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| 02:36 Uhr

Wenn Fußball gucken auf Herz und Kreislauf schlägt

Puls 180 – So ein Fußballspiel im Stadion der Freundschaft ist nicht nur auf dem Platz anstrengend.
Puls 180 – So ein Fußballspiel im Stadion der Freundschaft ist nicht nur auf dem Platz anstrengend. FOTO: Mario Behnke
Cottbus. Energie gegen Kaiserslautern, 3. Minute. Sven Michel zielt aufs Tor. Der Puls der Fans rast, das Herz schlägt bis zum Hals. Ist jetzt der Punkt erreicht, an dem Fußball gucken zum Gesundheitsrisiko wird? Die RUNDSCHAU sprach darüber mit dem Kardiologen Rainer Kalisch, Leitender Oberarzt am Carl-Thiem-Klinikum.

Herr Dr. Kalisch, gehe ich als Fan ein gesundheitliches Risiko ein, wenn ich mir ein aufregendes Fußballspiel anschaue?
Es ist statistisch nur sehr schwer nachzuweisen, aber man kann davon ausgehen, dass es bei Großereignissen wie einem aufregenden Spiel zu einer Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt.

Sie selbst sind eingefleischter Energie-Fan. Spüren Sie die Höhen und Tiefen auf dem Platz tatsächlich am eigenen Leib?
Natürlich merke ich es, wenn der Puls nach oben geht, eventuell auch der Blutdruck steigt. Keine Frage, dass ein freud- oder leidinduzierter Stress Auswirkungen auf den Körper hat. Aber das ist ganz normales Leben, ein bisschen Aufregung und Stress gehören dazu, das muss man aushalten. Auch als Energie-Fan.

Sie würden also keinem Patienten verbieten, sich ein Spiel anzuschauen?
Nein, auf keinen Fall. Es hat sich längst gezeigt, dass wir mit Verboten bei Patienten nicht weiterkommen und Aufregung zu verbieten, ist völlig lebensfremd. Sinnvoller ist es, einem Patienten eine gesündere Lebensführung nahezubringen. Er sollte beim Spiel auf das zweite oder dritte Bier verzichten, aufs Rauchen am besten auch und sich ansonsten bemühen, ausreichend zu schlafen und Entspannungstechniken zu erlernen. Im Stadion sind die Leute wenigstens an der frischen Luft. Oft tut es sogar gut, sich allen Ärger von der Seele zu schreien, das kann befreiend wirken.

Was aber, wenn es doch während des Spiels zu gesundheitlichen Problemen kommt?
Natürlich ist während eines Spiels immer ein eigens abgestellter Notarzt anwesend - und im Publikum sitzen regelmäßig erfahrene Kollegen (lacht). Außerdem gibt es in jedem Stadion einen Defibrillator, was sehr beruhigend ist. Aber er kommt im Stadion nicht öfter zum Einsatz als an anderen Orten auch.

Und was sagt der Kardiologe zum drohenden Abstieg?
Wir müssen uns wohl auf die dritte Liga einrichten. Da muss man als Fan eben mal durch. Aber dann können wir uns wenigstens auf den Wiederaufstieg freuen.

Mit Rainer Kalisch sprach

Andrea Hilscher