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| 19:13 Uhr

Staffelstabwechsel im SOS-Kinderdorf Lausitz
Ein Leben für starke Kinder und Familien

 Claudia Trojan, langjährige Leiterin des SOS-Kinderdorfes Lausitz, geht in den Ruhestand. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ihr Leben. Seit 1976 ist sie in Cottbus dafür aktiv.
Claudia Trojan, langjährige Leiterin des SOS-Kinderdorfes Lausitz, geht in den Ruhestand. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ihr Leben. Seit 1976 ist sie in Cottbus dafür aktiv. FOTO: LR / LR Beate Möschl
Cottbus . Claudia Trojan ist die Pionierin des SOS-Kinderdorfes Lausitz. Sie hat es aufgebaut und 23 Jahre geleitet; mit einem bemerkenswerten Team und Netzwerk. Jetzt übergibt sie den Staffelstab. Mit einem guten Gefühl. Von Beate Möschl

Ende des Monats geht die Leiterin des SOS-Kinderdorfes Lausitz planmäßig in den Ruhestand. Das Vierteljahrhundert zu vollenden, wäre der agilen 65-Jährigen sicherlich nicht schwer gefallen. Aber es ist nicht der Sinn ihres Lebens, zahlenmäßige Rekorde anzustreben, wie schnell deutlich wird, wenn Claudia Trojan über den Verein, seine Mitstreiter, Partner und neue Vorhaben spricht. Und doch können die inzwischen mehr als 80 Mitarbeiter und Auszubildenden des SOS-Kinderdorfes Lausitz alljährlich Steigerungen vorweisen. Denn die Einrichtungen und Angebote des renommierten Vereins und Jugendhilfeträgers werden von Tausenden Kindern und Familien in Cottbus und Spree-Neiße regelmäßig genutzt. Mit wachsendem Interesse, über alle Generationen und Nationen hinweg.

Transparenz in allen Bereichen

Der jährliche Tätigkeitsbericht gibt darüber Auskunft. Jedes Team macht für seinen Bereich transparent, wie es gelungen ist, Etabliertes am Laufen zu halten und mit neuen Ideen zu bereichern, die von sich reden machen. So kommt es, dass auch das Team aus festen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern des SOS-Kinderdorfes Lausitz stetig mit neuen Aufgaben wächst. Dazu gehört die Schulsozialarbeit an den Gymnasien Forst und Cottbus des Landkreises Spree-Neiße seit Beginn des Schuljahres 2019/20. „Im Februar haben wir den Familientreff in Peitz vom Paul-Gerhard-Werk übernommen, einschließlich der Mitarbeiter. 2020 werden wir auch die Erziehungsberatung in Forst übernehmen“, blickt Claudia Trojan voraus. Auch eine weitere Kita wird das SOS-Kinderdorf Lausitz betreiben. Ab 2021 in Cottbus –Sandow, nach dem Beispiel der Kita „Essohlinos“ in Klein Döbbern. Die hat der Kinderdorfverein auf Nachfrage der Gemeinde Neuhausen/Spree im Jahr 2009 eingerichtet und sowohl aus Sicht der Eltern und Kinder als auch der Gemeindeverwaltung einen Volltreffer gelandet.

Eine Arbeit, die unentbehrlich ist

„Meine Devise war immer, wir müssen eine so gute Arbeit leisten, dass sie auch bemerkt wird, vorzeigbar ist und unentbehrlich wird, wenn möglich“, erzählt Claudia Trojan und sagt: „Das schafft ein Leiter nicht allein. Das braucht eine Mannschaft, die mitzieht. Wenn man solche Leute hat, und ihnen Entfaltungsmöglichkeiten bietet, dann lässt sich viel bewegen.“ Das hat geklappt. „Wir haben uns nie nach etwas gedrängelt, sondern immer die Nachfrage gehabt. Dadurch hatten wir auch immer die Möglichkeit zu fragen, was die Stadt oder Gemeinde ihrerseits verlässlich als Beitrag dazu leisten kann.“ Das mache es leichter, eine Mischfinanzierung zu organisieren und Angebote auf die Beine zu stellen, die etwas bewirken.

Lösungen finden sich am besten im Team

Hierbei die nötige Balance zu halten, war ihr wichtig. Nicht durch das Ablehnen von Aufträgen, sondern durch das Prüfen, welche Möglichkeiten Förderprogramme bieten, und durch den Austausch mit anderen Einrichtungen, die sich um Kinder- und Jugendarbeit kümmern. „Das ist eine echte Gemeinschaftsausgabe und wird immer im Team erörtert, weil es am Ende ja auch die Mitarbeiter sind, die die Projekte umsetzen. Das gelingt viel besser, wenn sie sich von vornherein einbringen. Da kommen viele kluge Gedanken und gute Taten zusammen.“ Da gebe sie nichts vor. „Aber ich bin für sie da, wenn sie mich brauchen“, sagt Claudia Trojan.

Fast eine Millionen Euro stellt der SOS-Kinderdorf-Verein alljährlich für die Arbeit in Cottbus und Spree-Neiße bereit. „Alle unsere Häuser hier in Cottbus sind voll auf Trägerkosten gebaut und eingerichtet. Die Kita in der Gemeinde Neuhausen haben wir aus eigenen Mitteln ausgestattet. Auch für die Kita in Cottbus übernehmen wir die Ausstattung. Gefördert werden wir im Gegenzug wie jede andere Kita. Wenn ich aber familienfreundliche Öffnungszeiten anbieten möchte und deswegen mehr Erzieher brauche, als das Land gemäß Personalschlüssel bezahlt, dann muss ich sehen, wie ich das finanzieren kann.“

Hervorragende Nachfolgerin und starkes Team

Diese umtriebige Suche nach Lösungen, flexibel zu sein und manchmal auch unbequem für Verwaltungen, machen Claudia Trojan aus, und es hat im Team des SOS-Kinderdorfs Lausitz längst Schule gemacht hat. Das lässt die 65-Jährige zufrieden und mit einem guten Gefühl in die Altersrente gehen. Mit Anke Neumann, habe sie „eine hervorragende Nachfolgerin“ gefunden.

Der Übergang in den Ruhestand werde ihr nicht schwer fallen. „Das kommt ja nicht überraschend für mich“, sagt Claudia Trojan. Sie werde ihre Freizeit mit dem Enkelkind und ausgedehnten Reisen genießen und Zeit mit ihrer Mutter verbringen, die über 90 ist und in Berlin lebt, dort wo Claudia Trojan aufgewachsen ist. Sie selbst zieht es nicht zurück in die Hauptstadt. „Cottbus ist mein Lebensmittelpunkt seit 1976. Hier habe ich eine schöne Wohnung und viele Menschen, die ich schätze und liebe. Ihnen und der SOS-Kinderdorf-Familie bleibe ich verbunden.“