ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:34 Uhr

Jobmesse in der BTU Cottbus
Gehalt, Sicherheit oder kurze Wege

Messezelte auf dem Unigelände: Bei Campus-X-Change kommen Studenten und Unternehmen zusammen.
Messezelte auf dem Unigelände: Bei Campus-X-Change kommen Studenten und Unternehmen zusammen. FOTO: Bettina Köhl
Cottbus. Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum sich Absolventen der BTU Cottbus für einen Arbeitgeber entscheiden. 85 Aussteller bei „campus-X-change“. Bettina Köhl

Christian und Stefanie Zenker können sich gut vorstellen, nach ihrem Masterabschluss als Verfahrenstechniker in der Region zu bleiben. Beide haben ihre Ausbildung als Chemikanten bei BASF gemacht, und der Stand des Chemieunternehmens war auch das erste Ziel, das sie bei der Fachkräftemesse „campus-X-change“ ansteuerten. 85 Unternehmen präsentierten sich am Mittwoch im Messezelt auf dem Zentralcampus der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. „Das Aufgabenfeld sollte interessant und abwechslungsreich sein“, wünscht sich Christian Zenker für seinen künftigen Arbeitsplatz. Der BASF-Standort Schwarzheide ist beiden Zenkers vertraut, die Nähe zur Familie ist ihnen wichtig.

Laut BTU-Präsident Jörg Steinbach können sich die meisten Absolventen aussuchen, wo sie arbeiten möchten. „Sie werden uns aus der Hand gerissen, wir könnten doppelt so viele ausbilden“, sagte er bei der Eröffnung von „campus-X-change“. Steinbach schätzt diese „Multiplikatoren in die Wirtschaft“, vermisst sie aber gleichzeitig als Doktoranden. Die Aussteller suchten bei der Messe nicht nur Berufseinsteiger, sondern auch Praktikanten und Werkstudenten, und boten Abschlussarbeiten in allen Fachrichtungen an. So können sich die Interessenten schon während des Studiums im Unternehmen umschauen.

Hendrik Fischer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg, weiß aus Erfahrung: „Es ist wichtig, dass man bei der ersten Stelle, wo man landet, auch an der richtigen Stelle landet.“ Der passende Job zum Einstieg - für Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger sollte der möglichst in der Lausitz sein. Es sei wichtig, dass Fachkräfte nach der Ausbildung im ländlichen Raum bleiben, sagte er.

Das hat Lucas Bielefeldt vor. Er schreibt gerade seine Diplomarbeit als Abschluss des Dualen Studiums in Cottbus und arbeitet bei Emis Electrics in Lübbenau. Er berät bei der Messe andere Interressierte. „Wir hatten zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter hier, die sich für Eletrotechnik einschreiben möchte und für die die relativ kurze Wege wichtig sind“, berichtete Bielefeldt. Das Duale Studium kann er weiterempfehlen: „Man lernt gleich, die Theorie in die Praxis umzusetzen.“

BWL-Student Patrick Döring sucht auf der Messe eine Praktikumsstelle. Für einen späteren Arbeitsplatz könnte er sich auch vorstellen, die Region zu verlassen. Für ihn zählen vor allem „vernünftige und flexible Arbeitsbedingungen, ein angemessenes Gehalt und Angebote für die Mitarbeiter“.

Christiane Bechler, als Studiengangsbearbeiterin an der BTU zuständig für die Betriebswirtschaftler, stellt fest, dass die Absolventen es oft zuerst bei namhaften Untenehmen versuchen. Sie rät jedoch dazu, sich regional auch bei kleineren Firmen und Start-ups zu bewerben. „Man kann dort viel dazulernen, kommt in ein junges Team und kann vieles mit entwickeln“, sagte Bechler. Bei den Absolventen, die sich in großen Unternehmen bewerben, spiele oft Sicherheit, etwa bei der Altersvorsorge, eine Rolle.

Olga Sagradov war am Mittwoch auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. Die Auswahl bei der Berufsmesse fand sie sehr interessant. Sie würde in Cottbus bleiben, aber auch nach Berlin oder Dresden gehen. „Bei meinem späteren Arbeitgeber wäre mir wichtig, dass es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt“, berichtete die BWL-Studentin.

Für die angehende Architektin Paulina Grzdina, die gerade an ihrer Masterarbeit schreibt, ist schon klar, wo es beruflich hingegen soll: „Ich möchte in Bielefeld arbeiten.“ Beim Stand des Bauunternehmens Goldbeck wollte sie deshalb auf jeden Fall vorbeischauen. Sie hat auch schon erste Bewerbungen Richtung Ostwestfalen geschickt. Der Grund: „Mein Freund hat dort schon einen Arbeitsplatz.“ Offenbar sind es manchmal die gleichen Gründe, die die Cottbuser Studenten in der Lausitz halten oder sie in die Ferne ziehen lassen.

reportertausch_100x100_BDZV
reportertausch_100x100_BDZV FOTO: BDZV