beiden toten Kühe wurden vom Abdecker abgeholt und in die Tierverwertung gebracht. Zum menschlichen Verzehr waren sie nicht mehr geeignet. Der Verlust für die Agrargenossenschaft liegt bei rund 1500 Euro pro Mutterkuh.