Von Silke Halpick

Der trockene Sommer hat seine Spuren hinterlassen: Der Grundwasserpegel in der Stadt Cottbus liegt rund 60 Zentimeter unter dem sonst üblichen Septemberwert. „Dieses Wasserdefizit ist mit einem oder zwei herkömmlichen Regentagen nicht auszugleichen“, sagt Pressesprecher Jan Gloßmann. Gehofft wird auf einen regnerischen Herbst.

An die oft heraufbeschworene „Versteppung“ der Lausitz glaubt Stephan Böttcher trotzdem nicht. Der Umweltdezernent betont: „Wir hatten immer wieder Jahre extremer Trockenheit.“ 2006 war so eins. Auch 2010 war zumindest bis Ende Juli trocken. Damals gab es wie aktuell eine Allgemeinverfügung, mit der die Entnahme von Wasser aus der Spree und anderen Fließgewässern verboten wurde. Dann kippte die Situation, vermutlich durch den Vulkanausbruch auf Island.  Letztlich wurde 2010 ein Hochwasserjahr.

„Einen starken Rückgang der Grundwasserstände“ seit Mai 2018 verzeichnet das Landesumweltamt, das ein Grundwassermessnetz betreibt. Damit werden täglich elektronisch Daten erhoben und wöchentlich Pegel abgelesen. An der für den Raum Cottbus aussagekräftigen Messstation in Gulben liegt das Grundwasser bei 2,95 Metern über dem Meeresspiegel. Das sind 56 Zentimeter unter dem gängigen Durchschnittswert für September.

„Seit August 2018 liegen die Grundwasserstände landesweit im unteren Niedrigwasserbereich“, betont Thomas Frey, Pressesprecher des Umweltamtes. Besonders betroffen seien die Hochflächen mit Defiziten zwischen 40 und 70 Zentimetern, bei den Urstromtälern liegt die Abweichung bei 55 Zentimetern, in den Übergangsbereichen sind es hingegen nur 27 Zentimeter im Vergleich zur Norm.

Wie schnell sich die Grundwasserstände wieder erholen, hängt vor allem von den Niederschlägen und der Verdunstung ab, wie Frey erklärt. Im Oktober sind erfahrungsgemäß die niedrigsten Pegel erreicht. Im Winterhalbjahr bildet sich neues Grundwasser, die Vorräte werden wieder aufgefüllt. Dann verdunstet weniger Wasser, auch die Vegetation macht eine Pause.

Um den Wasserhaushalt stabil zu halten, wird die Spree aktuell durch zusätzliches Wasser aus den sächsischen Talsperren, den Tagebaurestseen der LMBV sowie aus der Talsperre Spremberg gespeist, informiert das Landesumweltamt. Seit 2002 werden vonseiten der Landesregierung auch Maßnahmen gefördert, mit denen der Landeswasserhaushalt verbessert wird. Dazu zählen die Rekonstruktion von Durchlässen oder die Neuprofilierung von Fließgewässern.

„2018 ist ein Warnsignal, dass der Klimawandel in vollem Gange ist, und dass wir in vielen Bereichen die Risiken bislang unterschätzen“, sagt hingegen Peter Hoffmann, Meteorologe beim Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam. Er befürchtet, dass sich Sommer wie dieser zukünftig häufen. Das Sommerhalbjahr  von April bis September war das bislang wärmste, heißeste, sonnigste und auch trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in der Region.

Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage hat nach Analyse von 100 Millionen meteorologischen Datenpunkten in 500 europäischen Städten einen Temperaturanstieg nachgewiesen, auch in Cottbus. 1,1 Grad Celsius wärmer war es zwischen 2000 und 2017 im Vergleich zum 20. Jahrhundert, die Zahl der heißen Tage (24-Stunden-Schnitt über 24 Grad) stieg um 5,2 Tage pro Jahr, die Zahl der Frosttage (24-Stunden-Schnitt unter minus ein Grad) ging um 9,9 Tage zurück.