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Warum Leag-Chef Rendez Vernunftspolitik fordert

Leag-Vorstandschef Helmar Rendez zieht im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus Bilanz.
Leag-Vorstandschef Helmar Rendez zieht im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus Bilanz. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Die Bilanz nach dem Eigentümerwechsel fällt positiv. Konventionelle Energieträger beweisen sich als Partner der Energiewende – ohne Ausstiegsdatum. Christian Taubert

Wenn Helmar Rendez die politische Debatte um eine wie immer gefärbte Jahreszahl für den Kohleausstieg in Deutschland bewerten soll, dann warnt er die Bundespolitik vor einer konkreten Festlegung. Der Vorstandschef des in Cottbus beheimateten Energieunternehmens Leag mahnt immer wieder zu "Vernunftspolitik". Und das hat mehrere Gründe, wie er am Mittwoch vor der Presse im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus erklärte.

Ein wesentlicher Grund ergibt sich aus der Leag-Bilanz für das Jahr 2016. Einem "bewegten Jahr", sagt der Leag-Vorstandschef und hebt auf den neuerlichen Verkauf der Lausitzer Kohle und Kraftwerke ab. "Aber es hat sich gelohnt", verweist Rendez auf

den Spitzenwert von 62 Millionen Tonnen geförderter Braunkohle, auf rund 55 Milliarden Kilowattstunden erzeugten Strom,rund 1,8 Millionen Tonnen Briketts, Braunkohlenstaub und Wirbelschichtkohle sowie einen Lieferantenumsatz von 900 Millionen Euro, wobei mehr als 3300 Partnerunternehmen davon partizipieren.

"Die Braunkohle ist in Deutschland der zweitwichtigste Energieträger mit einem Stromerzeugungsanteil von 23 Prozent", resümiert Rendez und fügt hinzu: "Jede zehnte Kilowattstunde Strom für Deutschland kommt aus der Lausitz."

Die Energiewende mit Vernunft umzusetzen, bedeute zugleich aber auch, auf die 8000 Industrie-Arbeitsplätze in den Tagebauen und Kraftwerken zu verweisen. Und darauf, dass rund eine Milliarde Euro pro Jahr an Firmen der Region gehen. Das sichere rund 12 000 bis 16 000 Arbeitsplätze in diesen Unternehmen. Für den Leag-Chef werde das auch noch lange so bleiben. Allein durch den Atomausstieg würden 90 Prozent der konventionellen Energien für die Sicherung der Netzstabilität benötigt.

Mit einem Blick aus dem Fenster und auf das "Mäusekino" seines Smartphons belegt Rendez zudem, dass die Versorgungssicherheit mit Strom auch diesem Tag "nur durch die flexiblen Kraftwerke aufrecht erhalten werden kann". Wenn Wind und Sonne fehlen, müssen die Konventionellen ran. Allein im Januar 2017 hätte der Kraftwerkspark 95 Prozent der Netzleistung abgedeckt. Weil es einen so hohen Strombedarf gegeben habe, seien die Kraftwerke von 15. bis 26. Januar zu 100 Prozent im Einsatz gewesen.

"Zur Absicherung des hohen Strombedarfes haben wir zeitweise unsere Tagebaue vom Netz genommen", sagt Rendez. Immerhin habe mit dem zusätzlichen Strom im Netz gut Geld verdient werden können. Denn auch das trägt zur guten Leag-Bilanz bei: Mit dem aus dem Tal aufgestiegenen Strompreis von jetzt rund 30 Euro pro Megawattstunde im Durchschnitt "können wir leben".

Was aus Sicht des Leag-Managers letztlich zu Vernunft bei der Energiewende ermahnt, sei ein Blick auf die verfügbaren Stromspeicher. "Deutschland ist der Champion bei der Versorgungssicherheit in Europa", betont Rendez mit Verweis auf mehr als 16 000 Stunden pro Jahr, in denen Kraftwerke hoch- und runtergefahren werden mussten, um den Vorrang der Erneuerbaren zu gewähren oder deren Fehlen auszugleichen. Wenn mit einem Kohleausstieg 2025, wie es die Grünen im Bund beschlossen haben, etwa 54 Prozent der regelbaren Stromerzeugung nicht mehr verfügbar wären, dann müssten Stromspeicher aktiv werden. Laut Rendez können zurzeit alle deutschen Pumpspeicherwerke für drei Stunden Abhilfe schaffen. Mit einer Flotte von einer Million Elektroautos, die Batteriestrom ans Netz zurückgeben können, kämen etwa fünf bis zehn Minuten hinzu.

Helmar Rendez erwähnt nur nebenbei, dass 2016 kein gutes Jahr für die Erneuerbaren Energien gewesen sei: Ihr Zuwachs an der Stromerzeugung hätte trotz des bundesweiten Ausbaus unter zwei Prozent gelegen. Und er bedient sich bei der Beantwortung der Frage nach dem Kohleausstieg in Deutschland gern bei Professor Georg Erdmann von der TU Berlin. Der hatte im RUNDSCHAU-Interview, statt auf eine Jahreszahl zu verweisen, gesagt: Der Kohleausstieg findet von ganz alleine statt - wenn der Neubau von Kohlekraftwerken verhindert werden kann.