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| 19:05 Uhr

17. Juni 1953
Vor 65 Jahren – Erinnerungen an Cottbuser Stadtgeschichte

Die Lausitzer Rundschau-Titelseite vom 19. Juni 1953. Mehr zu dem Thema aus historischen Zeitungen gibt es auf www.lr-online.de/cottbus
Die Lausitzer Rundschau-Titelseite vom 19. Juni 1953. Mehr zu dem Thema aus historischen Zeitungen gibt es auf www.lr-online.de/cottbus FOTO: LR
Cottbus. Gesprächsrunde mit Zeitzeugen zum 17. Juni 1953 im Stadtmuseum

Die Ereignisse am 17. Juni 1953 haben eine politische Vorgeschichte. Historiker, Buchautor und Journalist Dr. Burghard Ciesla ordnete dieses für den Staat und die herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands lange nachwirkende Ereignis ihrer politischen Machtausübung in internationale Zusammenhänge ein. Zeitzeugen schilderten, wie sie den Tag in Cottbus erlebt haben.

Das Stadtmuseum hat eine aus Potsdam übernommene Ausstellung zum 17. Juni 1953 um zwei Tafeln ergänzt, die sich direkt auf die Ereignisse in Cottbus beziehen. In einem Film, von Peitzer Schülern konzipiert und recherchiert, schildert Erika Vogel ihre Erinnerungen an die Geschehnisse damals. „Unsere Ausstellung und das Zeitzeugen-Interview ist dazu gedacht, das Thema in die jüngere Generation zu tragen“, eröffnete Museumsdirektor Steffen Krestin die Gesprächsrunde. Im Eingangsreferat konnte Dr. Burghard Ciesla an mehreren Beispielen deutlich machen, dass es eine Vorgeschichte zu diesem Tag gibt: die SED-Führung hatte bereits im April 1952 direkte Vorgaben aus der Moskauer Politzentrale erhalten, wie die DDR „als Vorposten des Sozialismus“ politisch und strukturell aufzubauen ist. Die danach eingeleiteten Maßnahmen führten unter anderem zur Planwirtschaft, zu Normerhöhungen und einer Kollektivierung der Landwirtschaft. „Die daraus resultierenden Unruhen waren also durch die Staats- und Parteiführung selbst erzeugt worden“, so der Historiker. Der 17. Juni wirkte bis zum Ende der DDR weiter. Am 31. August 1989 fragte Stasi-Chef Mielke im Rahmen einer Politbürozusammenkunft erregt: „Genossen, ist es so, dass morgen der 17. Juni ausbricht?“

In Cottbus nahmen etwa 1500 Teilnehmer an Demonstrationen teil. Wolfgang Ladusch beschrieb den Weg des Demonstrationszuges mit der Erinnerung, dass vor dem Polizeirevier in der Mauerstraße den Polizisten zugerufen wurde: „Zieht euch aus, kommt zu uns.“ Dort hatte sich eine größere Menschenmenge versammelt. Ingeborg Müller, damals als Verkäuferin in einem „Hutsalon“ in der Marktstraße beschäftigt, erzählte eingangs der Gesprächsrunde, dass sie sich selbst ein Bild von den Vorgängen auf dem Altmarkt machen wollte, als man ihr erklärte, dass es sich um ein paar ‚Verwirrte’ der Jungen Gemeinde, also der Kirche, handele, die unseren Staat stürzen wollen. Sie berichtete auch, dass Panzer-Spähwagen auf dem Altmarkt fuhren.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Cottbus, die mit Unterstützung des Verein Initiative Aufarbeitung „Region Cottbus und die beiden deutschen Diktaturen e.V.“ präsentiert wird, kann bis 7. Juli besucht werden.

Dr. Burghard Ciesla
Dr. Burghard Ciesla FOTO: Ulrich Littko