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Wenn Alkoholsünder im Verkehr beim "Idiotentest" landen

Radfahrer sollen sicherer leben.
Radfahrer sollen sicherer leben. FOTO: dpa
Cottbus. Die Fälle stammen aus der Vorwoche: Eine 37-jährige Fahrradfahrerin wird am Dienstagabend im Cottbuser Norden gestoppt. Sie hatte das Ampel-"Rot" missachtet. Christian Taubertund Jan Augustin

Nach Angaben der Polizei war sie mit 2,61 Promille erheblich alkoholisiert. Wenig später wurde in der Stadtmitte ein 18-jähriger Radfahrer wegen des Fahrens ohne Licht kontrolliert. Bei dem Mann stellten die Beamten einen Alkoholisierungsgrad von 2,11 Promille fest.

Radfahren unter Alkoholeinfluss - die Polizei in den fünf Inspektionen im Süden Brandenburgs nimmt durchaus einen Anstieg gerade in ländlichen Regionen wahr. So sind im Vorjahr im Süden 381 sogenannte folgenlose Trunkenheitsfahrten registriert worden - mit dem Fahrrad oder dem Auto. Auf die Polizeidirektion Cottbus/Spree-Neiße entfallen 78 solcher Delikte. "Das ist natürlich nur die Spitze des Eisberges", verweist Pressesprecher Torsten Wendt von der Direktion Süd darauf, dass die Atemalkoholtests in dieser Kategorie lediglich aufgrund anderer Vergehen im Straßenverkehr eingeleitet wurden. Hinzu würden 257 Fahrten unter Drogeneinfluss kommen, 18 davon in Cottbus/SPN.

In diesem Jahr, so Wendt, habe es bis Mai bereits 36 Verkehrsunfälle im Cottbuser Inspektionsbereich gegeben - fünf mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch waren es mit 19 Verletzten fünf mehr. Zudem sind bis Mai neun Radfahrer gestellt worden, die sich unter Drogeneinfluss in den Straßenverkehr begaben. Die Statistik belegt für die Polizei einen besorgniserregenden Trend: Alkohol und Drogen am Steuer und Fahrradlenker nehmen zu. Und das, obwohl Fahrraddelikte durchaus Auswirkungen auf das Führen von Kraftfahrzeugen haben können (siehe Infobox).

Zunahme von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr - diesen Eindruck bestätigt Thomas Piskol, Suchtberater im Gesundheitsamt des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Er führt interne Statistiken. Diese belegen ein konstant hohes bis steigendes Niveau an Suchtberatungen. "Alkohol ist immer noch die Droge Nr. 1", sagt der Sozialpädagoge und Therapeut aus Lauchhammer. Während die älteren Klienten eher zum Alkohol neigten, nehme aber auch der Anteil an Jüngeren zu, die mit Drogenproblemen zu ihm kämen. Daran sei vor allem der Konsum von Crystal Meth schuld.

Auffällig in den Statistiken sind für Piskol auch die hohen Promille-Angaben, die aktuell bei Kontrollen festgestellt werden. Werte über eins sind keine Seltenheit. Und das, wo Suchtberater ab 1,1 Promille von absoluter Fahruntüchtigkeit und einem Rauschstadium sprechen. Während Sehfähigkeit und Reaktionsfähigkeit rapide abnehmen, treten zunehmend Gleichgewichts- und Sprechstörungen auf. Ab 1,6 Promille ist eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU/"Idiotentest") Pflicht. Und die geht zumeist nicht unter Kosten von 1000 Euro ab.

Zum Thema:
Im Vorjahr hat es am Amtsgericht Cottbus etwa 40 bis 50 Fälle gegeben, in denen Radfahrer wegen relativer Fahruntüchtigkeit (weniger als 1,6 Promille) angeklagt wurden. Wie Gerichtsdirektor Michael Höhr der RUNDSCHAU bestätigt, müssen sündige Radfahrer aber damit rechnen, dass sie dann, wenn sie mit mehr als 1,6 Promille ertappt wurden, von der Führerscheinstelle verpflichtet werden, eine MPU ("Idiotentest") abzuleisten. Dabei wird der Entzug der Fahrerlaubnis androht, wenn die Prüfung schiefgehen sollte.