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| 10:28 Uhr

Diskussion im Netz
Was ist beim Hund anders als bei der Katze?

So einvernehmlich wie die Vierbeiner ist es bei den Herrchen nicht immer. Tiere sind immer wieder mal auch Zankapfel, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten oder auch bei kommunalen Abgaben. Nicht selten ist die Hundesteuer auch Anlass für ein Gerichtsverfahren. Hundebesitzer fühlen sich gegenüber Katzen-Herrchen benachteiligt.
So einvernehmlich wie die Vierbeiner ist es bei den Herrchen nicht immer. Tiere sind immer wieder mal auch Zankapfel, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten oder auch bei kommunalen Abgaben. Nicht selten ist die Hundesteuer auch Anlass für ein Gerichtsverfahren. Hundebesitzer fühlen sich gegenüber Katzen-Herrchen benachteiligt. FOTO: Ermolaev Alexandr Alexandrovich / Fotolia / Ermolaev Alexandr Alexandrovich
Cottbus. Cottbus plant mit Mehreinnahmen bei der Hundesteuer. Das wird im Netz hart diskutiert. Die RUNDSCHAU hat nachgefragt: Was ist mit Katzensteuer? Von Sybille von Danckelman

Das Thema Katzensteuer geistert immer mal wieder durch die Medien. Viele Hundebesitzer meinen, dass es ungerecht sei, ihre Tiere zu besteuern, jedoch nicht die ebenfalls in großer Zahl gehaltenen Katzen. „Bittet mal lieber auch die Katzenhalter zur Kasse. Die scheißen fast jede Woche in unsere Beete. Und Sandkästen auf Kinderspielplätzen bleiben auch nicht verschont. Aber wehe, ein Hund macht das“, schreibt etwa eine Nutzerin zum Beitrag „Stadt bittet Hundehalter zur Kasse“ auf die RUNDSCHAU-Facebookseite. Zum andern fehlten Mülleimer und Hundetoiletten, wozu dann die Steuer? „Frechheit ist das!!!“, macht sie ihrem Ärger Luft.

Sie habe das Katzenproblem schon mehrfach gemeldet, da hieß es, man könne nicht die ganze Zeit auf Katzensuche gehen, lautet ein weiterer Kommentar. Mit einer Katzensteuer bekämen die Tierheime noch mehr Probleme mit ausgesetzten Katzen, befürchtet eine andere Nutzerin. „Lieber Geld in die Kastration stecken, um die unendliche Vermehrung zu verhindern.“

Die RUNDSCHAU hat die Frage nach einer Katzensteuer weitergereicht. Tierärztin Dr. Annett Stange hält eine Katzensteuer für nicht machbar. „Für Hunde gibt es eine Leinenpflicht, Katzen streunen frei herum, an Gehöften, wie will man die zuordnen?“, zeigt die Tierheimleiterin im Tierschutzligadorf Groß Döbbern (Spree-Neiße) die Schwierigkeiten auf. Eine Chip-Pflicht wäre eine Möglichkeit, „aber Katzen sind scheu“, gibt sie gleichzeitig zu bedenken. Und die Umsetzung funktioniere schon bei Hunden nicht, weiß Annett Stange. Dass das Halten von Hunden in Deutschland besteuert wird, das von Katzen hingegen nicht, hat historische Gründe. Das Brandenburger Finanzministerium hat einmal nachgeblättert: Hundesteuern wurden in Deutschland immer wieder erhoben. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Hunde als Luxusgüter angesehen und die Steuer, die an die Verschmutzung der Straßen durch die Hinterlassenschaften der Tiere anknüpfte, richtete sich eher an wohlhabende Menschen. Preußen erhob ab 1814 eine Luxussteuer auf das Halten von Hunden, Katzen, Pferden, Enten, Stubenvögeln und Hausdienern sowie den Besitz von Klavieren und Pferdeschlitten. Bismarck führte eine kommunale Hundesteuer sowie die Hundemarke ein, um den Hundebestand zu kontrollieren und die Ausbreitung der Tollwut und anderer Seuchen zu verhindern.

Dr. Annett Stange, Geschäftsführerin des Tierschutzligadorfes Döbbern, hat selbst sieben Hunde. Die Frage nach einer Katzensteuer sei schwer zu beantworten. Sie hält eine Einführung für nicht machbar.
Dr. Annett Stange, Geschäftsführerin des Tierschutzligadorfes Döbbern, hat selbst sieben Hunde. Die Frage nach einer Katzensteuer sei schwer zu beantworten. Sie hält eine Einführung für nicht machbar. FOTO: LR / Josephine Japke

In einigen Gemeinden wurde das Halten einer zweiten Katze besteuert aufgrund der schlechten Wirtschaftslage. „Damals wie heute spielen Lenkungszwecke im Steuerrecht eine Rolle“, erklärt Pressesprecherin Ingrid Mattern. So werde in einigen Gemeinden für Kampfhunde zur Abschreckung ein Vielfaches an Hundesteuer fällig. Was die Gemeinden mit dem Geld machen, ist ihre Sache. Grundsätzlich spricht auch nichts gegen eine Steuer für Katzen. Derzeit gibt es in Deutschland aber keine Kommune, die das macht. Meist wird das mit einem zu großen Verwaltungsaufwand begründet. Zudem werden Katzen in vielen Fällen auch immer noch gehalten, um Bauernhöfe frei von Ratten und Mäusen zu halten, ein gewisser Mehrwert für die Gemeinde ist ihnen also nicht abzusprechen. Wenn eine Stadt eine solche Steuer dennoch für nötig hält, dann müsste sie nach §2 des Kommunalabgabengesetzes einen Antrag beim Innenministerium stellen. Bis jetzt war noch kein Bedarf dafür.

Jens Graf, Geschäftsführer des brandenburgischen Städte- und Gemeindebundes, hält eine Einführung einer Katzensteuer ohnehin für eine nicht so ganz einfache Sache. Die Hundesteuer sei klar im Kommunalen Abgabengesetz geregelt. Katzensteuer müsste seiner Meinung nach über Aufwandsteuer gehen. Und da sei es fraglich, ob der Aufwand, eine Katze zu halten, tatsächlich über die gewöhnliche Lebensführung gehe, so Graf. Der Aufwand sei doch überschaubar.

Beim Hund sei das schon anders. In Cottbus sorgen schon die Ankündigung einer schärferen Kontrolle und Mehreinnahmen durch die bereits vorhandene Hundesteuer für Diskussionen. Wenn die Stadt schon Geld nimmt, dann „sollte für die Hunde in der Stadt auch mal was gemacht werden“.  Er rede von eingezäunten Wiesen und nicht den drei Wiesen an der Straße. Er ärgere sich jetzt noch, dass er seinen Hund angemeldet habe, schreibt ein Leser auf Facebook.