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| 01:06 Uhr

War Cottbus einst die Überfahrt am Fluss?

Der Ortsname Cottbus entspringt einer Ortsbeschreibung. Diese Theorie vertritt Werner Meschkank, Kurator des Wendischen Museums. Bisher sei eine Ableitung vom altslawischen Personennamen Chotebud angenommen worden. Mit einer detaillierten Begründung stellt der Historiker im Jahr vor dem Stadtjubiläum seine Auffassung zur Diskussion. Von Ulrike Elsner

Meschkanks Gedanken über die Bedeutung des Ortsnamens sind Teil einer Festschrift, die Mitarbeiter von Cottbuser Museen zum 75. Geburtstag von Siegfried Neumann, langjähriger Direktor des Museums im Schloss Branitz, im vergangenen Jahr verfasst haben, und ist bisher noch unveröffentlicht. Sein Titel lautet „Cottbus/Chósebuz - Siedlung, Burg, Marktflecken und der Ärger mit dem schwer erklärlichen Ortsnamen oder Die Suche nach der Überfahrt“ .
Eine Ortsbeschreibung sei häufig Ausgangspunkt für einen Ortsnamen gewesen, erklärt der Autor im RUNDSCHAU-Gespräch. Danach sei auch die Übersetzung von Tauer mit Auerochsensiedlung falsch. Tur bedeute zwar Auerochse. Doch dass tatsächlich eine Rinderherde dem Ort seinen Namen gegeben hat, sei eher unwahrscheinlich. Vielmehr könne die Siedlung ihren Namen der benachbarten Erhebung zu verdanken haben, deren rund rückige Form an einen Auerochsen erinnere. Ähnlich wie Thüringen oder Tirol.
Meschkank wendet „die Methode der sinnvollen Beschreibung“ , wie er es nennt, auch auf andere Orte an und kommt dabei zu überraschenden, doch plausiblen Erklärungen. Hiddensee werde üblicherweise von König Hitin abgeleitet. Werner Meschkank: „Ich höre etwas anderes heraus.“ Der Inselname sei einfach die Beschreibung dessen, was Menschen gesehen haben. „Für wendische Ohren klingt Hiddensee nach ,Land mit Wolkenkappe', gesprochen Hydenscha. Der wörtliche Sinn lautet ,die benebelte Insel'.“
Auch für Rügen hat Meschkank eine andere als die übliche Erklärung. Nicht das germanische Volk der Rugier habe der Insel ihren Namen gegeben. Vielmehr bedeute Rog Landvorsprünge und damit eine sinnvolle Beschreibung des Zustands der Insel.
Diese Methode wendet der Historiker auch auf Cottbus an. „Koprzewóz“ oder „Kocebuz“ bedeute einfach „zur Überfahrt“ . Der Ursprung des Ortsnamens sei sinnvoll mit „Überfahrtsstelle am Fluss“ zu erklären. Fremde seien mit dem Hinweis „ko przewóz“ zur Überfahrt durch die Spree am Fuße des Burgwalls gewiesen worden.
Jeder Fremde habe nun, egal wo er sich befand, die Wenden nur „Kotschebus“ (Zur Überfahrt) fragen müssen, ohne den Sinn des Wortes verstehen zu müssen. Im ständigen Sprachgebrauch habe sich schließlich „Kocebóz“ für die gesamte Anlage, Überfahrt mitsamt Siedlung, eingebürgert.
Der Ursprung des Ortsnamens, so Meschkank, könne sowohl sorbisch-wendisch als auch polnisch sein. Schließlich habe die Niederlausitz bis 1018 zu Polen gehört. Um mögliche Hinweise dazu aus polnischen Archiven zu bekommen, will der Historiker seinen Beitrag in polnischer Sprache in den in Warschau erscheinenden „Lausitzer Heften“ veröffentlichen. Die deutsche Version soll demnächst in den „Cottbuser Blättern“ zu lesen sein. Schon jetzt ist der Autor gespannt auf die Reaktionen.
Werner Meschkank: „Jede neue Erkenntnis muss sich erst einmal durchsetzen. Eine neue These kann sich aber auch als Irrtum erweisen.“ Auf jeden Fall komme eine Diskussion zum Ursprung des Cottbuser Ortsnamens kurz vor der 850-Jahr-Feier gerade richtig.