| 02:33 Uhr

Wenn die Ruhezeit nach 20 Jahren endet

Der Eindruck, dass auf dem gut gepflegten Skadower Friedhof viel Platz ist, täuscht.
Der Eindruck, dass auf dem gut gepflegten Skadower Friedhof viel Platz ist, täuscht. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus-Skadow. Auf dem Friedhof im Cottbuser Ortsteil Skadow gibt es scheinbar keine Platznot. Doch der Schein trügt. Einige Skadower, die hier Gräber ihrer Verstorbenen pflegen, sorgen sich: Die Liegezeit ihrer Grabstätten läuft ab. Sie haben keine Hoffnung auf Verlängerung. Annett Igel-Allzeit

Es betreffe besonders Skadower, die erleben mussten, dass ihre Kinder vor ihnen starben, schildert der Ortsbeirat. Wenn Eltern selbst erst 35 oder 45 Jahre alt waren bei solchen Schicksalsschlägen, sind sie nach 20 Jahren noch jung genug, um ein Grab zu pflegen. Schon der ehemalige Ortsvorsteher Rainer Lauk hatte mit Betroffenen und Vertretern der Cottbuser Friedhofsverwaltung gesprochen. Aber auch der neue Ortsbeirat kennt das sensible Thema. Der Cottbuser CDU-Stadtverordnete Wolfgang Bialas, der auf Sommertour mit dem Landtagsabgeordneten Michael Schierack in Skadow war, bekam das Problem geschildert.

Eine Ausnahme, erinnert sich Rainer Lauk, soll es bisher in Skadow gegeben haben. Doch die Friedhofsverwaltung wollte auf Nachfrage keine Ausnahmen bestätigen. Wie die Leiterin der Friedhöfe, Diana Ziesche, mitteilt, handelt es sich um Erd reihengrabstätten. Diese Grabformen werden nach der Cottbuser Friedhofssatzung wie Urnenreihengräber in zeitlicher und räumlicher Reihenfolge belegt. "Über den Erwerb stellen wir eine Urkunde für eine Ruhezeit von 20 Jahren aus. Ein Wiedererwerb ist nicht möglich", so Diana Ziesche. Sie erinnert sich noch an die Gespräche in Skadow vor drei Jahren: "Ein Friedhof ist kein starres Gebilde, sondern er unterliegt ständigen Veränderungen. Durch das Friedhofsentwicklungskonzept einerseits und die Gegebenheiten vor Ort andererseits seien immer wieder Anpassungen nötig. Die scheinbar freien Flächen auf dem Skadower Friedhof seien für Urnenbelegungen vorgesehen. "Die Erdreihengräber, auf denen derzeit noch bestattet wird, gehen zur Neige. Deshalb müssen wir dringend Vorbereitungen für kommende Erdbestattungen treffen", sagt Diana Ziesche. In Skadow sei geplant, Gräber, die die Ruhezeit überschritten haben, einzuebnen und für eine Wiederbelegung vorzubereiten. "Wir haben das für das Jahr 2021 anvisiert. Die Gräber, die wir einebnen wollen, werden dann sogar eine Liegezeit von 30 Jahren haben", erklärt sie.

Nur wenn sich der Bedarf an Erd reihengräbern plötzlich erhöhe, müsste früher eingeebnet werden. Drei Monate vorher würden die Nutzungsberechtigten darüber informiert. Hintergrund sei wirklich die Wiederbelegung der Erdreihen- wie Urnenreihengrabstätten. Anders sei das bei mehrstelligen Grabstätten, wo das Nutzungsrecht über 25 Jahre verliehen wird und wiedererworben werden kann. "Auf all unseren Friedhöfen gibt es Grabarten, die verlängert werden können, dazu beraten wir die Bürger", sagt Diana Ziesche. Nur zehn Prozent der Bestattungen in Cottbus sind Erdbestattungen.