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Weltneuheit als letzte Rettung

Dr. Volker Herwig, Oberarzt Herz? chirurgie (links), und Dr. Axel Har? nath, Chefarzt Kardiologie, wäh? rend einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation. Die Blicke der beiden Operateure sind auf die Monitore gerichtet.
Dr. Volker Herwig, Oberarzt Herz? chirurgie (links), und Dr. Axel Har? nath, Chefarzt Kardiologie, wäh? rend einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation. Die Blicke der beiden Operateure sind auf die Monitore gerichtet. FOTO: Sana (LR-COS-REM-313)
Cottbus. Der Cottbuser Kardiologe Dr. Axel Harnath gibt im Spezialisten-Team des Sana-Herzzentrums Patienten mit vergrößerter Aorta wieder eine Überlebenschance. Daniela Kühn

Sie ist die einzige Überlebenschance für viele Patienten - die neuartige Herzklappe, die seit wenigen Wochen im Sana-Herzzentrum Cottbus implantiert wird. Möglich gemacht hat das auch Dr. Axel Harnath. Er war mit seiner Fachkenntnis an der Entwicklung dieser Weltneuheit beteiligt. Jetzt sind er und das Cottbuser TAVI-Team die Ersten in Deutschland und auf dem Kontinent, die diesen minimalinvasiven Eingriff durchführen.

Hochrisikopatienten, vor allem ältere und schwerkranke, mit einer Verengung der Aortenklappe, die eine Operation unter Vollnarkose nicht überstehen würden, profitieren im Herzzentrum seit 2010 von der sogenannten TAVI. Bei dieser Implantation einer kathetergestützten Aortenklappenprothese wird der Klappenersatz über einen kleinen Zugang bei örtlicher Betäubung über die Leiste direkt am schlagenden Herzen eingesetzt. Das hat der Klinik über die Landesgrenzen hinaus große Anerkennung eingebracht. Nun zählt das Lausitzer Herzzentrum weltweit zu den wenigen Kliniken, die auch Patienten behandeln können, die aus anatomischen Gründen, sei es ein größerer Aortenklappenring oder eine große Hauptschlagader, noch vor Wochen als nicht operierbar galten. Die Liste derer ist lang, für die dieser Eingriff die letzte Chance ist.

Das Besondere an dem weiterentwickelten Klappentyp: Er ist deutlich größer. "Während die herkömmlichen Modelle etwa 23 bis 27 Millimeter messen und nur bei Menschen mit einer normal großen Aorta helfen, kommt die größte derzeit verfügbare Herzklappe auf 34 Millimeter", erklärt Dr. Axel Harnath. Um sie mithilfe des Katheters bis zum Herzen zu transportieren, wird sie unter Eiswasser extrem zusammengepresst. Denn die Gefäße, die sie durchläuft, erlauben nur eine maximale Breite von fünf Millimetern. "Unter Röntgensicht können wir die Herzklappe präzise platzieren." Zehn Patienten haben die Profis des Sana-Herzzentrums Cottbus seit Januar dieses Jahres eine Herzklappe der neuen Generation eingesetzt. "Wir arbeiten seit Jahren vertrauensvoll zusammen", betont der Chefarzt. In dem international anerkannten Spitzenteam arbeiten Kardiologen, Herzchirurgen, Anästhesisten, Kardiotechniker sowie Anästhesie- und OP-Pflegekräfte um Dr. Andreas Smechowski, Chefarzt Anästhesie, Dr. Volker Herwig, Oberarzt Herzchirurgie und Leiter TAVI-Team, und eben Dr. Axel Harnath.

"Die Möglichkeiten, die uns geboten wurden und werden, sind maßgeblich für unseren Erfolg." Schon 2009 reisten acht Cottbuser nach Frankreich, um von dem Erfinder der TAVI zu lernen - Professor Alain Cribier. Der hatte 2002 den ersten Eingriff dieser Art erfolgreich durchgeführt. "Mit Weitsicht wurden in unserem Herzzentrum frühzeitig die personellen und logistischen Strukturen geschaffen, diese lebensrettende Methode ebenfalls anbieten zu können. Seit 2010 wenden wir das Verfahren an. Seit Oktober 2016 sind wir zertifiziertes TAVI-Zentrum und Qualifizierungsstätte für interventionelle Kardiologie."

Vor zwei Jahren wurde der Ur-Cottbuser Harnath ins amerikanische Minneapolis eingeladen, um gemeinsam mit vier europäischen Kollegen an der Entwicklung der größten Herzklappe mitzuarbeiten. Diesen minimalinvasiven Eingriff jetzt als eine der ersten Kliniken weltweit durchführen zu können, zeugt von dem Vertrauen des Klappenherstellers in die Fähigkeiten und die Qualität des Cottbuser Herzzentrums. "Unser Haus hat sich eine Bekanntheit erarbeitet, die für eine relativ kleine Klinik doch sehr außergewöhnlich ist", sagt Dr. Axel Harnath. "Jetzt sind wir ganz vorn mit dabei." Das spiegelt sich auch darin wider, dass immer mehr Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet ihre Patienten hier behandeln lassen wollen. "Den guten Ruf verdanken wir auch den optimalen Entwicklungsmöglichkeiten." Seine Ausbildung absolvierte er unter Anleitung von Chefarzt Dr. Jürgen Krülls-Münch, dessen Nachfolge als Chefarzt im Cottbuser Herzzentrum Axel Harnath 2015 angetreten hat. "Für die Unterstützung bin ich ihm und vielen anderen Kollegen unglaublich dankbar. Als tief verwurzelter Cottbuser freut es mich, jetzt meiner Heimatstadt und unseren Menschen auch durch meine Arbeit etwas zurückgeben zu können."

Dr. Axel Harnath: "Ein Cottbuser Junge"

Der Chefarzt der Kardiologie am Sana-Herzzentrum Cottbus lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Lausitzmetropole. 1991 schloss er das Studium der Humanmedizin an der Universität Leipzig ab und begann am Carl-Thiem-Klinikum Cottbus seine Ausbildung als Arzt im Praktikum. Der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie ist seit 2002 am Sana-Herzzentrum Cottbus tätig. Seit 2015 bekleidet er das Amt des Chefarztes der Klinik für Kardiologie. Er besitzt für die fachlichen Schwerpunkte Kardiologie und Innere Medizin die Ausbildungsberechtigung. Der 52-Jährige tritt als gefragter Referent bei nationalen und internationalen Kongressen auf. Der frühere Leichtathlet engagiert sich auch im Verwaltungsrat des FC Energie Cottbus.

Dr. Volker Herwig, Oberarzt Herzchirurgie (l.) und Dr. Axel Harnath, Chefarzt Kardiologie, während einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation. Die Blicke der beiden Operateure sind auf die Monitore gerichtet. Foto: Daniela Kühn