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| 17:49 Uhr

Trauer
Wenn nach dem Tod der Kampf nicht aufhört

Werner S. musste sich auf der Unfallstation von seiner Frau verabschieden. Für ihn hat das CTK falsch gehandelt.
Werner S. musste sich auf der Unfallstation von seiner Frau verabschieden. Für ihn hat das CTK falsch gehandelt. FOTO: Oliver Berg
Cottbus. Brigitte S. verstirbt vor einem Jahr im Carl-Thiem-Klinikum. Ihr Witwer macht dem Krankenhaus nun Vorwürfe wegen der Behandlung. Von Daniel Schauff

Ein Jahr ist es her, als Brigitte S.* nach langer Krankheit verstirbt. Krebs, Karzinome in Brust und Lunge – 2009 hatte die Cottbuserin die schlimme Diagnose erhalten. Trotz Chemotherapie, mehreren Operationen, Bestrahlungen verliert sie den Kampf gegen die Krankheit. Im April vergangenen Jahres war klar: Der Krebs hatte sich den Weg in die Organe gebahnt – Brigitte S. wird schwächer und schwächer.

Mai 2017: Brigitte S. stürzt im eigenen Haus, zieht sich einen Rippenbruch, eine Rückenprellung zu. Sie will in die Notaufnahme. Am 16. Mai wird sie im Carl-Thiem-Klinikum aufgenommen. Ihr Ehemann bittet um ein Gespräch mit den Ärzten auf der Palliativstation und der Onkologie. Eine adäquate Behandlung, sagt Werner S.*, sei seines Erachtens nur noch auf der Palliativstation möglich gewesen. Werner S. wendet sich dorthin, bittet um die Verlegung seiner geschwächten und verletzten Frau. Eine Verlegung aber gab es nicht, auch nicht, als Werner S. eine Frist stellt. Es war der 19. Mai, bis 16 Uhr gab S. den Ärzten, um eine Lösung zu finden, sagt er. Passiert sei nichts. Brigitte S. verstirbt drei Tage danach auf der Unfallstation. Werner S. wendet sich an das Beschwerdemangement der Klinik. Er kann noch immer nicht verstehen, dass für seine sterbende Frau kein Platz auf der Palliativstation geschaffen werden konnte.

Bei einer Palliativstation, heißt es auf Anfrage beim Carl-Thiem-Klinikum, handele es sich nicht um ein Hospiz, nicht also um eine Einrichtung, in der Sterbende bis zum Tod begleitet werden. Vielmehr handele es sich um eine Station für Komplexbehandlungen mit rehabilitativem Auftrag. Das Ziel sei immer eine Entlassung nach Hause. Auch Kapazitätsgründe können eine Rolle spielen, heißt es vonseiten des Klinikums weiter. Eine hochwertige Betreuung sei aber auch immer auf den anderen Stationen möglich.

Für Werner S. geht der Ärger auch nach dem Tod seiner Frau weiter. Fünf Fehler hätten sich in die Epikrise eingeschlichen, berichtet er, darunter ein falsch geschriebener Name seiner Frau, falsche Daten, laut S. falsche Aussage zur Todesursache. Auch auf dem Totenschein steht ein falsches Datum. S. wendet sich erneut an die Klinik, sucht das Gespräch mit dem Ärtzlichen Direktor, will eine Entschuldigung dafür, dass seine Frau nicht auf die Palliativstation verlegt worden war. Eine geänderte Epikrise wird S. vorgelegt, ihm fehlen aber weiterhin Aussagen zur Diagnose und zum Verlauf der Krankheit. Nicht allein der Krebs habe zum Tod seiner Frau geführt, sagt er. Erst der Unfall habe den Zustand so akut lebensbedrohlich gemacht. Aus den Unterlagen sei das nicht ausreichend zu lesen, so S. Die Unfallversicherung seiner Frau lehnt eine Auszahlung ab, erst nach Einspruch zahlt sie einen Teil der Versicherungssumme. Eine noch einmal veränderte Epikrise bekommt S. von der Klinik nicht. Die Inhalte, so heißt es in einem Schreiben der Klinik an S., beruhten auf ärztlichem Sachverstand und seien korrekt.

Werner S. will die gesamte Krankenakte seiner Frau. Bekommen kann er die, muss für die Unkosten allerdings aufkommen. Das CTK verweist auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) – dort ist geregelt, dass Patienten zwar Abschriften der Akte erhalten können, dafür aber zahlen müssen. Werner S. sieht sich dennoch im Recht. Das CTK habe die ganze Situation schließlich verursacht, sagt er. Im Gespräch mit dem Ärztlichen Direktor sei außerdem keine Rede von einer Kostenübernahme gewesen. Werner S. betont: Ums Geld gehe es ihm nicht, er sehe das Klinikum aber in der Kulanzpflicht. An der Leistung der Ärzte, betont Werner S., habe er keinen Zweifel. Am Umgang mit seiner Frau aber wohl. Gespräche in der Klinik, mit dem Beschwerdemangagement gab es, um die den Fall zu klären. Werner S. aber reicht das nicht aus. Er fühlt sich und seine Frau falsch behandelt, will eine „offene, ehrliche und kritische Auseinandersetzung mit Missständen“, wie er sagt. Er werde weiter kämpfen für seine Frau.

*Aus Respekt vor der Verstorbenen sind die Namen geändert.