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| 02:32 Uhr

Wenn das Taxi ohne Fahrer auskommt

In der Schweiz werden Kleinbusse ohne Fahrer getestet.
In der Schweiz werden Kleinbusse ohne Fahrer getestet. FOTO: InnoZ
Berlin/Cottbus. Noch klingt es wie Zukunftsmusik. Für Experten ist ein automatisierter Personennahverkehr aber keine Utopie mehr. Nicole Nocon

Taxis und Busse ohne Fahrer auf Cottbuser Straßen? Das kann funktionieren, sagt Daniel Hosse. Als Mitarbeiter des Lehrstuhls Verkehrssystemplanung/Telematik der TU Berlin hat er das in einer Studienarbeit untersucht. "Die Idee war, das Straßenbahnnetz zu entfernen und die Tram- und Busverbindungen durch autonome, also ohne Fahrer fahrende Kleinbusse und Robotaxis zu ersetzen. Es ging um die Fragen, wie groß die benötigte Fahrzeugflotte sein müsste und wie hoch die Kosten wären", erklärt der Wissenschaftler.

In seinem Modell ging Hosse von zwei Betriebsvarianten aus: Zum einen würden Kleinbusse auf den Hauptrouten durch Cottbus verkehren, in die Fahrgäste zusteigen könnten. Darüber hinaus könnten Robotaxis angefordert werden, die die Fahrgäste von Tür zu Tür bringen.

Die Fahrzeuge ohne Fahrer bewegen sich langsam und gemächlich im Stadtverkehr. Dank spezieller Sensorik reagieren sie auf Signale anderer Fahrzeuge und des Umfeldes, sodass es nicht zu Kollisionen komme.

Hosse hat errechnet, dass 220 Robotaxis oder 70 Kleinbusse nötig wären, um die Nachfrage des ÖPNV in Cottbus zu decken. Was das kosten würde, kann Hosse nur grob schätzen. "Derzeit sind autonom fahrende Fahrzeuge noch recht teuer. Man muss mit 100 000 bis 200 000 Euro pro Fahrzeug rechnen", sagt der Verkehrsexperte, der inzwischen für das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) arbeitet.

Sein Kollege Benno Bock verweist darauf, dass IT-Unternehmen wie Google bereits autonom fahrende Fahrzeuge entwickeln. Auch Automobilkonzerne forschen auf dem Gebiet. "Auf dem Flughafen Heathrow in London sind schon autonom fahrende Fahrzeuge unterwegs", so Bock.

"Die autonome Mobilität ist eine interessante Alternative in nachfrageschwachen Regionen, wo der übliche Nahverkehr nicht rentabel ist", ist Daniel Hosse überzeugt. "Es ist kostengünstiger. Strombetriebene Fahrzeuge haben einen geringeren Energieverbrauch. Die Nutzer profitieren von größerer Flexibilität."

Benno Bock rät ÖPNV-Betreibern wie Cottbusverkehr, die Entwicklung im Blick zu behalten, weil Anbieter versuchen, diesen Markt zu besetzen: "Der ÖPNV sollte sich nicht verdrängen lassen. Hier sehen wir Handlungsbedarf."