Von Peggy Kompalla

Der Förderverein Cottbuser Ostsee zählt die Stunden bis zum Flutungsbeginn. Der Countdown startet am Montagabend. Demnach wird der Wasserhahn am frühen Abend des 12. April aufgedreht. Das Landesbergamt gibt dagegen noch keine offiziellen Termin heraus, widerspricht allerdings auch nicht. Mit einer kurzweiligen Talk-Runde eröffnet der Verein sein Ostsee-Fenster in der Spree Galerie. Im Podium sitzen Bürgermeisterin Marietta Tzschop­pe (SPD) und der Lausitzbeauftragte Klaus Freytag. Gemeinsam mit Vereinschef Denis Kettlitz läuten sie eine Schiffsglocke und starten damit den Countdown. Eckhard Müller greift in die Tasten seines Akkordeons. Er schunkelt die knapp 100 Besucher mit seinen Melodien sanft wie auf Wellen.

Die Mitglieder des Fördervereins wollen nicht länger warten. Sie machen den Cottbusern im neuen Ostsee-Fenster Lust auf das Leben als Seestädter. Den Infopunkt hat der Verein auf einer ungenutzte Ladenfläche aufgeschlagen und den Ort in ein kleines Seeparadies verwandelt. Ganz nach der Maxime von Vereinschef Denis Kettlitz: „Cottbus muss maritimer werden.“ 

Wellen schwappen auf den Schaufenstern und geben den Blick frei auf Strandkorb, Sonnenschirm und ein Motorboot des Wassersportzentrums Cottbus. Noch findet dessen Bootsfahrschule am Schwielochsee statt. Noch. Auf dem Boden liegen Ostsee-Teppiche verteilt. Ein Video läuft und nimmt die Betrachter auf eine Zeitreise mit. Da ist der See schon bis zur Kante gefüllt. Im Jahr 2024 könnte es soweit sein. Die Retter der DLRG stehen dafür bereit und haben schon mal eines ihrer Schlauchboote mitgebracht.

Damit nicht genug: Im Ostsee-Fenster sind alle Informationen rund um die Entwicklung des Sees zusammengetragen. An den Wänden hängen Pläne. Modelle zeigen, wie einzelne Uferbereiche und der Hafen einmal aussehen können. Eine Tafel fragt nach der Meinung. Stifte liegen bereit. Als kleiner Wink saust eine Modell-Parkbahn emsig hin und her.

Das Ostsee-Fenster schafft zweierlei: Es verführt zum Träumen und regt zum Einmischen an. Denn in den nächsten Jahren werden noch zahlreiche Entscheidungen fallen, an denen sich die Cottbuser besser beteiligen sollten. Das imponiert der Bürgermeisterin. Ihr wäre es am liebsten, das Ostsee-Fenster wird zu einem festen Ort der Begegnung. Der Verein stemmt das Projekt allerdings allein mit Ehrenamtlern. Nach bisherigen Plänen bleibt es bis zum 25. April offen (siehe Info-Box).

Etwa 120 Millionen Euro plant Cottbus in den nächsten Jahren für das Projekt Ostsee. Die Bürgermeisterin schränkt ein: „Das sind allein die Planungen und Vorläufe. Mit dem Geld haben wir noch keine Hochbauten errichtet.“ Unterstützung hat die verschuldete Großstadt da dringend nötig. Wie die aussehen könnte, erklärt der Lausitzbeauftragte Freytag. „Es wird eine Art Sprint-Programm geben, über das in den nächsten zwei Jahren schätzungsweise anderthalb bis zwei Millionen Euro in die Umfeldentwicklung des Ostsees fließen werden.“ Darüber hinaus müsse der Ostsee als Projekt in das Strukturwandelprogramm aufgenommen werden. Darüber sei ein Förderung für die nächsen fünf bis zehn Jahre möglich. Allerdings muss selbst der Lausitzbeauftragte zugeben: „Das Geld liegt zwar schon auf einem Konto. Allerdings kennen wir den PIN-Code noch nicht.“

Für alle ist klar: Der Ostsee wird die Chance schlechthin für Cottbus. Allein der Name entspricht einer Marke. Mit der Großstadt am Ufer kommt noch ein Alleinstellungsmerkmal hinzu, mit dem Cottbus in Zukunft auch Berliner und Potsdamer verführen will. Für diese Vorstellung bekommt die Bürgermeisterin Applaus. An diesem Abend sind die Cottbuser mutig und selbstbewusst.