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Wenn Marder und Hornisse als Untermieter zur Plage werden

Ein Marder sieht mit seinen Knopfaugen niedlich aus, kann aber gewaltige Schäden anrichten.
Ein Marder sieht mit seinen Knopfaugen niedlich aus, kann aber gewaltige Schäden anrichten. FOTO: dpa/Philipp Schulze
Spree-Neiße. Das Leben kann tierisch sein. Marder sorgen in Häusern für schlaflose Nächte. Der Naturschutzverein Kolkwitz lud sich Henrik Schuhr, Leiter der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde Spree-Neiße ein, um Rechtsfragen in diesem Bereich zu klären. Annett Igel-Allzeit

Über mehrere Hundert Jahre haben die Schleiereulen in der Papitzer Kirche gelebt - bis sie nach Sanierungsarbeiten auszogen. Inzwischen ist wieder Platz für die Eulen. Werner Richter, Vorsitzender des Naturschutzvereins Kolkwitz, hofft, dass sie zurückkehren. "Dass das Schwalbenhaus, das Brutstätten nach einer Sanierung des Sparkassengebäudes in Kolkwitz ersetzt, angenommen wurde, dauerte auch einige Zeit. In diesem Jahr war es zu 80 Prozent besetzt", weiß Richter.

Doch Richter hat auch schon eine Lebendfalle besorgt, weil ein Marder einen Kolkwitzer gar nicht mehr zur Ruhe kommen ließ. Und dann gab es da den toten Graureiher, der eines Morgens auf einem Grundstück lag: Äußerlich wirkte der Vogel heil, nur etwas Blut war ihm aus seinem Schnabel gesickert. "Vermutlich ist er irgendwo dagegengeflogen", sagt Henrik Schuhr und erklärt: "Wer ein Wildtier auf seinem Grundstück findet, dem gehört es auch. Wir sind dankbar, wenn er uns den Fund meldet. Er könnte es präparieren lassen oder es dem Jäger zur Entsorgung geben."

Jäger dürfen Wildtiere vergraben - in einem Loch, das mindestens 50 Zentimeter tief ist. Und nur der Jäger darf Lebendfallen aufstellen darf, weil er mit dem gefangenen Tier umgehen kann. Alle anderen dürfen die Lebendfalle bestenfalls kaufen und im Auftrag des Jägers kontrollieren. "Stellt der Bürger sie auf, um den Waschbären oder Marder zu fangen, gibt es spätestens dann Ärger, wenn Nachbars Katze im Drahtkäfig sitzt", erklärt Schuhr das Problem.

Besucher der Veranstaltung haben schon viel ausprobiert: Ein leeres Hornissennest hängen lassen, damit kein neues gebaut wird, raten die einen. Schuhr winkt ab, er habe zu Hause drei Hornissennester nebeneinander. "Aber wo Hornissen sind, sind keine Wespen", gibt er zu bedenken. Und der Marder fresse drei bis fünf Mäuse pro Nacht.

Besonders schwer sei es, Waschbären zu vertreiben. Haben sie einmal ein Dach bezogen, zerfressen sie ähnlich wie der Marder Dämmstoffe und Isolierungen. "Am besten man holt den Dachdecker, der das Dach gedeckt hat. Er erkennt sofort, wo der Waschbär ein und aus geht, denn er verschiebt sich die Ziegel ein wenig." Hundehaare, WC-Steine, Limonenduft im Auto oder auf dem Dachboden? Abwehrsprays helfen selten. Umständlich ist es, das Auto jede Nacht auf Maschendraht zu parken. Eine Garantie gibt auch der Bewegungsmelder mit Ultraschall nicht. Und ist ein Marder vertrieben, kommt bald der nächste und strengt sich besonders an, um die Spuren seines Vorgängers zu beseitigen. Deshalb zerbeißt er auch Autokabel. Nur das Abdichten sämtlicher Stellen, durch die Marder und Waschbären ein Dach erobern, so erklärt Schuhr, helfe - wie auch die Hühner vorm Fuchs nur ein sicherer Stall schützt.

Grundstücke sind befriedete Bezirke, die Jagd ist verboten. Im Falle eines Marders oder Fuchses kann die Jagd ausnahmsweise von der Behörde bewilligt werden. Ausüben, so Schuhr, dürfe sie aber nur jemand, der zur Fallenjagd berechtigt ist oder einen Jagdschein hat. Welche Jäger für welche Gebiete angesprochen werden können, darüber kann die Jagdbehörde Auskunft geben. Aber Schuhr wird auch nicht müde, das Einvernehmen mit dem wilden Tier bei den Bürgern hinterfragen: Warum stört eine Fledermaus hinterm Fensterladen, in einem stillgelegten Schornstein?