| 02:34 Uhr

Weg von der Straße, hin zum Schulabschluss

Klaus-Peter Schulze (CDU, re.) interessiert sich für das Projekt und übt unter Anleitung von Martin Jainz das Sprayen.
Klaus-Peter Schulze (CDU, re.) interessiert sich für das Projekt und übt unter Anleitung von Martin Jainz das Sprayen. FOTO: hil
In einer deutschlandweiten Ausschreibung hatte sich Cottbus mit 185 Gemeinden für die Finanzierungsförderung "Jugend stärken im Quartier" beworben und konnte sich gegen viele andere Kommunen durchsetzen. Das Projekt möchte vorwiegend Jugendliche ohne Schulabschluss in Schule, Ausbildung oder Beruf bringen. Neu dabei: Alle Maßnahmen werden vom Jugendamt koordiniert. Andrea Hilscher

Cottbus. Dass Jugendsozialarbeit tatsächlich funktionieren kann, zeigen Beispiele wie das von Immanuel Schoene. Der Cottbuser war nach der 9. Klasse von der Schule gegangen, hatte keine rechte Vorstellung von der Zukunft. Durch einen glücklichen Zufall wurde er auf ein Projekt der Stiftung SPI aufmerksam und ließ sich dort beraten.

Seine Stärken und Schwächen wurden analysiert, seine Ziele definiert, er bekam ein Bewerbungstraining. Er schaffte seinen Abschluss der 10. Klasse und entschloss sich dann, auch das Abitur anzugehen.

"Ich konnte mich immer an meine Betreuerin bei der Stiftung wenden und habe mit ihr mein Lernen so strukturiert, dass ich jetzt tatsächlich in die Abiturprüfungen gehen kann." Mit der letzten Förderperiode des Europäischen Sozialfonds EFS lief das Förderprojekt aus, jetzt konnten neue Anträge gestellt werden - allerdings mit Auflagen. Ab sofort sind die Jugendämter verantwortlich für die Projekte, außerdem gibt es strenge Erfolgsvorgaben: 50 Prozent der erreichten Jugendlichen müssen in Ausbildung oder Beruf gebracht werden.

Alexander Krieger, Teamleiter im Cottbuser Jugendamt: "Immerhin geht es bei dem EFS-Projekt um 160 000 Euro pro Förderjahr bis Ende 2018, da ist es verständlich, dass es Zielvorgaben gibt."

Das Programm "Jugend stärken im Quartier" richtet sich an Jugendliche ohne Schulabschluss unter 25 in den Stadtteilen Sachsendorf, Schmellwitz und Sandow.

"Wir haben junge Menschen, manchmal auch mit Migrationshintergrund, die über die Jobcenter nicht mehr erreicht werden", so Alexander Krüger. Mit dem neuen Projekt sollen diese Jugendlichen auf verschiedenen Wegen angesprochen und begleitet werden: Erfahrene Streetworker suchen den Kontakt und bauen Hemmschwellen ab, im sogenannten Case Management werden je nach Einzelfall die spezifischen Probleme des Jugendlichen angegangen, dazu kommen einzelne Mikroprojekte wie etwa die Organisation von Stadtteilfesten oder die Gestaltung von Graffitiwänden, in denen Jugendliche strukturiertes Arbeiten, Planung und Teamarbeit proben können.

Jenny Behnke, Standortleiterin der Stiftung SPI: "Bei vielen Jugendlichen gibt es neben der Schulproblematik noch ganz andere Baustellen. Schulden, Suchtgefahren, Beziehungsängste von Scheidungskindern. Hier vermitteln wir an kompetente Ansprechpartner in der Stadt." Sind die Probleme abgebaut, haben die jungen Leute den Kopf frei, ihre Ausbildung neu in Angriff zu nehmen. Auch das Humanistische Bildungswerk ist in das Projekt eingebunden, hier werden etwa Graffitikurse angeboten, um einen unkomplizierten Zugang zur Lebenswelt der Jugendlichen zu bekommen.

Stefan Zaborowski von der Stiftung SPI: "Je früher wir mit den Jugendlichen beginnen, umso größer sind die Erfolgsaussichten." Daher legt auch das Jugendamt wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern der Stadt.

"Wie gut das Projekt letztlich angenommen wird und wo wir eventuell nachsteuern müssen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen", sagt Alexander Krieger. Eines ist für ihn allerdings sicher: "Jeder Jugendliche, den wir dazu bringen, dass er seinen Abschluss und eine Lehre macht, ist ein Erfolg."