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| 02:33 Uhr

Was die Reformation und Luther für Cottbus bedeuten

FOTO: mih
Cottbus. Die Reformation fasste in der Niederlausitz früh Fuß. Das hat Superintendentin Ulrike Menzel kürzlich in einem Vortrag bei der Urania deutlich gemacht. Und ihre Folgen prägen unser Leben auch noch 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag. Die Evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai widmet dem Jubiläum neben einer Predigtreihe Bürgervorträge, Konzerte und Lesungen. Ulrike Elsner

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Das Thema "Reformation vor Ort - Luther und die Folgen für die Niederlausitz" hat zahlreiche Zuhörer in den Vortragssaal der Urania in der Cottbuser Jahnstraße gelockt. Die Referentin gewährt nicht nur einen Blick in die Geschichte, sondern macht vor allem die Auswirkungen der kirchlichen Erneuerungsbewegung auf unser alltägliches Leben deutlich.

Von Wittenberg aus verbreitet sich die Reformation. Schon 1522, fünf Jahre nach Luthers Thesenanschlag, predigt Johann Briesmann, in Cottbus geborener Theologe und Reformator, in seiner Heimatstadt erstmalig lutherisch. Allerdings kann er sich auf Dauer nicht gegen die Franziskaner und den Einfluss des Landesherrn durchsetzen und verlässt die Stadt Ende des Jahres 1522.

In der Cottbuser Chronik ist nachzulesen, dass zu Fronleichnam am 1. Juni 1537 in den beiden Cottbuser Kirchen erstmals offiziell lutherisch gepredigt wird. Der in Cottbus geborene Johann Mantel, gleichzeitig Beichtvater der Kurfürstin, predigt in der Oberkirche. In der Klosterkirche verkündet Johann Ludeck das Wort Gottes. Die wenigen verbliebenen katholischen Geistlichen verlassen die Stadt. Das Kloster wird aufgelöst, seine Güter werden säkularisiert. In den 1540er-Jahren ist die Niederlausitz weitgehend evangelisch geprägt.

Eine besondere Herausforderung der Reformation in der Niederlausitz ist der Umgang mit den Sorben/Wenden. Im Jahr 1709 veröffentlicht Johann Gottlieb Fabricius, evangelischer Pfarrer in Kahren, das Neue Testament in sorbischer Sprache.

Was die Reformation bewirkt hat, fasst Ulrike Menzel so zusammen: "Die wichtigste Umwälzung war, dass der Einzelne in unmittelbare Beziehung zu Gott kam." Und: "Luther hat das Biblische in eine Sprache gebracht, die die Menschen verstehen." Dabei ist der Reformator, der an der Sprachgrenze zwischen dem Oberdeutschen im Süden und dem Niederdeutschen im Norden lebte, zum Sprachschöpfer geworden.

"Ohne die Bibelübersetzung gäbe es das heutige Hochdeutsch nicht", stellt die Superintendentin fest und nennt Beispiele für Luthers Wortschöpfungen, die heute jedermann kennt, wie "Stein des Anstoßes" oder "sein Licht unter den Scheffel stellen". Auch das gemeinsame Singen in der Kirche und die Einrichtung von Volksschulen gehen auf den Reformator zurück.

Es war übrigens Johann Briesmann, der großen Einfluss auf die Ausgestaltung der Reformation im Baltikum hatte. "Darin zeigt sich, dass wir zusammengehören und der europäische Gedanke frühe Wurzeln hat", betont die Superintendentin. Auch der Grundsatz, dass Gesellschaftsordnungen nie Selbstzweck werden dürfen, sondern immer zu prüfen ist, wie sie dem Menschen dienen, habe seinen Ursprung in der Reformation.

Termine

3. Februar, 18 Uhr: In der Reihe "Reformation bedenken" der Cottbuser Oberkirche spricht Dr. sc.theol. Gerhard Begrich zum Thema "Martin Luthers Übersetzung und Übersetzung nach Martin Luther".

9. Februar, 10 Uhr: Die Cottbuser Autorin Maxi Hill ist Gast der monatlichen Vortragsreihe der Urania.