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| 01:24 Uhr

Wendischer Gottesdienst soll ausgebaut werden

Cottbus.. In einer Gesprächsrunde haben am Mittwochabend im Cottbuser Wendischen Museum Pfarrer an den Neubeginn des wendischen Gottesdienstes vor 20 Jahren erinnert. Im Laufe des Abends wurde über die aktuelle Situation der wendischen Kirchentradition in der Region diskutiert. Adelheid Floß

Nach Aussage von Pfarrer Hans-Christoph Schütt aus Dissen soll es im nächsten Jahr einen wendischen Familiengottesdienst geben.
Die Gesprächsrunde im Wendischen Museum eröffnete Kuratorin Christina Kliem mit dem Rückblick: „Vor 20 Jahren begannen nach jahrzehntelanger Pause in der Kirche zu Dissen wieder wendische Gottesdienste.“ Sie erinnerte an den 27. September 1987, der für die Bevölkerung den ersten wendischen Gemeindenachmittag brachte. Mit der Gründung des „Arbeitskreises wendischer Gottesdienst“ und des „Fördervereins für den Gebrauch der wendischen Sprache in der Kirche“ seien nach und nach regionale Gottesdienste in wendischer Sprache durchgeführt worden. Zahlreiche kirchliche Beiträge gingen über den niedersorbischen Rundfunksender. Acht Mal im Jahr gebe es wendische Gottesdienste statt, die das Leben der wendischen Bevölkerung in der Lausitz bereichern, wie Christina Kliem erzählt. Aber es gebe noch immer wenig Übersetzungen mit christlichem Inhalt.
„Nach 1915 ist kein weiteres redigiertes Gesangbuch in wendischer Sprache gedruckt worden. Erst zum Ende diesen Jahres soll es endlich erscheinen“ , erzählt sie. Die Muttersprache mit Hilfe des Gottesdienstes zu pflegen, dafür habe sich Pfarrer Helmut Huppatz aus Kahren eingesetzt. Für ihn sei die Sprache die Verbindung zum Glauben. Daher müsse die wendische Sprache im Gottesdienst weiter gepflegt werden. Pfarrer Hans-Christoph Schütt aus Dissen bemühe sich, wie er sagt, seine Sprachkenntnisse weiter auszubauen. „Mein Traum ist, mir die Muttersprache so anzueignen, dass ich mich umfassend verständigen kann.“ Religionsunterricht gebe er am Niedersorbischen Gymnasium Cottbus und sei nicht pessimistisch, dass wendische Gottesdienste aus Mangel an Teilnehmern irgendwann wegfallen. Rund 80 Besucher zähle er im Durchschnitt bei wendischen Gottesdiensten.
Sorgen mache sich Prediger Georg Frahnow, wie er sagt, um den Nachwuchs. Zwar kämen einige junge Leute in den wendischen Gottesdienst, dennoch reiche das für die Zukunft nicht aus. Pfarrer Hans-Christoph Schütt erklärte in diesem Zusammenhang, dass er sich für das nächste Jahr vorgenommen habe, einen Gottesdienst für die ganze Familie anzubieten. Seine Stelle als Pfarrer werde nur zu einem Viertel für die sorbisch/wendische Kirchenarbeit vergütet und da ließe sich noch zu wenig bewerkstelligen. Der Gedanke aus der Runde, eine volle Stelle für einen wendischen Pfarrer einzurichten, wolle der Vorsitzende des Sorbenrates im Brandenburger Landtag, Harald Konzack, mitnehmen. Als Abgeordneter habe er gerade um das Stiftungsgeld gekämpft. Er werde sich darum kümmern.

Hintergrund Kirchgang neu belebt
 Seit der Reformation der Kirche wurde in der Niederlausitz in mehr als 200 Kirchspielen die wendische Sprache zum Erliegen gebracht, wie aus einer Veröffentlichung des „Fördervereins für den Gebrauch der wendischen Sprache in der Kirche“ hervorgeht. 1987 fand in privater Initiative in der Kirche Dissen der erste wendische Gemeindenachmittag statt.