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| 19:15 Uhr

Tradition
Chinesen mit Unesco in Burg

Die Burger Trachtenstickerin Christa Dziumbla (3. v. l.) begrüßte in ihrer Werkstatt eine chinesische Stickergruppe der Sani, einer Gruppe der nationalen Minderheit der Yi, die mit ihrer Stickkunst zum Weltkulturerbe gehören.
Die Burger Trachtenstickerin Christa Dziumbla (3. v. l.) begrüßte in ihrer Werkstatt eine chinesische Stickergruppe der Sani, einer Gruppe der nationalen Minderheit der Yi, die mit ihrer Stickkunst zum Weltkulturerbe gehören. FOTO: Marion Hirche
Burg. Die Stickerei als Volkskunst verbindet Wenden in Burg und Sani in China. Von Marion Hirche

„Ich hatte 27 Chinesen zu Gast und unaufhörlich haben die Kameras in meiner kleinen Stickerwerkstatt geklickt“, berichtet Trachtenstickerin Christa Dziumbla. Die Burger Trachtenstickerin hatte  jetzt im Oktober Besuch von einer Unesco-Delegation.

Als  Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation organisiert die Unesco unter anderem den weltweiten Kultur- und  Bildungsaustausch.  Die Berliner Vertreter dieser UNO-Organisation haben eine Delegation der Sani nach Burg im Spreewald geschickt. Die Sani sind ein Zweig der nationalen Minderheit der Yi, die  im Dorf Shilin bei Kunming in China leben. Weltberühmt sind sie für ihre äußerst filigranen Stickereien. Ihre Stickkunst ist als Weltkulturerbe anerkannt.

Bei Christa Dziumbla  erfuhren sie, welche Bedeutung die Stickerei für die Trachten der Wenden hat. Sie konnten der Meisterin bei der Arbeit über die Schulter schauen und drei Delegationsmitglieder  durften eine wendische Festtagstracht anziehen.

„Sie haben mir auch ihre Arbeiten gezeigt und da bin ich aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Ihre Muster sind äußerst präzise und viel feiner als das, was wir sticken“, meint die Burgerin.

Die Sani verwenden ihre Stickereien überall im Alltag, für die Kleidung, für Tisch- und  andere Haushaltswäsche, für Taschen, Schuhe, Wandbehänge. Nach Burg haben sie eine Musterdecke mit ihren Motiven mitgebracht. Neben Ornamenten, die alle eine Bedeutung haben,  malen sie mit ihren feinen Nadelstichen auch Bilder mit Naturmotiven, Fischen, Vögeln, Blumen, Landschaften.

Die Burgerin erkundigte sich bei den Chinesen, wie sie ihre so gleichmäßigen Motive herstellen. Ob sie da etwas vorzeichnen würden, wie es ja zum Beispiel bei den Schultertüchern der Festtagstracht gemacht wird. Die Antwort verblüffte: „Das zeichnen wir nicht vor, das haben wir im Kopf“. „Für mich war das ein besonderes Erlebnis, zumal ich sehr gut einschätzen kann, wie phänomenal ihre Stickkunst ist“, betont Christa Dziumbla nach diesem Besuch. Die asiatischen Besucher trugen sich natürlich auch mit chinesischen Schriftzeichen in das Gästebuch der Stickerwerkstatt ein.

Danach gab es noch eine Kahnpartie vom Spreehafen aus mit Thomas Petsching am Rudel sowie  mit vielen Informationen über den Spreewald.  Den Abschluss  bildete ein Abendbrot für  die Chinesen in der Kräutermühle. Die Gäste ihrerseits führten eine kleine chinesische Oper auf und sie bedankten sich bei Christa Dziumbla und Thomas Petsching mit einem Geschenk: beide bekamen einen von den Sani bestickten Schlips.