Über die besonders eindrucksvolle Begegnung mit Susanne Schmidt, Tierärztin aus Leidenschaft und Leiterin der Auffangstation für verletzte Wildtiere in Cottbus-Skadow, schrieb uns Nadine Feindura .
Der Durchschnittsmensch bezeichnet sich ganz gern als Tierfreund und wenn dann gar ein Bild von einem Rehkitz auftaucht, sind die „Ah“ - und „Oh“ -Seufzer kaum noch zu unterdrücken. Man ist entzückt von allem möglichen wilden Getier, solange man es von weitem bestaunen kann.
Doch was passiert, wenn Bambi plötzlich unterm eigenen Auto liegt„ Oder sich an einem kaputten Zaun verletzt“ Wohin wendet man sich, wenn einem ein wild gewordenes Eichhörnchen, ein humpelnder Storch oder eine entlaufene Ente den Weg versperrt?

Wenige Hilfsangebote
Nur an sehr wenigen Stellen wird auch tatsächlich jedem Tier eine Bleibe geboten. Einer dieser Orte befindet sich in Cottbus-Skadow unter Obhut von Tierärztin Susanne Schmidt. Auf ihrer Wildauffangstation kümmert sie sich seit 1988 hauptsächlich um verletzte Wildtiere, päppelt sie auf, wildert sie anschließend wieder aus oder bietet ihnen ein Heim auf Dauer, wenn sie zu zahm geworden oder dauerhaft behindert sind.
Die Tiere werden ihr von Privatpersonen, Tierheimen, der Naturschutzbehörde oder Feuerwehrleuten gebracht, die sonst keine weitere Anlaufstelle wüssten. Allein im Jahr 2004 nahm sie etwa 50 Tiere bei sich auf, und es werden immer mehr. Zurzeit kann man bei Susanne Schmidt drei Rehe, vier Mäusebussarde, drei Krähen, drei Eichelhäher, ein Eichhörnchen und eine Elster sowie je einen Schwarzmilan, Sperber, Turmfalken, Storch, Fuchs und Waschbär finden. Im Herbst sind es hauptsächlich Igel und Störche, die aufgelesen und zu ihr gebracht werden.

Genaue Buchführung
Und kein Tier ist je vergessen. Seit 1988 führt die Tierärztin über jedes Tier Buch und weiß so genau, wie ein Tier aussah, wie lange es bei ihr war und welche Verletzungen es hatte. Insgesamt ist ihr eine erfolgreiche Heilung und Auswilderung bei über 60 Prozent der Fälle anzurechnen. Bei Unfalltieren, sagt sie, entscheiden die 24 Stunden nach der ersten Verarztung, in denen man kaum etwas anderes tun kann als abzuwarten. Bei Jungtieren dagegen sei es einfacher mit der Hilfe. Da überleben etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten.
Eines dieser Flaschenkinder ist zum Beispiel der nun zweijährige Rehbock Bambi, der äußerst stürmisch vor unserer Nase über den Hof schoss. Sämtliche Kosten, die durch Futter, Gebäude und Käfige sowie tierärztliche Versorgung entstehen, trägt Susanne Schmidt allein. Sie ist dankbar für jede Spende, sei sie in Form von Geld oder Futter. Manche Menschen runden zum Beispiel die Rechnung für ihr eigenes Tier auf, andere geben schon mal einen Schein extra. Auch eine Patenschaft für einzelne Tiere könnte übernommen werden. Und wenn man ein leicht verletztes Tier bei sich zu Hause versorgen kann und möchte, hilft die Tierärztin gern mit wertvollen Tipps. Telefonisch erreicht man sie unter 0355 821513.