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| 06:49 Uhr

Cottbus, Berlin, Münster
Was wir nach dem Terrorwochenende wissen – und was nicht

Münster: Eine Polizeiabsperrung ist am Sonntag vor dem Haus mit der Wohnung des Amokfahrers gespannt.
Münster: Eine Polizeiabsperrung ist am Sonntag vor dem Haus mit der Wohnung des Amokfahrers gespannt. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Cottbus/Berlin. Cottbus, Berlin, Münster – das Wochenende hat einige schreckliche Ereignisse mit sich gebracht. Ein Nachrichtenüberblick mit dem neuesten Stand der Ereignisse: Von Bodo Baumert

Cottbus: Mit einem Geländewagen ist am Freitagabend ein Cottbuser (25) in eine Gruppe von rund zehn Personen gefahren. Das bestätigte die Polizei am Samstag. Der Vorfall ereignete sich gegen 22 Uhr am Rand eines Supermarkt-Parkplatzes in Cottbus-Sandow. Der Fahrer soll zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert gewesen sein. Am Samstagabend stellte er sich der Polizei, weigerte sich aber offenbar eine Aussage zu machen. Er durfte die Wache zunächst wieder verlassen. Die Ermittlungen laufen.

Zwei Personen wurden bei dem Angriff verletzt. Ein 31-jähriger Mann wurde nach LR-Informationen schwer verletzt ins Carl-Thiem-Klinikum gebracht. Ein 21-Jähriger Mann verweigerte laut Polizei die Behandlung durch einen Arzt wegen einer Beinverletzung. Beide Opfer stammen demnach aus Cottbus.

Der 25-jährige Tatverdächtige ist laut den Ermittlern polizeibekannt – wegen Diebstahls und Drogen. Außerdem fiel der Mann bereits durch rechtsextreme Äußerungen auf. Zuletzt am vergangenen Freitagnachmittag, wenige Stunden vor der Auto-Attacke: Da riefen Zeugen die Polizei in den Puschkinpark in Cottbus. Der 25-Jährige habe dort rechtsgerichtete Parolen skandiert, sagte der Polizeisprecher.

Berlin: Nach der Festnahme von sechs mutmaßlichen Islamisten in Berlin prüfen die Sicherheitsbehörden Hinweise auf mögliche Anschlagspläne.Die „Welt“ hatte unter Berufung auf Sicherheitskreise gemeldet, der Hauptverdächtige in Berlin habe mit einer Messerattacke den Tod seines Vertrauten Anis Amri rächen wollen. Konkrete Anhaltspunkte, dass der Berliner Halbmarathon am Sonntag Ziel eines Terroranschlags gewesen sein könnte, hatte die Polizei nach eigenen Angaben aber zunächst nicht. Die beschlagnahmten Beweismittel – darunter Handys und Computer – sollen nun weiter ausgewertet werden. Im Laufe des Tages soll über den Erlass von Haftbefehlen entschieden werden.

Nach „Tagesspiegel“-Informationen war der Hauptverdächtige bereits zwei Wochen dauerobserviert worden. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen, zitierte das Blatt aus Sicherheitskreisen. Zuletzt habe es offenbar einen Hinweis von einem ausländischen Geheimdienst gegeben, wonach der Mann einen Anschlag auf den Halbmarathon plane. Deshalb hätten die Sicherheitskräfte am Sonntag eingegriffen.

Münster: Ein Mann fährt in Münster in eine Menschengruppe und erschießt sich selbst. Diese unfassbare tat hat sich am Samstagnachmittag in Münster ereignet. Nach der Amokfahrt mit insgesamt drei Toten wollen die Ermittler eine Art Bewegungsprofil des 48-jährigen Todesfahrers erstellen. „Wir konzentrieren uns jetzt mit unseren Untersuchungen insbesondere darauf, ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen zu erhalten“, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. So wollten die Ermittler dessen Motivation für die blutige Tat verstehen.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass der gebürtige Sauerländer wegen psychischer Probleme Kontakt zum Gesundheitsamt in Münster hatte und suizidale Gedanken formuliert hatte. Bei dem blutigen Zwischenfall vor einem Lokal in der belebten Innenstadt wurden am Samstag rund 20 Menschen verletzt. Drei von ihnen schwebten am späten Sonntagabend noch in Lebensgefahr.

Nach Angaben der Polizei gibt es weiterhin keine Hinweise auf ein politisches Motiv für die Amokfahrt oder auf weitere Täter. Der Täter, ein Industriedesigner, sei bereits mit Suizid-Gedanken aufgefallen. Nach Medienangaben hatte der Mann in der Mail und auch in einem langen Schreiben, das in seiner weiteren Wohnung im sächsischen Pirna gefunden wurde, über Schuldkomplexe, Zusammenbrüche und Ärztepfusch geklagt.

Berlin/Brandenburg: Die Bundesanwaltschaft hat wegen des Verdachts auf Bildung einer neuen rechten Terrorgruppe in drei Bundesländern Razzien in der „Reichsbürgerszene“ vorgenommen. Niemand sei bisher festgenommen worden, teilte die Behörde am Sonntag in Karlsruhe mit. Die Ermittler vermuten, dass die beschuldigten sieben Männer und eine Frau für ihre Ziele auch töten würden. Unter anderem seien die Wohnungen der acht Beschuldigten sowie weiterer nicht tatverdächtiger Menschen in Berlin, Brandenburg und Thüringen durchsucht worden.

(mit dpa)