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Namensschilder
Wenn die Höfe Namen tragen

In dieser Woche bekamen einige Einwohner von Dissen Schilder mit den Namen ihrer Höfe, wie sie früher üblich waren, überreicht. Diese Initiative der Domowina-Ortsgruppe soll nun auf weitere Höfe ausgedehnt werden.
In dieser Woche bekamen einige Einwohner von Dissen Schilder mit den Namen ihrer Höfe, wie sie früher üblich waren, überreicht. Diese Initiative der Domowina-Ortsgruppe soll nun auf weitere Höfe ausgedehnt werden. FOTO: Hirche/jul1
Dissen. In Dissen tragen einige Häuser im Ortskern seit dieser Woche wieder Namensschilder. "Früher war es so, dass die Grundstücke Namen hatten. Marion Hirche / jul1

Danach wurde auch das Abgabensystem geregelt", erklärte Karin Tschuck von der Domowina-Ortsgruppe Dissen diese Woche bei der Vorstellung der blau-weißen Namensschilder. Seit 2011 hatte sich die Gruppe mit diesem Thema beschäftigt, hat inzwischen eine lange Aufstellung von Hofnamen. Unterstützt wurden sie dabei von den Dissenern wie Fritz Resag, Dieter Resag, Walter Kawa und Fritz Jurisch. Im Wendischen heißt Bauernhof "zywnosc" und hängt eng mit dem Begriffen "Zywjenje" (das Leben) und "zywis se" (sich ernähren) zusammen. Hieraus ergibt sich die Bedeutung des Bauernhofes als Lebensgrundlage. Mit Unterstützung des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz, der LEAG und der Dissener Hofbesitzer wurden nun die ersten 18 Schilder angefertigt, nachdem auch die Gemeinde Begeisterung für diese Idee zeigte.

Bei der Übergabe am Naturkundezentrum erinnerte sich so mancher ältere Einwohner an die noch während ihrer Kindheit übliche Praxis. "Damals wusste jeder, auf welchem Hof der andere wohnte und kannte den Hofnamen. Jeder wurde einem Hofnamen zugeordnet", erinnerte sich die 81-jährige Marianne Worrack. Bürgermeister Fred Kaiser sagte bei der Übergabe: "Wilhelm Albins Frage war immer: Wems bist du? Und danach hat er uns dann Höfen zugeordnet." Fred Kaiser regte an, dass die Gemeinde, für weitere Schilder sorgen wird, denn auf der Liste stehen inzwischen 112 Hofnamen. Wer also Interesse hat, kann sich bei ihm melden. Die Anfertigung wird durch das Land gefördert, denn das Sorben/Wendengesetz schreibt zweisprachige Schilder in der Öffentlichkeit vor und so kann die Gemeinde komplikationslos sich das Geld für die Herstellung erstatten lassen.

"Das ist doch mein Schild", freute sich Ute Hentschel, als sie die Aufschrift "Worjeskojc" sah. "Das heißt Walnuss und der Nussbaum steht auch noch", erklärte die Dissenerin. So war auch die Freude bei Familie Tschuck über ihren Hofnamen "Spektaric" und bei Stephan Marrack über "Konopcyc" groß. Die Bewohner des Grundstückes mit dem Eiscafe "Liska" bekamen das blau-weiße Kleinod mit der Schrift "Nowakojc", was soviel wie "Die Neulinge" heißt und bei den Cafe-Inhabern ja auch zutrifft. "Das ist wieder ein kleiner Schritt, um die Attraktivität unseres Dorfes auch für Touristen zu steigern. Durch die Hofnamensschilder machen wir auf die Zweisprachigkeit hier bei uns aufmerksam", freute sich Fred Kaiser.