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| 17:00 Uhr

Schenkung ans Wendische Museum
Predigtbuch regt Forschung an

Ulrich Creutzburg und Christina Kliem schauen sich gemeinsam Predigtbuch, Gesangbuch und Zeichnungen an.
Ulrich Creutzburg und Christina Kliem schauen sich gemeinsam Predigtbuch, Gesangbuch und Zeichnungen an. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Ulrich Creutzburg löst mit einer Schenkung große Freude im Wendischen Museum aus: Es sind zwei Bücher aus dem Nachlass seines Großvaters.

Der Bauzaun in der Cottbuser Mühlenstraße zeigt unübersehbar: Es wird noch einige Zeit vergehen bis zur Eröffnung des dann sanierten Wendischen Museums mit neuer Dauerausstellung. Die Kuratoren arbeiten derweil aber auf Hochtouren. Zu den Höhepunkten in ihrem Alltag zählen immer wieder Neuentdeckungen, die mehr Licht in die Geschichte der Sorben/Wenden in der Niederlausitz bringen. Kuratorin Christina Kliem hat dieser Tage einen solchen Moment erlebt. Zu verdanken ist das dem Cottbuser Ulrich Creutzburg. Er hat dem Museum ein Exemplar der Erstausgabe eines wendischen Andachtsbuches gebracht. Die Historikerin ist begeistert. Es handle sich um das meistverbreitete Predigtbuch bei den Wenden, stellt Christina Kliem klar. Von Johann Friedrich Teschner, ab 1854 Hilfspfarrer in Kolkwitz, danach Archidiakon an der Wendischen Kirche in Cottbus, verfasst, ist es im Jahr 1869 im Cottbuser Verlag G. W. Tornow erschienen.

Was die Museumsmitarbeiterin daran besonders fasziniert, sind die Anmerkungen des Bucheigners in wendischer Sprache. Gehört hat das Buch einst Ulrich Creutzburgs Großvater Kurt Krüger. Der lebte von 1881 bis 1937 und war Lehrer, Kantor, Organist und Chorleiter in Groß Lieskow.

Der Enkel, mittlerweile im Ruhestand, hat jetzt Zeit und Muße, den Nachlass seiner Familie zu durchforsten, darunter auch einige alte Bücher. „Für mich stand anfangs die Frage, Wir-helfen-Buchbasar bei der Lausitzer Rundschau oder Mülltonne“, gibt Ulrich Creutzburg unumwunden zu. Doch bei jenem Predigtbuch und bei dem „Wohleingerichteten wendischen Gesangbuch“ aus dem Jahr 1845 kamen ihm begründete Zweifel, ob das der richtige Weg ist. Also wandte er sich an Hans-Christoph Schütt, Sielower Pfarrer im Ruhestand, der ihn wiederum ans Wendische Museum verwies.

„Damit ist ein neues Arbeitsthema aufgemacht“, freut sich Christina Kliem. Einerseits betreffe das die Geschichte des abgebaggerten wendischen Dorfes Groß Lieskow. Zeichnungen der Groß Lieskower Kirche, um 1900 von Kurt Krüger während seiner Ausbildung am Lehrerseminar Altdöbern angefertigt, finden sich in einer von dem Kantor hinterlassenen Kunstmappe. Zudem ließen die zahlreichen Anmerkungen in wendischer Sprache darauf schließen, so die Kuratorin, „dass da jemand sehr intensiv mit dem Predigtbuch in der Schule gearbeitet oder wendische Lesegottesdienste durchgeführt hat“. In Dörfern mit einem deutschen Pfarrer und einem wendischen Kantor habe dieser oft wendische Predigten übernommen.

Das Predigtbuch von Teschner war laut Christina Kliem in der Region weit verbreitet und „ein Meilenstein in der Anwendung der wendischen Schriftsprache in den Häusern der einfachen Leute“. So war es in vielen Familien üblich, am Sonntagnachmittag aus dem Buch vorzulesen. „Teschner war sehr bedeutsam für das Lesen und Hören der wendischen Schrift“, so das Fazit der Museumsmitarbeiterin.

Auch wenn das Wendische Museum voraussichtlich erst im Frühjahr 2019 für Besucher öffnet, können interessierte Cottbuser in der aktuellen Sonderausstellung des Stadtmuseums zur Reformation Neues zur wendischen Regionalgeschichte erfahren. Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. Februar.

Kurt Krüger war Lehrer, Kantor, Organist und Chorleiter in Groß Lieskow.
Kurt Krüger war Lehrer, Kantor, Organist und Chorleiter in Groß Lieskow. FOTO: Julius Staudt / Julius Staudt 1896