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Was Malerei mit Quantenphysik zu tun hat

Anette Lehmann-Westphal in ihrer Ausstellung im IKMZ. Foto: Elsner
Anette Lehmann-Westphal in ihrer Ausstellung im IKMZ. Foto: Elsner FOTO: Elsner
Cottbus. „Wussten Sie schon, dass Malerei sehr viel mit Quantenphysik zu tun hat?“ Mit dieser Frage verblüfft die Cottbuser Malerin Anette Lehmann-Westphal beinahe jeden. In der Cottbuser Unibibliothek (IKMZ) zeigt sie derzeit einen Querschnitt ihres Schaffens. Von Ulrike Elsner

“Malerei ist für mich die schönste Art, die Welt zu betrachten„, sagt die Malerin, um sofort nachzuschieben, dass gleich darauf die Wissenschaft folge. Fasziniert sei sie vom Verhalten der Quantenteilchen. So könne etwa ein Elektron zur selben Zeit an mehreren Orten sein und mehrere Geschwindigkeiten haben.

Was das alles mit Malerei zu tun hat? Malerei sei für sie die Beschreibung eines Zustandes an zwei Orten: innen wie außen. “Was ich innen sehe und empfinde„, sagt die Malerin, “ist draußen und zugleich in mir. Wenn ich male, muss ich zeitgleich von innen nach außen transportieren, bin also auch immer irgendwie an zwei Orten gleichzeitig.„ Physik, Biologie und viele andere Wissenschaften untersuchten geheime unsichtbare Orte, nichts anderes tue der Maler.

52 Bilder werden in der Ausstellung gezeigt. Zu sehen sind Inselträume von Lanzarote und Split sowie abstrakte Stadtlandschaften und Ansichten von Cottbus und Umgebung. Was sie an Inseln fasziniere, sei “das Verwinkelte, die Mischung zwischen alter Kultur und heutigem Leben„, sagt Anette Lehmann-Westphal. Immer wieder tauchen Fenster auf als Symbol für den Wunsch, Einblicke zu gewinnen in fremdes Leben. Die Techniken reichen von Aquarell- über Acryl- und Ölmalerei zu Tuschebildern und Collagen.

“Ich brauche die Herausforderung des Neuen„, bekennt Anette Lehmann-Westphal, die stets Techniken für sich entdeckt. Auch ihre Arbeit als Trainerin in der Kunstfabrik fordere sie immer wieder neu. “Ich konnte ja nicht nur Fragen stellen„, sagt die Malerin, “sondern musste auch eigene Lösungen anbieten.„

“Schräger Vogel„ nennt Anette Lehmann-Westphal eine Collage, die aus einem alten Aquarell entstanden ist. Der Vogel, verrät sie, habe sich aus einem Farbklecks entwickelt. Geheimnisvoll mutet der Flötenspieler an, während die “Talkshow„ Gesellschaftskritik übt. Sie wende sich gegen “dieses Entblößen, dieses Nacktmachen von Menschen vor den Fernsehkameras„, sagt die Künstlerin.

Im Gegensatz dazu strahlen ihre in dunklen Farben gehaltenen Stadtlandschaften Erhabenheit aus. “Ich mag Dunkles„, sagt sie.

Ganz neu sind die Tuschebilder im runden Format. Der Betrachter erhält Einblicke in Straßenszenen. Einen Pinselstrich sucht er indes vergebens. “Das ist alles gespachtelt„, verrät Anette Lehmann-Westphal.

“Wir betrachten eine bereits durch unsere Erinnerungen interpretierte Welt„, sagt sie. Und diese Welt habe sich in den vergangenen hundert Jahren so rasant entwickelt wie nie zuvor. Anette Lehmann-Westphal: “Es ist ein Glück, in dieser Zeit zu leben, Zeuge des Mauerfalls, des Zusammenbruchs des Kommunismus gewesen zu sein und all die spannenden Entwicklungen in der Astronomie verfolgen zu können.„

Die Ausstellung im IKMZ läuft bis zum 4. September.