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| 16:30 Uhr

Spree-Neiße
Weltmeisterflugzeug kehrt heim

Werner Tommek hat die Weltmeistermaschine des Neuhausener Motorkunstflugweltmeisters Erwin Bläske Zlin 326A zu neuem Leben erweckt und den Oldtimer bei den Flugtagen in Neuhausen vorgeführt. Die Witwe des Weltmeisterpiloten Hildegard Bläske signierte das Flugzeug.
Werner Tommek hat die Weltmeistermaschine des Neuhausener Motorkunstflugweltmeisters Erwin Bläske Zlin 326A zu neuem Leben erweckt und den Oldtimer bei den Flugtagen in Neuhausen vorgeführt. Die Witwe des Weltmeisterpiloten Hildegard Bläske signierte das Flugzeug. FOTO: Marion Hirche
Neuhausen. Bei den Flugtagen in Neuhausen ist die Zlin 326A auf ihren Heimatflugplatz zurückgekehrt. Mit der Maschine wurde Erwin Bläske einst Kunstflugweltmeister. Von Marion Hirche

Eine Legende ist am Wochenende nach Neuhausen zurückgekehrt. Erstmals nach dem Wieder-Flott-Machen hob die Zlin 326 A von Neuhausener Boden ab. Der 1930 in Roggosen geborene Erwin Bläske war mit diesem Flugzeug im Jahr 1968 nach unzähligen Trainingseinheiten in Neuhausen Weltmeister im Motorkunstflug geworden. Die Rückkehr des Flug-Oldtimers wurde von einem bunten Programm mit Vorführungen und historischen Fluggeräten, Modellfliegern, Fallschirmspringern und der Monstertruckshow der Gebrüder Frank begleitet.

Samstagabend kullerten auf dem Flugplatz Neuhausen Tränen. Oma Hilde weinte. Die 85-Jährige erlebte die Rückkehr des Flugzeugs ihres Mannes Erwin Bläske mit. Die Neuhausenerin bedankte sich bei Werner Tommek aus Rudolstadt, dass er die Weltmeistermaschine wieder zum Leben erweckt hatte. Sie signierte das Flugzeug mit den gelben und roten Streifen anstelle ihres Mannes, der im Jahr 1991 gestorben war. Neben den Namen malte sie Herzen. Zudem überreichte die gerührte Witwe Fotos ihres Mannes Erwin an Werner Tommek und an den Neuhausener Bürgermeister Dieter Perko (CDU). Dieser Augenblick ging unter die Haut.

Danach führte der Rudolstädter vor, was einst Erwin Bläske zum Weltmeister gemacht hatte. Er malte mit dem grazilen Flieger Loopings, Kreise, Rollen und andere Figuren an den Himmel. Der Pilot erklärte: „Mit diesem Flugzeug kann man ganz in Ruhe  unterwegs sein. Das ist wie Tanzen am Himmel. Auch damals bei den Meisterschaften mussten die Teilnehmer Pflicht und Kür absolvieren.“ Seine Lebensgefährtin Katrin Kuhles erklärte während der Flugvorführung: „Von dem Typ wurden nur fünf Stück gebaut. Für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft wurde extra der feste Propeller durch einen Verstellpropeller ersetzt. Dadurch konnte der Pilot besser reagieren.“

Die Zlin 326 von Werner Tommek, der auch eine Flugschule in Rudolstadt gründete, ist das einzige noch heute flugfähige Maschine dieses Typs. Im Jahr 1999 holte der Flugenthusiast den Oldtimer  aus dem Cottbuser Flugplatzmuseum und ließ ihn aufarbeiten – im tschechischen Betrieb nahe der Stadt Zlin, wo die Maschine dereinst im Jahr 1960 entstanden war. Deutlich länger – nämlich zehn Jahre – dauerte es danach, um eine Fluggenehmigung zu bekommen. „Ich durfte immer mal zu besonderen Anlässen wie der Internationalen Luftausstellung in Berlin starten, aber eine Dauererlaubnis gab es erst nach zehn Jahren Kampf“, erinnerte sich der Rudolstädter.

Viel Applaus gab es am Wochenende auch für Toni Eichhorn. Er ist einer der besten deutschen Einzelkunstflieger und startete in Neuhausen mit seiner North American T-28B. Bei seinen Schleifen und Sturzflügen stockte so manchem Gast der Atem. Viele Besucher der von der Mitteldeutschen Verwaltungs- und Veranstaltungsgesellschaft organisierten Flugtage nutzten das Angebot für Rundflüge.

Dem Cottbuser Jürgen Fiedler war das nicht genug. Der 67-Jährige ist schon seit seiner Jugend Flugzeugfan. Er war so wagemutig und bewarb sich zum Mitfliegen in einer der Kunstflugmaschinen. Sein Traum wurde Sonntagmittag erfüllt. Er legte danach eins obendrauf und machte einen Fallschirmsprung. Der Senior war danach ganz selig: „Ich bin total glücklich.“

Diese Begeisterung teilte auch die Neuhausener Ortsvorsteherin Anke Dabow. Sie genoss mit Sohn Yanic den Trubel auf dem Flugplatz. Natürlich war auch der Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft Cottbus Neuhausen, Torsten Schwieg, an beiden Tagen auf dem Feld: „Es ist sehr schön, dass unser Flugplatz wieder entdeckt wird und hier so viele Flugzeuge präsentiert werden.“

Angesichts des Erfolgs der Flugtage stellte Christine Tomschin von der Veranstaltungsagentur bereits am Wochenende in Aussicht, dass es in zwei Jahren in Neuhausen eine Wiederholung des Fliegertreffens geben könnte.