Von Marion Hirche

Das Projekt „Schule trifft Karpfen“ hat in Peitz im Rahmen der Peitzer Karpfenwochen Tradition. An der fünften Auflage haben kürzlich 52 Mädchen und Jungen der Klassen 7a und 7b der Oberschule „Peitzer Land“ teilgenommen. „Wir haben den in sechs Gruppen aufgeteilten Schülern in diesem Jahr neun Stationen für den Unterrichtstag angeboten – so viele wie noch nie“, sagt Dietrich Kunkel von der Peitzer Edelfischerei. Dabei haben die Fischexperten  wieder eng mit dem Tourismus­amt, dem Hotel „Zum goldenen Löwen“ und  erstmals mit der Leag und dem Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow zusammengearbeitet.

„Das ist Schule zum Anfassen“, lobte Biologielehrer Matthias Engel, der seine Schüler begleitete.  Die Zwölf- und 13-Jährigen schauten zum Auftakt den Fischern vom Teichgut Peitz bei der Arbeit über die Schulter. Die Männer in den Wat­hosen ernteten am Hüttenteich, holten aus der Fischgrube Karpfen & Co. heraus. Danach wollten die jungen Leute wissen, was mit den kleinen Fischen passiert, ob der Sortierprozess den Karpfen nicht weh tut, und was überhaupt für Fische im Teich zu finden sind.

Antworten gab es von Michael Kohde. Aus dem Spülbottich angelte er ganz unterschiedlich große Fische heraus und erklärte die Arten. Der frühere Fischzuchtexperte aus dem Kraftwerk Jänschwalde stellte die „Fischpolizei“ wie Hecht, Zander und Wels ebenso vor wie unterschiedliche Karpfenarten und Weißfische. Jeremy Zeptner aus Grötsch erkannte unter anderem den Barsch. „Ich bin Angler“, begründete er sein Wissen.

Nicht schlecht staunten die Mädchen und Jungen über die verheerenden Schäden durch Fischräuber im Teichgebiet. „In Deutschland leben etwa 160 000 Komorane. Jeder frisst jeden Tag 500 Gramm Fisch. Das heißt, dass da täglich 80 Tonnen Fisch aus den Gewässern verschwinden“, rechnete Kohde vor und zeigte dann aber noch weitere  Fischfresser wie Grau- und Silberreiher, Schwäne, Möwen.

Während an dieser Station den Schülern immer deutlicher wurde, wie umfangreich der Beruf des Teichwirts ist, freuten sie sich in der Fischerkate auf das Kochen mit „Zum Löwen“-Chef Andreas Roschke. Er zeigte, wie Karpfenfrites und  Karpfenfilets im Speckmantel zubereitet werden. Marie Gerwig aus Radewiese durfte die Karpfenstücken in Schinkenspeck einrollen, bevor sie gebraten wurden. „Das hat super Spaß gemacht, das werde ich zu Hause zeigen“, freute sie sich.

Auch Experimente standen auf dem Programm. „Hier überprüfen alle die Wasserqualität. Insgesamt fünf Werte werden gemessen. Und die Schüler erfahren, dass diese stimmen müssen. Wenn Wasser überdüngt ist, können die Fische die Stoffe nicht mehr über die Kiemen ausscheiden und gehen dann zugrunde“, erklärte Julia Kahl vom Tourismusamt. Dr. Michael Pietrock vom Institut für Binnenfischerei beleuchtete das Thema Karpfen von der wissenschaftlichen Seite, sprach mit den  Mädchen und Jungen über Nachhaltigkeit.

Auf dem Gelände am Hüttenteich ging es dann für alle Gruppen zum Kraftwerk  Jänschwalde, wo sich die Teilnehmer die Grubenwasserreinigungsanlge, die  Fischaufzuchtsbecken und das Informationszentrum anschauten. Hier erfuhten sie, dass hier auch Forellen und Aale gezüchtet werden und welche Ausbildungsmöglichkeiten es im Kraftwerk gibt.

„Wir wurden gefragt,  ob wir uns an dem Projekt beteiligen wollen. Wir haben sofort zugestimmt, denn wir wollen zeigen, dass die jungen Leute trotz des Strukturwandels hier bei uns in der Region eine Zukunft haben“, betonte Martina Weiß, Mitarbeiterin für Standortkommunikation im Kraftwerk Jänschwalde.

Am Ende des Tages stand  für  Paul Raack aus Neuendorf, Simon Reinoga aus Heinersbrück und Jamie Urbanczyk aus Cottbus fest: „Der Fischerberuf ist ganz schön vielseitig und interessant“. „Das Projekt ist schon immer gut, deshalb unterstützen wir es“, betonte Petra Zipser von der  Agentur für Arbeit.