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| 10:32 Uhr

Historischer Hintergrund
Was das Kottbusser Tor mit Cottbus zu tun hat

 Die Postkarte von 1905 trägt die Überschrift „Berlin. Kottbuser Thor mit Hochbahn".
Die Postkarte von 1905 trägt die Überschrift „Berlin. Kottbuser Thor mit Hochbahn". FOTO: dpa / Christoph Soeder
Cottbus/Berlin. In Berlin erinnert der Name eines bekannten Platzes an eine brandenburgische Stadt, die aber anders geschrieben wird. Was wissen Berliner über sie?

Cottbus ist mitten in Berlin. An einem pulsierenden Ort. Wo es hektisch und laut ist. Autoschlangen drücken sich über die große Kreuzung, darüber rauschen U-Bahnen auf einer Hochtrasse. Das Kottbusser Tor in Kreuzberg. Spricht man dort Leute an, haben viele von Brandenburgs zweitgrößter Stadt, die dem „Kotti“ einst den Namen gab, kaum eine Vorstellung.

„Cottbus, liegt das nicht in Sachsen?“ fragt eine junge Frau. Ein Berliner nimmt seine Musik-Kopfhörer ab und sagt: „Fällt mir irgendeine Sehenswürdigkeit in Cottbus ein? Nein.“ Ein anderer Mann erwähnt den Fußballverein Energie Cottbus. Häufig kommt noch diese Assoziation: Plattenbau-Stadt. Aber es gibt auch Berliner, die schon häufiger in Cottbus waren und denen es gut gefallen hat. „Nette Stadt, da haben Freunde von mir studiert“, sagt zum Beispiel ein junger Mann auf einem Fahrrad.

Eine Frau blickt auf das Schild der U-Bahn-Station. „Cottbus wird doch mit C geschrieben“, sagt sie. Schreibweisen der Stadt in der Lausitz mit heute 100 000 Einwohnern gab es in der Vergangenheit jede Menge. Godebutz, Codbusch, Cadbuß, Kohebuz, Kotpus zum Beispiel, wie das Cottbuser Stadtmuseum auflistet. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt.

„Es gibt ungefähr 130 verschiedene Schreibweisen von Cottbus“, sagt der Leiter der Städtischen Sammlungen, Steffen Krestin. Die mit C und K seien im 19. Jahrhundert permanent im Wechsel genutzt worden. „Das Doppel-T hat sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts manifestiert.“

Das Hin und Her von C und K gab es auch am Kottbusser Tor in Berlin, wie im Archiv des FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museums zu erfahren ist. Auf einer Karte eines Buches aus dem 18. Jahrhundert ist zum Beispiel die Bezeichnung „Cottbusser Thor“ zu lesen. Auf einer Postkarte aus dem Jahre 1905 steht dagegen: „Berlin. Kottbuser Thor mit Hochbahn“. Auf einer vom Landesarchiv Berlin im Internet zugänglichen Stadtkarte von 1910 ist die Schreibweise so: „Kottbuser Tor“. Der Vergleich zeigt auch, dass nicht nur der Anfangsbuchstabe von Cottbus unterschiedlich geschrieben wurde: Während beim Kottbusser Tor das Doppel-s genutzt wird, schreiben sich die Einwohner eigentlich heute so: „Cottbuser“.

Die jetzige Schreibweise der Stadtnamens - also mit C - setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts durch: „Am 10. Februar 1905 beschloss der Magistrat von Cottbus die amtliche Schreibweise mit C. Die Schreibweise mit K blieb aber als Ausnahme möglich“, erläutert Krestin. Es gibt eine weitere Quelle: „In einem Brief des Oberbürgermeisters aus dem Jahr 1911 steht: "Der Herr Minister hat entschieden, dass der Name Cottbus mit C zu schreiben ist."“

Im rund 120 Kilometer entfernten Berlin blieb hingegen das K als Anfangsbuchstabe für den Platz, ebenso für die von der Kreuzung abgehenden Kottbusser Straße, die in den Kottbusser Damm übergeht.

Das Kottbusser Tor war früher Teil der einstigen Stadtmauer in Berlin, wie in Helmut Zschockes Buch „Die Berliner Akzisemauer“ zu lesen ist. Das Tor lag demnach an einer alten Handelsstraße und diente unter anderem zur Kontrolle der aus Richtung Cottbus und Dresden eingeführten Waren. Es zählte Zschocke zufolge im Sommer 1865 zu den ersten Segmenten der Stadtmauer, die entfernt wurden.

Heute erinnert der Name des U-Bahnhofs an das Tor. Der Hochbahnhof lag zunächst an einer anderen Stelle, etwa 100 Meter entfernt vom jetzigen Standort, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilen. Der Bahnhof mit dem Namen „Kottbuser Thor“ wurde demnach am 18. Februar 1902 eröffnet. Die Schreibweise sei entsprechend einer Orthographischen Konferenz im Jahre 1901 dann in „Kottbusser Tor“ geändert worden. Der alte Hochbahnhof wurde später abgerissen - der neue Umsteigebahnhof an der heutigen Stelle eröffnete laut BVG im Jahre 1929.

Gab es jemals die Idee, die U-Bahn-Station an die heutige Schreibweise der Stadt Cottbus anzugleichen? Die BVG teilt dazu mit: „Eine Umbenennung ist und war bisher nicht beabsichtigt. Da es auf der Berliner U-Bahn-Linie U5 auch noch einen Bahnhof mit dem Namen "Cottbusser Platz" gibt, wäre auch zur Vermeidung von Verwechslungen eine Umbenennung ungünstig.“

Die Stadt Cottbus hat heute übrigens zwei Schreibweisen auf den Ortsschildern: Cottbus/Chóśebuz. So mancher Tourist denkt, es handele sich wegen der Nähe zur Grenze um eine polnische Übersetzung. Es ist aber der sorbische Name. Das Volk der Sorben und Wenden mit slawischen Wurzeln siedelt seit ungefähr 1500 Jahren in der Lausitz und heute nur noch dort. Cottbus ist neben Bautzen eine Hochburg.

(dpa/chw)