Etwas kess, vielleicht sogar provozierend, stellte sich die damals 52-jährige Elisabeth Wolf im Jahre 1925 in einem Selbstporträt auf der Leinwand dar. Arbeitsreiche und erfolgreiche, aber auch beängstigende und dramatische Jahre lagen bereits hinter ihr.

Sie ahnte damals sicherlich nicht, dass noch weitere 30 Jahre lang Pinsel und Leinwand ihre treuen Begleiter sein würden. Aber auch nicht, dass ein verheerendes Fliegerbombardement im Frühjahr 1945 fast ihr gesamtes Lebenswerk vernichten würde.

Am 15. März 1873 wurde Elisabeth Wolf in Sandow bei Cottbus geboren. In ihren Adern floss Künstlerblut. Ihr Großvater war der Cottbuser Porträtmaler, Musikus und Fotograf Friedrich August Schmalfuß (1791 bis 1876).

Schon als kleines Kind griff sie neugierig nach Malstift und Zeichenblock, um die Geschehnisse der kleinen Spiel- und Schauwelt um Sandow herum festzuhalten.

Der Zugang zur Dresdner Kunstakademie, die ihr Großvater besuchte hatte, war ihr damals als Frau verwehrt. So besuchte Elisabeth Wolf das Atelier von Arthur Kampf (1864 bis 1950) in Berlin. Im Jahre 1901 wurde sie Schülerin von Lovis Corinth (1858 bis 1925). In dieser Zeit lernte sie Käthe Kollwitz (1867 bis 1945) und Heinrich Zille (1858 bis 1929) kennen.

Trotz lukrativer Angebote, ihr Atelier in anderen deutschen Städten zu errichten, blieb die Künstlerin ihrer Heimatstadt Cottbus ihr Leben lang treu.

In ihren Werken hielt sie den Aufbau der Stadt Cottbus fest. So die Errichtung der Sanzebergbrücke im Jahre 1926. Wochen später waren die Oberkirche, das Landgericht und der Gerichtsturm auf ihrer Leinwand festgehalten worden.

Trotz des Totalverlustes ihres Lebenswerkes 1945, ließ sie sich nicht entmutigen. 1947 bekam Elisabeth Wolf, sie war damals 74 Jahre alt, die staatliche Anerkennung als Kunstmalerin und eine Ehrenrente.

In ihrem Atelier entstanden Porträts und in der Natur Skizzen von Landschaften. Oft war sie im Spreewald zwischen Cottbus, Burg und Lübbenau anzutreffen.

Unvergesslich war für sie die Festlichkeit zu ihrem 80. Geburtstag. "Es war ein Tag so groß an Ehr und Liebe …, aber es gibt auch Pflichten, mit Lust und Freude weiter zu schaffen", so formulierte sie den Festtag in ihrem Tagebuch. Den mit Blumen und Geschenken festlich geschmückten Geburtstagstisch hielt sie bereits wenige Stunden später auf der Leinwand fest. Anlässlich ihres 90. Geburtstages im Jahre 1963 wurde Elisabeth Wolf Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt Cottbus. Eine Straße und ein Uferstreifen in der Stadt tragen ihren Namen.

Am 15. Dezember 1964 verstarb Elisabeth Wolf im Alter von 91 Jahren. Sie wurde in einem Ehrengrab auf dem Cottbuser Nordfriedhof, an der Seite ihrer Mutter Bertha Wolf, Schwester Valeska und Ehemann Georgy Khoury beigesetzt.

Zum 120. Geburtstag der Malerin stellte das Stadtmuseum Cottbus ihre Werke in einer repräsentativen Ausstellung vor. Kunstkenner, Ortschronisten und Heimatfreunde aus der Spreewaldregion erinnern seit Jahrzehnten in Vorträgen, Führungen und Ausstellungen an den erfolgreichen, aber auch wechselvollen, Lebens-und Schaffensweg der kleinen Frau mit den wachen Augen.