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| 16:20 Uhr

Heimatkunde
In einem Monat 30 Häuser, Kirche und Schule gebaut

Dieses Gebäude in Australien haben wendische Auswanderer gebaut und als Schule genutzt. Bernd Marx hat es besucht.
Dieses Gebäude in Australien haben wendische Auswanderer gebaut und als Schule genutzt. Bernd Marx hat es besucht. FOTO: Marion Hirche
Gulben. Vortrag über Lausitzer Australienauswanderer Von Marion Hirche

Im Rahmen eines Vortrages von der Schule für Niedersorbische Sprachen und Kultur sprach Bernd Marx aus Treppendorf im Gulbener Dorfgemeinschaftshaus am Freitagabend über Lausitzer Australienauswanderer. Der frühere Kraftwerker hat sich bereits Verdienste mit seinen Erkenntnissen über  den Trebatscher Australienforscher Ludwig Leichardt erworben.  Schon 1958 wurde sein Interesse für die Lausitzer auf dem fünften Kontinent geweckt: „Es war mein Lehrer Gerhard Kossatz, der mich neugierig auf den fernen Kontinent machte. Damals war ich acht Jahre.  Dann habe ich in einem Buch eine Geschichte über Australien gelesen und  seitdem hat mich das nicht mehr losgelassen. Ich habe schon zu DDR-Zeiten bei der Urania über Lausitzer in Australien gesprochen. Jetzt nach der Wende war ich  jedes Jahr einmal dort. Ich besitze etwa eine Million Dokumente von dort, die etwas mit Leichardt zu tun haben und   außerdem befinden sich in meinen Archiv ebenso viele Fotos und Materialien zum Thema  Wenden und Deutsche aus der Lausitz in Australien“, verriet der Referent auf Nachfrage.

Nach der Begrüßung durch Astrid Schramm, Domowina-Chefin in  Gulben und Ute Henschel von der Sprachschule zog der Australien-Experte seine Zuhörer in seinen Bann. Sehr anschaulich erläuterte er, dass die Lausitzer aus religiösen Gründen ihre Heimat verlassen haben. Das war bereits in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Zunächst wollten sie nach Russland. Als aber in der Schwarzmeerregion Krieg ausbrach, war das nicht mehr möglich. Dank einer Deutschen an der Seite des englischen Königs konnten die  Lausitzer Preußen und Sachsen über England nach Australien reisen. Sie haben in der neuen Heimat rund 100 Dörfer gegründet, deutsche, deutsch-wendische und  internationale. Das erste Dorf war Klemzig. Die Dörfer entwickelten sich rasant. Im Juli legte das Schiff in London ab, im November kam es in Adelaide an. Die Überfahrt zahlte der englische König, aber dort mussten die Neuankömmlingen zu teils horrenden Zinssätzen Land pachten. Danach hatten sie zu Weihnachten in einem Dorf bereits 30 Häuser, eine Schule und eine Kirche errichtet. Bernd Marx erzählte von den Menschen, von den Ereignissen, die dazu führten, dass die wendische Sprache heute nicht mehr in Australien existiert und zeigte Bilder von Museen, Gebäuden und Grabsteinen, die eindeutig die Handschrift der deutschen und wendischen Einwanderer tragen. Besonders viele Grabsteine hat er fotografiert und stolz präsentierte  der Treppendorfer ein Foto von einer Schule, die 1871 errichtet und in der nur in wendischer Sprache unterrichtet wurde.“ Das ist natürlich ein Gebäude, das dem Verfall  gewidmet ist, aber ich will alles daran setzen, um es zu erhalten, denn das ist eine der ältesten wendischen Schulen außerhalb Deutschlands überhaupt“, sagte er in seinem Vortrag.

 Einige Zuhörer waren auch gekommen, um vielleicht Vorfahren aus der Familie auf die Spur zu kommen. So erkundigte sich Monika Berger aus Kolkwitz nach möglichen Auswanderern ihrer Familie und  Jens Jarick aus Werben konnte Bernd Marx mit konkretem Wissen überraschen: „Aus meiner Familie gibt es Australienauswanderer, die uns schon besucht haben und ich war auch schon dort. Sie wohnen in Walla Walla.“ In diesem Ort wird im Januar 2019 der 150. Jahrestag der Ortsgründung gefeiert und Bernd Marx informierte, dass er dort dabei sein wird. Am Ende verabredeten sich die Gulbener mit Bernd Marx zu einer zweite Runde zum Thema.