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Was der Busfahrer im Spiegel sieht

Bernd Bauersachs zeigt den Kindern, welchen Bereich er mit seinen Spiegeln einsehen kann.
Bernd Bauersachs zeigt den Kindern, welchen Bereich er mit seinen Spiegeln einsehen kann. FOTO: Cottbusverkehr
Cottbus/Spree-Neiße. 1137 Schulanfänger aus Cottbus und dem Umland haben im letzten Quartal des Jahres 2016 die Busschule besucht. Die Polizeihauptmeisterin Silke Nitschke und der Busfahrer und Ausbilder Bernd Bauersachs sind ein eingespieltes Team. Verkehrserziehung ist mit ihnen alles andere als langweilig. Annett Igel-Allzeit

Eine Puppe fliegt durch den Bus. Die Erstklässler an der Lehrhaltestelle staunen und schauen nach: Wo ist die Stoffpuppe im Gang gelandet? Weil der Busfahrer auch mal scharf bremsen muss, wenn die Situation im immer hektischer werdenden Berufsverkehr es erfordert, muss man sich stets gut festhalten. Auch dass sie morgens beim Warten auf den Bus nicht schon gespannt auf dem Bordstein wippen oder gar auf die Fahrbahn laufen und sie den Schulranzen gleich vorm Einsteigen abnehmen, lernen die Kinder. Silke Nitschke von der Prävention der Polizeidirektion Süd vermittelt den Mädchen und Jungen spielerisch die Theorie. "Ich erkläre ihnen beispielsweise die Bedeutung des Nothammers, wie die Türen funktionieren und den Sinn der Piktogramme und Verkehrsschilder", sagt Silke Nitschke. Nebenbei werde auch der Frage auf den Grund gegangen, wie viele Elefanten dem Gewicht eines Busses entsprechen. "Wenn wir etwas mehr Zeit mit den Klassen haben, bekommen wir bei Cottbusverkehr auch die Möglichkeit, einmal in die Werkstatt zu schauen und den Kindern zu zeigen, dass ein Bus außen wie innen regelmäßig gereinigt werden muss", erklärt die Polizeihauptmeisterin.

Viele Fragen hätten die Erstklässler in der Busschule noch nicht. "Aber sie erzählen ins oft, was sie so beobachten und was Erwachsene im Bus und in der Straßenbahn alles falsch machen", sagt Silke Nitschke und lacht. Ja, es sei immer ein Spagat zwischen einer kindgerechten Vermittlung und dem nötigen Ernst.

Den Praxisteil übernimmt in Cottbus der Bus- und Straßenbahnfahrer Bernd Bauersachs, der auch Ausbilder und Fahrschullehrer ist. "Er betreibt das Projekt mit Herz und Seele und ist stets mit Freude, guter Laune und Energie bei den Verkehrsneulingen", sagt Christin Heldt, Pressesprecherin der Cottbusverkehr GmbH. "Und er kann einfach richtig gut mit Kindern umgehen. Das ist in solch einem Projekt wichtig", ergänzt Silke Nitschke.

Von Mitte September bis Ende Dezember war das rollende Klassenzimmer im Vorjahr unterwegs. 22 Schulen aus Cottbus und der Region wie Peitz, Kolkwitz und Burg im Spreewald haben diesmal teilgenommen. "Es freut mich, dass wieder zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Busschule besuchen konnten", sagt Ralf Thalmann, Geschäftsführer der Cottbusverkehr GmbH, "die Sicherheit der Verkehrsneulinge liegt uns besonders am Herzen. Die Busschule ist deshalb ein fester Bestandteil eines jeden Jahres."

Das Projekt, das sich an die Erstklässler richtet, gibt es seit 2001 bei Cottbusverkehr. Im März 2016 war das Projekt sogar mit dem deutschen Fahrgastpreis ausgezeichnet worden. Dieser P reis wird an Organisationen, Personen und Betriebe verliehen, die sich besonders für Fahrgastbelange einsetzen, erklärt Christin Heldt. Seit Start der Busschule haben fast 20 000 Abc-Schützen im rollenden Klassenzimmer gelernt, weiß sie.