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Wenn ein Friedhof Leben schenkt

Neben einem Blumenteppich können auch wieder Bienen auf dem Südfriedhof Nahrung finden.
Neben einem Blumenteppich können auch wieder Bienen auf dem Südfriedhof Nahrung finden. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Die freien Flächen auf Cottbuser Friedhöfen sollen nicht verschwendet werden. Die Idee einer Blumenwiese wurde bereits teilweise realisiert. Jenny Theiler

Auch ungenutzte Friedhofsfläche kostet die Hinterbliebenen mitunter viel Geld. Um die Verwaltungs- und Pflegekosten zu senken und Cottbuser Friedhöfe dennoch pietätvoll zu erhalten, hat Diana Ziesche von der Friedhofsverwaltung Cottbus die Idee einer Blumenwiese auf ungenutzten Grabfeldern entwickelt. Auf dem Südfriedhof wird das sparsame Pilotprojekt momentan ausprobiert - mit Erfolg, wie sich gezeigt hat.

Ausgehend von einer statistischen Erhebung der Stadt Cottbus aus dem Jahr 2009 wird die Bevölkerungsdichte in Cottbus weiter zurückgehen. Auch der künftige Flächenbedarf für Friedhöfe wurde in diese Prognose einbezogen. Mehr ungenutzte Friedhofsflächen bedeuten steigende Bestattungskosten, da auch ungenutzte Grabanlagen weiterhin verwaltet werden müssen. "Auch Friedhöfe sind einer bestimmten Logistik unterworfen", erklärt Diana Ziesche. Im Entwicklungskonzept für Friedhöfe aus dem Jahr 2009 wurde berechnet, wie viel Fläche auf den jeweiligen Friedhöfen in Zukunft tatsächlich benötigt wird und wie viel eingespart werden kann. Diese sogenannten Überhangsflächen werden demnach nicht mehr mit neuen Gräbern belegt.

Bei der Überlegung nach einer sinnvollen Nutzung der seit 2009 freigewordenen Flächen entstand die Idee, Solaranlagen zu errichten. Dieser Vorschlag wurde jedoch verworfen, da der Südfriedhof auch weiterhin ein würdevoller Ort bleiben soll. Auf zwei freien Stücken der Grabfelder 21 und 18 wurde im Juni eine Wildblumenmischung ausgesät, die bereits in reichhaltiger Farbenpracht erblüht ist. Neben der pietätvollen Ausrichtung hat die Wiese auch einen nachhaltigen Nutzen für die Umwelt. "Stirbt die Biene, stirbt die Menschheit", erkannte bereits Albert Einstein. Diana Ziesche hat sich an diesen Satz erinnert und nach nur einem Monat hat sich ein buntes Stück Natur auf den ehemaligen Gräbern entwickelt. Ein Summen schwebt durch das Blumenfeld. Bienen, Hummeln, aber auch Libellen und Schmetterlinge breiten sich aus und repräsentieren eine würdevolle Lebendigkeit auf dem Cottbuser Südfriedhof.

Für die Blumenwiese ist der Eigenbetrieb Grün- und Parkanlagen verantwortlich. Im Herbst wird die Wiese gemäht, damit sich die Pflanzenvielfalt im nächsten Jahr neu reproduzieren kann. Da die Natur die wesentlichsten Arbeitsschritte selbst erledigt, bleiben die Kosten für das Projekt sehr gering.