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Wege für die Tram-Zukunft

Cottbus. Cottbusverkehr legt Varianten zur Erneuerung des Fuhrparks vor und beweist, dass der Kauf zwar teuer, aber günstiger ist. Peggy Kompalla

Die Cottbuser Straßenbahnen sind im Schnitt 30 Jahre alt und gehören damit in Ostdeutschland zu den ältesten Dienstfahrzeugen. Das hat nichts mit Nostalgie, sondern mit mangelndem Geld zu tun. Damit steht Cottbus nicht allein. Mit Ausnahme der Landeshauptstadt Potsdam stecken alle Brandenburger Verkehrsbetriebe mit Straßenbahnen in dem Dilemma. Doch das Land beharrt bislang auf seiner Position, dass der öffentliche Nahverkehr eine kommunale Aufgabe ist. Deshalb beteiligt es sich nicht an der Neubeschaffung von Bahnen - im Gegensatz zu anderen Bundesländern.

In Cottbus ist die Lage mittlerweile dramatisch. Selbst das vor fünf Jahren gestartete Langläuferprogramm, bei dem Altfahrzeuge aufgemotzt und technisch komplett überholt werden, gerät an seine wirtschaftlichen Grenzen. Das betont Cottbusverkehrchef Ralf Thalmann. "Im Jahr 2021 ist der erste Langläufer wieder mit der Hauptuntersuchung dran." Außerdem erfüllen die aktuellen Fahrzeuge nicht die Anforderungen an das neue Gesetz, wonach alle öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Jahr 2022 vollständig barrierefrei sein müssen.

Cottbusverkehr braucht 20 neue Fahrzeuge und hat dafür vier Varianten durchgerechnet. Variante eins: zehn Neufahrzeuge, zehn Modernisierungen. Variante zwei: zweimal fünf Neuanschaffungen gestaffelt und zehn Modernisierungen. Variante drei: fünf Neufahrzeuge und 16 Modernisierungen. Variante vier: 21 Modernisierungen. Quintessenz: "Es ist zwar teuer neue Fahrzeuge zu kaufen, aber auf lange Sicht günstiger", sagt Thalmann. Denn die Ausgaben für den Straßenbahnbetrieb steigen ohne Kauf von Neufahrzeugen in den kommenden 16 Jahren über die Aufwendungen für einen Teilersatz der Fahrzeuge.

Zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro kostet eine neue Straßenbahn. Einzelne Fahrzeuge gibt es bei den Herstellern nicht. Aber größere Neueinkäufe können sich Stadt und Cottbusverkehr aus eigener Kraft nicht leisten. Deshalb ist die Hilfe des Landes nötig. Demnach würden über zehn Jahre Fördermittel in Höhe von je neun Millionen Euro ausreichen. "Dann könnten wir alle unsere Flotten erneuern." Denn um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, haben sich Cottbus, Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder), Schöneiche und Görlitz zusammengeschlossen und ein Paket geschnürt. "Wir haben uns auf technische Details verständigt." Mit der gesicherten Finanzierung könnten die Städte nach und nach ihre Bestellungen auslösen.

Selbst wenn Cottbusverkehr das Geld für neue Bahnen ansparen würde, käme der Verkehrsbetrieb zwischen 2020 und 2046 auf zehn neue Fahrzeuge. Drei Jahre müsste der Betrieb für ein neues Fahrzeug sparen. "Allerdings wären aber dann anderweitige Investitionen nicht mehr möglich", sagt Thalmann. Damit ist das Szenario unrealistisch. Denn die alternde Straßenbahnflotte braucht mehr Reparaturen.