ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Wegen Kindesmissbrauchs Vorbestrafter für neue Taten verurteilt

Auch am letzten Verhandlungstag verbirgt sich Jörg A. unter einer Kapuze, neben ihm Anwältin Barbara-Eila Klamandt.
Auch am letzten Verhandlungstag verbirgt sich Jörg A. unter einer Kapuze, neben ihm Anwältin Barbara-Eila Klamandt. FOTO: LR-Archiv
Cottbus. Das Gericht glaubte den Angaben der mit sechs und sieben Jahren sehr jungen Opfer von Jörg A. Es verurteilte ihn deshalb wegen zum Teil schweren sexuellen Missbrauchs der Kinder. Der 45-Jährige hatte die Vorwürfe bestritten. Simone Wendler

Jörg A. lässt sich Zeit, bis er sich äußerte. Erst vor dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft ergreift er am Mittwoch kurz das Wort und weist alle Vorwürfe zurück. "Ich habe den Kindern nichts getan", sagt er.

Vier Stunden später steht fest, dass die Jugendschutzkammer des Landgerichtes Cottbus ihm nicht glaubt. Sie spricht den mehrfach wegen Kindesmissbrauchs und Kinderpornografie vorbestraften 45-Jährigen erneut schuldig. Wegen mehr als einem Dutzend sexueller Übergriffe bis hin zum Oralverkehr an den Jungen einer Nachbarin verurteilt ihn das Gericht zu sechs Jahren und acht Monaten Haft.

Zur Befriedigung seiner sexuellen Neigungen habe er sich an die Kinder herangemacht, sie mit elektronischen Spielmöglichkeiten angelockt. Das Vertrauensverhältnis zu den Eltern, die im selben Hause wohnten, habe er dabei ausgenutzt.

"Wir haben an den Aussagen der Kinder keinen Zweifel", so der Vorsitzende Richter Christian Eicke. Sie hätten, so gut sie das in ihrem Alter konnten, Erlebtes geschildert. Das sei auch an einigen Details klar geworden, die sie sich in ihrem Alter nicht ausgedacht haben könnten.

Die Verteidigerin von Jörg A., Barbara-Eila Klamandt, hatte die Glaubwürdigkeit der Jungen in Zweifel gezogen und deshalb einen Freispruch ihres Mandanten gefordert. Die Aussagen der Kinder bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht seien stark voneinander abgewichen. Das Gericht konnte sie damit nicht überzeugen.

Staatsanwältin Martina Eberhart hatte fast acht Jahre Haft für Jörg A. und vor allem die anschließende Einweisung in die Sicherungsverwahrung gefordert. Außerdem beantragte sie, ihn noch im Gericht wieder in Untersuchungshaft zu nehmen.

Rechtsanwalt Claus Meffert, der die Opfer als Nebenkläger vertritt, schloss sich dieser Forderung an. Der Angeklagte sei pädophil und ein "notorischer Sexualstraftäter", sagte er. Das zeigten seine zum Teil mehrjährigen Haftstrafen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und die Verstöße gegen durch das Gericht angeordnete Weisungen, darunter die Verpflichtung zu einer Psychotherapie.

Doch eine Sicherungsverwahrung sah das Gericht als nicht gerechtfertigt an. Die gesetzlichen Anforderungen dafür seien hoch, so Richter Eicke. Zwar seien die formalen Kriterien dafür durch Zahl und Dauer der einschlägigen Vorstrafen erfüllt. Auch sei ein Hang zu weiteren ähnlichen Straftaten vorhanden.

Doch durch diese Taten müssten die Opfer, so das Gesetz, "seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden". "Das ist für uns nicht sicher", begründet Eicke die Ablehnung. Bisher habe der Angeklagte bei keiner seiner Taten Gewalt angewendet oder die Opfer verletzt. Auch Jörg A. wieder in U-Haft zu nehmen, lehnte das Gericht ab. Der Koch war im November durch Entscheidung des Oberlandesgerichtes nach sechs Monaten Untersuchungshaft auf freien Fuß gekommen, weil der Prozess gegen ihn noch nicht begonnen hatte. Weil er seit Mitte Januar pünktlich zu jedem Verhandlungstag kam, sah das Gericht jetzt keine Fluchtgefahr.

Das Urteil gegen Jörg A. ist noch nicht rechtskräftig. Er, aber auch die Staatsanwaltschaft, die ihn in Sicherungsverwahrung sehen will, können innerhalb einer Woche Revision beim Bundesgerichtshof beantragen.