ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:15 Uhr

Betrug
Wenn der Betrüger dreimal klingelt

Es klingelt, wer steht vor der Tür?
Es klingelt, wer steht vor der Tür? FOTO: picture alliance / dpa / Federico Gambarini
Cottbus. Themenwoche Betrug: Falsche Polizisten, Ableser oder Frauen in Not gehen immer wieder in der Lausitz auf Beutezug. So können Sie sich schützen. Von Bodo Baumert

Betrug, dass passiert heutzutage vor allem über Telefon oder Internet. Mit teils dreisten, teils geschickten Maschen versuchen Ganoven ahnungslosen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. An der Wohnungstür sind solche Versuche seltener geworden. Es gibt sie aber dennoch. In Wellen tauchen immer wieder bekannte und neue Maschen auf, wenn etwa falsche Ableser an Wohnungstüren klingeln.

„Ihr Anliegen ist in der Regel, sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen, um in einem unvermittelten Moment an Wertsachen zu kommen“, erläutert Polizeisprecher Torsten Wendt von der Direktion Süd in Cottbus. Bei der Pressestelle laufen solche Maschen alle paar Monate auf, treten für einige Tage gehäuft auf, um dann wieder zu verschwinden.

Zwei Beweggründe sind es, die Täter auf diese Weise agieren lassen. Zum einen der direkte Zugriff. Herumliegende Wertgegenstände oder Bargeld sind dann das Ziel der Täter. Das zweite Ziel können Informationen sein. So spionieren etwa Einbrecherbanden mögliche Ziele aus, werfen einen Blick auf lohnendes Stehlgut sowie Sicherheitsvorkehrungen an Türen und Fenstern.

Dafür müssen sich die Täter in beiden Fällen unter einem Vorwand Zugang zur Wohnung verschaffen.  Eine Möglichkeit ist der „falsche Ableser“ oder Vertreter eines anderen regional bekannten Versorgers. Mit gefälschten Ausweisen und Kleidung klingeln die Täter an der Tür, verwickeln den vermeintlichen Kunden in ein Gespräch und versuchen dabei, in die Wohnung zu gelangen. Firmen, deren Identität so missbraucht wird, reagieren in der Regel schnell und informieren, dass nicht ihre Vertreter unterwegs sind. Wichtig ist es deshalb, wenn solche Betrugsversuche entdeckt werden, umgehend die Polizei und das vermeintliche Unternehmen zu informieren.

Ende September gab es einen solchen Fall in Bad Liebenwerda. „Der Täter hatte sich als Mitarbeiter eines Energieunternehmens ausgegeben und so das Vertrauen des Bestohlenen erlangt. Mit der gestohlenen Kreditkarte hob der bisher Unbekannte in einer Bankfiliale in Leipzig mehrfach hohe Bargeldsummen ab“, berichtet Polizeisprecher Wendt. Beim Geldabheben wurde der Täter durch die Videoüberwachungsanlage der Filiale gefilmt. In der vergangenen Woche hat die Polizei das Bild veröffentlicht. Die Fahndung läuft.

Die Polizei sucht nach diesem Trickbetrüger, der sich mit einer in Bad Liebenwerda gestohlenen Kreditkarte bereichert hat.
Die Polizei sucht nach diesem Trickbetrüger, der sich mit einer in Bad Liebenwerda gestohlenen Kreditkarte bereichert hat. FOTO: Polizei

Eine andere Methode ist die Schwangere, die ganz dringend auf Toilette muss und die Gutmütigkeit des Opfers, an dessen Tür sie klingelt, ausnutzt. Häufig ist eine begleitende Frau dabei, die, während Hausherr oder -dame kurz abgelenkt ist, herumliegende Wertgegenstände einsteckt. Der Verlust fällt häufig erst auf, wenn die Betrüger die Wohnung schon wieder verlassen haben.

Ein anderes Beispiel aus dem Februar: Zwei unbekannte Frauen klingeln bei einer 80 Jahre alten Rentnerin in Cottbus und bieten besonders günstige Teppiche an. Beide gelangen in die Wohnung, eine lenkte die Seniorin mit dem Verkaufsgespräch ab, die zweite stiehlt derweil Bargeld. In Sandow konnten Polizeibeamte nach einem Bürgerhinweis wenig später einen Pkw kontrollieren. Dort fanden sie die beiden Frauen und einen 29-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen. Gegen alle drei wurden Ermittlungen aufgenommen. In der vergangenen Woche wurde der Fall abgeschlossen und an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Auch als Polizisten haben sich Täter schon ausgegeben, die ihr perfides Spiel mit Trug und Wahrheit dann ähnlich dreist abspielen wie beim Telefonbetrug. Sie erklären etwa, dass eine Einbrecherbande in der Gegend unterwegs sei und man vorsorglich Wertgegenstände in Augenschein nehmen oder – ganz dreist – zur sicheren Einlagerung mitnehmen wolle. „Das würden echte Kollegen niemals tun“, stellt Polizeisprecher Torsten Wendt unmissverständlich klar und rät zur gesunden Skepsis, egal, wer an der Tür klingelt, um sich vorzustellen.

Wie Betrüger sich als falsche Polizisten ausgeben, zeigt ein Video der Polizei aus Reutlingen: