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Was spritzt der Landwirt denn da?

Die Kolkwitzer Naturschützer wollen künftig genauer hinschauen, wenn Landwirte ihre Felder spritzen.
Die Kolkwitzer Naturschützer wollen künftig genauer hinschauen, wenn Landwirte ihre Felder spritzen. FOTO: dpa
Kolkwitz. Der Kolkwitzer Naturschutzverein will künftig genauer hinschauen, wenn Landwirte ihre Felder spritzen. Ein Netzwerk soll Bürgern in der Großgemeinde helfen, wenn sie den Verdacht haben, dass glyphosathaltige Unkrautvernichter unnötig oder zu nah am Grundstück zum Einsatz kommen. Annett Igel-Allzeit

Sylvia Knopke, die mit den Kolkwitzern Rechtsfragen im "Grünen Bereich" erörtert, kommt vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF): Sie leitet in Frankfurt/Oder den Pflanzenschutzdienst und gesteht: "Wir können nicht gleichzeitig überall sein." Aber sie versteht die Sorgen und Ängste der Bürger. Der Hobby-Imker, in dessen Honig aus einer Kornblumentracht aus dem Jahr 2015 das Hundertfache der erlaubten Rückstandsmenge an Glyphosat nachgewiesen wurde, hatte seinen Bienen den Nektar um Klein Döbbern sammeln lassen.

Der Pflanzenschutzdienst kontrolliert die Einhaltung des Pflanzenschutzgesetzes, der Verordnungen und EU-Entscheidungen. Er schaut nach Schädlingen, überwacht den Handel mit Pflanzen, berät und schult die Landwirte zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Als der glyphosatbelastete Honig für Schlagzeilen sorgte, riet auch der brandenburgische Pflanzenschutzdienst den Landwirten, bei blühenden Pflanzenbeständen auf den Einsatz glyphosathaltiger Herbizide zu verzichten. Die Kornblumenblüten in den behandelten Beständen können aufgrund der langsamen Wirkung von Glyphosat noch mehrere Tage für Bienen attraktiv sein. Uwe Tzscheppan, Imker aus Guben, der nach Kolkwitz gekommen war, nickte. "Die Bienen riechen und schmecken das Glyphosat nicht", weiß er. In Hessen wird mit Glyphosat behandeltes Getreide nicht mehr für Saatgut und Braugetreide zugelassen, in Bayern darf dieses Stroh nicht mehr an Tiere verfüttert werden. Glyphosat ist seit Jahren umstritten. Dass er der Artenvielfalt schadet, ist erwiesen, ob er krebserregend ist, darüber streiten sich die Forscher.

Doch auch in Brandenburg gelten die beschränkten Anwendungsbestimmungen nicht erst seit der hochbelasteten Honigprobe, sagt Sylvia Knopke. Zur Abreifebeschleunigung und späten Unkrautbekämpfung sei die Anwendung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel nur auf Teilflächen möglich. Und ein starker Unkrautdurchwuchs allein rechtfertige keine Behandlung des Feldes - nur wenn eine Ernte ohne den Einsatz des Herbizids nicht möglich ist. Und ab einer Windstärke von fünf Metern pro Sekunde darf gar nicht mehr gespritzt werden.

Ein "Anwalt" der Bauern meldet sich in Kolkwitz nicht. Verständnis haben Bürger trotzdem: Mit einigen Landwirten könnten sie durchaus reden, erzählen sie. Problematisch sei, dass immer mehr Landwirte die Unkrautbekämpfung Dienstleistern überlassen. Sie arbeiten nicht nur unter Zeitdruck, sondern haben oft keine Bindung zum Dorf.

Der brandenburgische Pflanzenschutzdienst hat eine Außenstelle in Cottbus. Doch deren fünf Mitarbeiter haben sich neben Cottbus um die Kreise Spree-Neiße, Elbe-Elster, Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz zu kümmern. "Es ist schwer, jemanden in Cottbus ans Telefon zu bekommen", weiß Werner Richter, der Vorsitzende des Kolkwitzer Naturschutzvereins. Aber er bietet an, dass die Bürger im Naturschutzverein anrufen. "Wir sind zwar ehrenamtlich unterwegs, versuchen aber vorbeizukommen, machen Fotos." Proben nimmt, wenn ein möglicher Verstoß angezeigt ist, der Pflanzenschutzdienst selbst. Und findet er einen Grund zur Beanstandung, können Bußgelder verhängt oder Fördermittel gestrichen werden. Auch Einzelfälle, in denen Landwirte Fördermittel mehrerer Jahre zurückzahlen mussten, gab es laut Sylvia Knopke.

Zum Thema:
Glyphosat steckt in verschiedenen Unkrautvernichtern. Die EU-Kommission hat einen weiteren Einsatz Ende Juni für weitere 18 Monate beschlossen. Eine Chemieagentur soll nun herausfinden, ob es krebserregend ist. Der Pflanzenschutzdienst ist per E-Mail unter Poststelle.Pflanzenschutzdienst@LELF.Brandenburg.de erreichbar. Die Cottbuser Außenstelle hat die Telefonnummer 0355 49917163. Der Naturschutzverein der Großgemeinde Kolkwitz kann unter Telefon 0355 5298653 kontaktiert und auch per E-Mail unter info@nabu-kolkwitz.de informiert werden.