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Wasserrettung vor neuen Aufgaben

Robert Büschel freut sich über neue Halle für das DLRG-Einsatzboot.
Robert Büschel freut sich über neue Halle für das DLRG-Einsatzboot. FOTO: hil
Cottbus. Noch rieselt ein wenig Putz von der Decke, doch für Robert Büschel von der DLRG Cottbus ist die Halle an der Ewald-Haase-Straße fast so etwas wie ein kleines Paradies. "Seit unsere Rettungsstation an der Spremberger Talsperre vor ein paar Jahren aufgelöst wurde, hatten wir keinen vernünftigen Standort mehr für unsere Einsatzfahrzeuge", erzählt der leidenschaftliche Rettungsschwimmer. Andrea Hilscher

In der Sandower Sanzebergstraße gab es zwar eine Unterstellmöglichkeit für zwei Motorrettungsboote und ein Einsatzfahrzeug, aber Platznot und Falschparker vor den Garagentoren machten den Wasserrettern das Leben schwer. Robert Büschel: "Es ist ein Glücksfall, dass die Stadt uns die leer stehenden Hallen des früheren Rettungsdienstes vermietet hat. Hier können wir unser Fahrzeuge wunderbar instand halten."

Sebastian Münch (zweiter Vorsitzender der DLRG SV Cottbus): "Einerseits können wir hier unser Material konzentriert aufbewahren. Andererseits rücken wir mit dem Standort an der Feuerwache auch ein großes Stück weiter an die Hilfsorganisationen unserer Stadt heran." Die DLRG-Boote - eines von ihnen über sechs Meter lang und mit einem 60-PS-Motor ausgestattet - sind auch nach der Schließung der Talsperrenstation unverzichtbar für den Verein. Im vergangenen Jahr leisteten die Ehrenamtler rund 4000 Stunden Dienst. Robert Büschel: "Wir sichern zum Beispiel die Wasserfestspiele an der Talsperre ab, ebenso das Feel-Festival und das Artlake-Festival am Bergheider See."

All das sind allerdings Kleinigkeiten im Vergleich zu den Aufgaben, die in den kommenden Jahren auf den DLRG zukommen: Sobald sich der Ostsee füllt, müssen die Wasserretter den mit 1900 Hektar größten See der Lausitz schützen - eine immense Herausforderung.

Robert Büschel: "Wir haben Vorschläge erarbeitet, welche Aufgaben wir realistischerweise erfüllen könnten und wo hauptberufliche Kräfte aktiv werden müssten." Die Cottbuser DLRG hat rund 220 Mitglieder, rund 40 von ihnen sind aktive Erwachsene. Mit ihnen, so Büschel, könnte die wasserseitige Sicherung des Sees abgedeckt werden - Hilfe bei Havarien von Segelbooten oder gekenterten Kitesurfer etwa. Büschel: "Wir könnten mit den freiwilligen Feuerwehren zusammenarbeiten, so über eine Notrufkette Teams von Bootsführern zusammenstellen und aktivieren."

Dienst an den Badestränden des künftigen Ostsees schließt der Retter allerdings aus. "Das könnten wir zeitlich als Ehrenamtler gar nicht leisten. Hier müssen die Gemeinden hauptamtliche Rettungsschwimmer oder Bademeister einsetzen."

Das würde zwar Kosten nach sich ziehen. "Aber wenn der Ostsee mit Sicherheit punkten kann, kommt das sicher bei vielen Besuchern sehr gut an."

Völlig offen ist, wo die Cottbuser DLRG am See ihren Standort haben wird. "Unsere Träume von einer modernen Wasserrettungsstation mit Drohneneinsatz, Übernachtungsmöglichkeiten und eventuell sogar einer Jugendherberge haben wir uns schon abgeschminkt." Einen Palast brauche die DLRG nicht. "Aber einen Raum am See, möglichst mit Slipanlage und Steganbindung, das wäre schon gut."

In den kommenden Monaten soll eine Entscheidung über den künftigen Standort fallen. "Und dann müssen wir kräftig in die Werbung gehen, um möglichst viele neue junge Ehrenamtler zu motivieren", hofft Robert Büschel. Denn sobald die ersten Kubikmeter Wasser in den See fließen, wird es auch Menschen geben, die ihn ausprobieren. "Und dann müssen wir vor Ort sein."