ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:43 Uhr

Schmier-dein-Pausenbrot-Tag am 10. März
Lieber die Gesichtswurst

Zeigt her Euro Brotbüchsen! Cottbuser Erstklässler packen aus FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Lausitzer Eltern führen sie. Die allmorgendliche Umfrage zum Pausenbrot und dessen Belag. Ist es an dem einen Morgen noch die Bärchenwurst, ist es am nächsten schon die mit Gesicht. Heute wird der Tag der gesunden Ernährung begangen. Aus diesem Anlass wirft die RUNDSCHAU einen Blick in die Brotbüchsen einer Cottbuser Grundschule.

Die gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig. Es soll schmecken, aber vor allem sollen die Sprösslinge groß und stark werden. Dabei ist es laut Ernährungsexperten ganz einfach. Viele Ballaststoffe, wenig Fett, viel Obst und noch mehr Gemüse. Ganze Mythen ranken sich um den besten Pausensnack und darum, wie den Kleinen gesunde Lebensmittel untergejubelt werden können, die sie eigentlich gar nicht gern mögen.

Mit den Worten „Darf ich mal euer Frühstück sehen?“ öffnen sich 20 bunte Büchsen von Erstklässlern in einer Cottbuser Grundschule. Liebevoll geschnittene Gurkenscheiben und Apfelspalten, Vollkornbrot mit Gemüseaufstrich und ein kleiner Keks für die Nerven. Doch das ist nicht die Norm. Das Frühstück für die Erstklässler besteht oft aus Weißbrot, Wurst und Süßigkeiten. Wenig Obst oder die frische Gurkenscheibe, die das Brot auch nach Stunden noch genießbar macht.

Ein Achtjähriger in der letzten Reihe weiß Bescheid: „Gesunde Ernährung heißt Gemüse. Damit wir gesund bleiben.“ Ein anderer erklärt: „Von Honig können wir uns auch ernähren. Da sind viele Vitamine drin.“ Die Grundlagen des Wissens sind da. Zurück zum zweiten Frühstück in der Schule. Alle, 20 Kinder frühstücken morgens zu Hause. Meistens Cornflakes mit Milch. Das finden sie oftmals leckerer als ihren Pausensnack. Schwer nachvollziehbar? Ein Mädchen berichtet: „Ich habe jeden Tag Filinchen mit Honig mit. Mein älterer Bruder auch.“ Der kleine Junge in der Mittelreihe spricht leise. „Mama hat mir mal Pommes mitgegeben. Mit Ketchup.“ Lachen und Tuscheln erfüllt das Klassenzimmer. Aus einer Ecke ruft es: „Letztens hatte er sogar Cheeseburger mit!“ Der kleine Mann schämt sich. Die Lehrerin zuckt mit den Schultern und sagt: „Wir können nicht mehr tun, als mit den Eltern zu sprechen. Umsetzen müssen sie es alleine.“

Getauscht wird das Frühstücksbrot nicht, aber wenn ein Kind kein „Stullchen“ mitbekam, weil Mama es vergessen oder Papa keine Zeit hatte, wird geteilt. Verhungern kann hier also keiner. Getränke sind auch genug da. Die Klassenlehrerin erzählt, dass das Wasser der Schule ständig kontrolliert wird und deshalb ohne Probleme getrunken werden kann. In kinderfreundlichen, bunten Trinkflaschen befindet sich hauptsächlich Wasser, gefolgt von Tee und Apfelsaft. Fünf der Kinder kümmern sich selbst darum. Aber nicht nur dabei zeigt sich die erste Klasse selbstständig. Einige Kinder schmieren sich sogar ihre Pausenbrote allein. „Ich finde das gut. Wir sind zu Hause sechs Kinder“, sagt ein Mädchen stolz.

Ein Frühstück fällt auf. Waffeln, Riegel, eine halbe Tafel Schokolade. Kein Obst, nichts zu trinken. Der achtjährige Junge, dem die Büchse gehört, wird von seinen Eltern bei der Auswahl des Snacks allein gelassen. Er packt jeden Morgen das in den Rucksack, was im Haushalt ist. In diesem Fall ausschließlich Süßigkeiten. Von diesen sollten Kinder pro Tag maximal eine kleine Handvoll zu sich nehmen. Dieser Rechnung nach könnte der Junge mit seinem täglichen Pausensnack eine ganze Woche schlemmen. Werden die Kinder gefragt, haben sie klare Wünsche. Apfel, Banane, Kiwi, vielleicht eine kleine Schokolade. Ein Junge wünscht sich ein Fischbrötchen, die Mädchen möchten lieber Erdbeeren und Melone. Nur acht der 20 Kinder können beim Pausenbrot mitentscheiden. Vielleicht mag das Kind die Mortadella gar nicht?