"Wir haben eine Fußballstammtischrunde, und da hat Wolfgang Fischer irgendwann mal gesagt, wir brauchen eine wendische Fußballauswahl", rief Horst Krautzig in der Gründungsversammlung im Serbski Dwor in Dissen in Erinnerung.

Schon seit Längerem existiert eine Sorbische Auswahl. Diese ist schon bei den Meisterschaften der europäischen Minderheiten angetreten und hat die Europiade 2012 ausgerichtet. Niederlausitzer Spieler haben nur schwer Zugang zum Team gefunden, weil nicht nur die Verbundenheit mit dem sorbischen Volk und dessen Traditionen vorausgesetzt, sondern auch die sorbische Sprache im Training genutzt wird.

So entwickelte sich die Idee, eine eigene Auswahl der Niederlausitzer aufzustellen. Am Mittwochabend versammelte sich in Dissen Prominenz aus Politik, Fußballsport und Domowina, um die Mannschaft aus der Taufe zu heben. Zahlreiche gestandene Persönlichkeiten der Region betätigen sich als Geburtshelfer. Fußballlegende Horst Krautzig wird als Trainer fungieren. Er war in den 70er- und 80er-Jahren gefragter Mittelfeldspieler bei verschiedenen DDR-Mannschaften. Unvergessen: 1974 schoss er den Siegtreffer gegen Juventus Turin für seine Mannschaft, den FC Vorwärts Frankfurt (Oder) in der ersten Uefa-Pokalrunde. Der Sielower war auch eine Bereicherung für den FC Energie Cottbus. Nach seinem Karriereende 1989 war er Trainer verschiedener Energie-Jugendmannschaften und zeichnet zusammen mit Volkmar Kuhlee noch heute für die Alten Herren verantwortlich. "Ich bin mit dem Wendischen groß geworden und finde die Idee toll - ich habe deshalb sofort ja gesagt. Wir wollen mit den Sorben zusammenarbeiten und von ihren Erfahrungen profitieren. Wir sind eben Niederlausitzer", sagte er zur Gründung und stellte mit Max Pannasch ein weiteres Fußballurgestein als Co-Trainer vor.

Krautzig machte auch die Mannschaftsphilosophie deutlich: "In meinem Team geht es natürlich um möglichst beste sportliche Leistungen, aber jeder Spieler sollte sich auch bewusst sein, was er repräsentiert. Er sollte das wendische Brauchtum kennen und sich mit den Traditionen identifizieren".

Zu den Spielern gehört der aus Drachhauen stammende Nils Miatke sein. Der beim Drottligisten FSV Zwickau verpflichtete Spieler hat zugesagt, dem Team zu helfen. Von Horst Krautzig angesprochen, hat auch "Tusche" Torsten Mattuschka Anschubunterstützung signalisiert: "Meine Oma ist immer Wendisch gegangen", begündete er. Stefan Göbel und weitere Spieler des SV Grün-Weiß Dissen haben eine Liste mit 30 Spielern aufgestellt, die Bereitschaft signalisiert haben. Dissen mit Platz und Sportlerheim soll das Zentrum der Auswahl werden. Mit Maurice Ehmke und Prof. Michael Schierack wurden auch schon Physiotherapeut und Mannschaftsarzt gewonnen.

Der Domowina-Regionalverband Niederlausitz übernimmt die Trägerschaft der Auswahl. Markus Koinzer erklärte dazu: "Seit fast 20 Jahren gibt es das Witaj-Projekt. Das beinhaltet ja nicht nur die Begegnung mit der Sprache, sondern auch mit der Kultur unseres Volkes. Dazu gehört auch der Sport. Deshalb betrachten wir die Gründung einer solchen Auswahl als eine historische Stunde und unterstützen das gern".

Das Team hat mit Horst Adam einen langjährigen Nowy-Casnik-Redakteur als Pressesprecher. Zustimmung und Hilfszusagen kamen am Mittwochabend auch vom CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze, von Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger und von der Cottbuser Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe. Die ersten Trikots in den Nationalfarben Blau-Rot-Weiß gibt es von der Sparkasse Spree-Neiße. Bernd Ospalek vom Fußballkreis Niederlausitz bot Unterstützung an.

Auch die erste Bewährungssituation für das neue Team ist schon geplant: Am 9. Juli soll gegen die Sorbische Auswahl gespielt werden. Jan Rehor, einer der sorbischen Nationalspieler, sicherte in Dissen zu: "Wir helfen euch gern".

"In drei Jahren findet die nächste Europiade statt. Bis dahin soll die Wendische Auswahl so fit sein, dass sie auf Augenhöhe antreten kann", hofft Fred Kaiser, Bürgermeister in Dissen-Striesow. Er ist selbst Mitglied in der deutschen Bürgermeisterauswahl und einer der Anschieber des Projekts.